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Aphorismen 9
(184 Texte)



Der Geist des Sonderbaren

Ich mag zwar Geheimnisse,
aber keine Heimlichkeiten:
Ich knuddel, kuschel
schmuse und küsse auch
völlig ungeniert im Blog
etwa mit meiner Schwester
oder mit Freundinnen.

Und das ist für mich
völlig richtig und normal:
Mach ich auch auf der Straße
und im Park oder im Kaffee
vor allen anderen Leuten.

Wem das suspekt vorkommt,
der mag wohl ein wenig
altmodisch eingestellt sein
oder hat niemals gelernt,
seine Gefühle zu zeigen.

Was mir meinerseits
sehr suspekt erscheint:
Dass ich mit jemand
über Monate hinweg
Worte und Gedichte tausche,
ohne je etwas Konkretes
über die Dame zu erfahren,

wo ich eigentlich immer
alles über mich erzähle
und nicht mal auf Anfrage
ihren realen Vornamen
gesagt bekommen habe.

Sie kenne mich nicht
und ich kenne sie nicht,
erklärte sie mir lapidar,
dabei hab ich über Monate

täglich, stündlich, minütlich
von morgens bis abends
auf ein Wort gewartet,
auf eine Geste,
ein Signal

von ihr.




Likes

Ob ich zehn Likes habe
oder hundert oder keins
ist mir egal:

Wenn ich einen Menschen berühre,
einem Menschen helfe,
ein Mensch sich wieder erkennt
und Trost findet,

hat ein Text von mir
seinen Sinn erfüllt.




Feiern

Viel Gründe zu feiern,
immer wieder Party machen,
immer wieder betrinken,
immer wieder lustig sein.

Manche aber stehen abseits,
feiern nicht mit den andern,
betrinken sich nicht,
sind nicht künstlich lustig

können nicht lachen,
wenn alle lachen
und weinen in sich hinein
und wissen nicht warum

und wissen nicht,
warum so viele glücklich sind,
warum so viele sorglos sind,

wo andere verzweifeln.




Westwind

Ach, um deine feuchten Schwingen,
West, wie sehr ich dich beneide:
Denn du kannst ihm Kunde bringen,
Was ich in der Trennung leide!

Die Bewegung deiner Flügel
Weckt im Busen stilles Sehnen;
Blumen, Augen, Wald und Hügel
Stehn bei deinem Hauch in Tränen.

Doch dein mildes sanftes Wehen
Kühlt die wunden Augenlider;
Ach, für Leid müßt’ ich vergehen,
Hofft ich nicht, zu sehn ihn wieder.

Eile denn zu meinem Lieben,
Spreche sanft zu seinem Herzen!
Doch vermeid, ihn zu betrüben,
Und verbirg ihm meine Schmerzen!

Sag’ ihm aber, sag’s bescheiden:
Seine Liebe sei mein Leben;
Freudiges Gefühl von beiden
Wird mir seine Nähe geben.

Marianne von Willemer an Goethe




West-östlicher Divan

Heute das Buch erhalten
mit den Gedichten Goethes
an seine liebste Muse,
Marianne von Willemer,
die er heiraten wollte,
als sie 17 Jahre alt war
und die er besang
bis zu seinem Tode
und die ihm antwortete
in Liebesgedichten,
die auch von Goethe
versteckt aufgenommen
in dem Band schlummern,
ein Austausch teils
erotischer Natur,
ein erstes Chatten
über Liebesbriefe
und Gedichte.

Ich liebe Goethe.




Grundlos unglücklich?

Manche Menschen suchen
einen Grund für ihr Sein,
aber ist nicht das Sein
allein der tiefste Grund?

Das Bestehen in einer Welt,
für die das Leben der Grund ist,
auch wenn sie oft grundlos
ungerecht erscheint.

Und wir manchmal
grundlos doch so übervoll
beschenkt werden,

wenn etwa ein Herz sich öffnet
für uns, uns versteht,
uns annimmt, ummantelt

mit Zuneigung und Liebe
wie eine Mutter im Herzen.




Ich liebe dich
(für meine Schwester)

Über allen dunklen Wolken,
über allen Gewitterstürmen,
über dem Blitzen und Donnern
stehtst du wie eine Sommersonne
mitten in der kalten Daseinsnacht,

obwohl ich dich so oft verlassen hab
und doch niemals allein gelassen:
Mein Seelenfeuer brannte stets
aus weiter Ferne in dein Herz,
ein Leuchttum in der Nacht.

Du bist mir immer fester Halt,
du bist mir mehr als Religion,
du bist mir mehr als Glaube,
du bist ein Stengel mir,
zu meiner vollen Blüte,

der mich hielt und hält
und halten wird,

durch alle Seelenwetter.




Hilferuf

Wenn ein Mensch
ungewohnt aggressiv wird,
vom Engel zum Teufel mutiert,
noch das Liebste in die Pfanne haut
und scheinbar grundlos überreagiert,

dann ist es meist ein Hilferuf der Seele,
die einfach sprachlos weint und sagt:
Nimm mich nur einmal in den Arm,
sag mir wer ich bin für dich
und was ich dir bedeute.

Doch manche Leute
flüchten dann aus Angst
und lassen dich allein zurück,
verstoßen dich aus ihrem Sein,
verstehen nicht, was dich bewegt,

anstatt dich aufzufangen,
einzubinden in die Liebe,
die du ersehnst
und suchst

wie der Romantiker die Blaue Blume.




Die wahre Liebe

.. ist kein Schmetterling,
der fliegt von Blüte zu Blüte:

Die wahre Liebe
ist ein Vogel, der ein Nest baut,

dass alle Zeiten übersteht
und stetig überdauert.

Sie ist eine Rose,
die man in sich trägt,

trotz der Stacheln,
die verletzen,

wenn man sie falsch anfasst.




Gedankenfalle

Wer redet von Verbundenheit,
anstatt von Liebe, Freundschaft,
Zuneigung und Sympathie,
der flüchtet sich ins Unverbindliche.

Misstrauen säat kein Vertrauen
und wer sich selbst nicht traut
und nicht dem eigenen Gefühl,
der traut auch keinem andern,
bleibt immer unverbunden,

bleibt immer unverbindlich,
was er auch sagt,
was er auch tut:

Er bleibt allein bei sich
und nennt es Freiheit,
was Befangensein,

was Gefangensein
im eignen Ich.




Wunschlos unglücklich

Ich möchte Menschen haben,
ich möchte Vertrauen haben,
ich möchte Freunde haben,
Ich möchte Liebe haben,

ich möchte geliebt werden
und lieben dürfen.

Ist das so schwer, verdammt?




Sternenhimmel

Am Ende der Sehnsucht
bleibt nur ein Lachen,
das dich auslacht
ob deines Glaubens.

Was besteht sind die Sterne:
Sie lügen nie.




Ich bin tot

Ich bin tot,
ihr glaubt es nicht?
Ich bin vor Jahren gestorben.

Ich bin mausetot
und meine Texte sind Texte eines Toten.

Irgendwann war Liebe
in meinem Leben
und ich lebte wie nie zuvor.

Es hielt fünf Jahre
in Liebe und Schmerz.

Dann war es aus,
nicht über Nacht,
aber peu à peu.

Ich liebte, wie ich nie
wieder lieben kann.

Und seit es aus ist,
bin ich tot,
wie eine Fliege

an die Wand gepatscht.




Anders als andere

Irgendwann lebt man
und irgendwann ist man tot.

Aber wenn die Stimme versagt,
fühlt man sich eher tot.

Die Umwelt macht sprachlos,
wie die Menschen reagieren.

wie sie sind, wie sie agieren,
auf etwas, das sie nicht verstehen.

Was sollst du sagen,
wenn sie meinen zu wissen?

Wie sollst du argumentieren,
wenn du schon verloren hast,

bevor du sagen kannst,
was dich bedrückt.

wie kannst du sagen,
was nicht zu sagen ist

und was dein Herz beschwert?




Meine Texte

.. sind auch käuflich zu erwerben
in limitierter Auflage,
durchnummeriert
und in Glas gerahmt
mit Originalunterschrift.
für 50 000 Euro das Stück.

Ich bin Künstler.




Wellenspiel

Die Widerwärtigkeiten des Lebens
sind die Stürme des Meeres,
über das wir stetig fahren.

Mal ist die Luft flau,
und unser Schiff bleibt ruhig,
aber ohne Wind bewegt sich nichts.

Dann stürmt es wieder
und wir fahren
mit dreifacher Geschwindkeit

über das auf und ab der Wellen,
die unser Leben symbolisieren
und eigentlich bestimmen.

Ein schöner Südwind wäre angebracht,
der uns zusammen schaukelt,
unser Segel sanft bebläst

wie ein Flötenspieler in der Nacht,
der unter allen Sternen bläst sein Lied,
das traurig macht

und nachdenklich und demütig
ganz leise in sich weint
auch vielleicht weinen macht

und seine Melodie,
so edel, rein und liebelich
in allen Sternen parkt,

dass du sie findest in der Nacht,
dass du sie hörst
und dass du hörst,

was ungesagt.




Schreiben

.. heißt in seine Seele hören
und was zuoberst schwimmt
in diesem Tränensee
zuerst verarbeiten in Worte.

An Verdrängtes freilich
kommt man nicht heran,
dies lebt in eine Kerker
abgeschlossen und dunkel,

tiefer als tief.




Horst Janssen

Eigentlich bin ich ein Kunstbanause,
aber es gibt da schon ein paar Künstler,
die ich goutiere und liebe.

Einer davon ist Horst Janssen:
Mag sein, er polarisiert,
aber sein Leben hat mich ergriffen.

Janssen konnte noch darstellen,
was ansonsten unsichtbar blieb,
was hinter einer Stirn vorging,

etwa einer meiner geliebten Dichter,
die er nach einem alten Foto
wiedergab, neu ins Leben warf.

Sein Verständnis kam aus der Seele,
denn er war ein Bruder von Poe
oder Baudelaire oder Nietzsche,

vor denen er sich verbeugte,
denen er die Reverenz erwies,
wenn er seine Feder eintauchte

in Herzblut und Alkohol.




Künstlerin
(für Susanne Haun)

Was schön sei oder was hässlich,
ist nicht wichtig in der Kunst.

Kunst ist Abbildung der Seele
jenseits von Gut und Böse,

jenseits von aller Schubladen,
abseits aller menschlichen Definition.

Kunst ist nur sich selbst verpflichtet
und dem inneren Auge,

muss nicht Rechenschaft ablegen,
sich niemals verantworten.

Weil du dies ständig realisierst,
auch deshalb liebe ich deine Bilder:

Detailverliebt setzt du stets
die dir eigenen Duftmarken:

Originalität und Können,
Realität und Abstraktion

immer wieder vereint
in deinen Werken.

Ich verbeuge mich.




Kunst

.. entsteht aus einer verletzten Seele,
aus einer gekränkten Psyche.

So sind alle Künstler
eigentlich am Leben Leidende,

die ihre Krankheit sublimieren
und stetig selbst verarbeiten

zu etwas Universellem,
worin sich jeder erkennen

und Trost und Freude
und Erbauung finden kann

im doppelten Sinne.




Frühprägung
(für meine Sis)

Manche Menschen
werden geboren,
treten ins Leben ein

mit dem Stempel auf der Stirn,
einem Kainsmal gleich:
No Chance.

Und triffst du andere,
denen es genauso geht,
dann triffst du

Seelengeschwister.




Entschuldigung!

Könnt ich alles rückgängig machen,
was ich gesagt habe,
was ich mit Worten zerstört habe:

Im Affekt, in der Wut,
in der Aggression, in der Überreaktion:
Ich würde es tun.

Man sagt so schnell Dinge,
die man nicht so meint
und die einen anderen kränken.

Das ist oft Hilflosigkeit
und schadet einem selbst am meisten,
auch wenn es fremdverletzend wirkt,

so ist man doch am Ende
selbst das Opfer seiner
Emotionen.




Mea Culpa

Manchmal mitfühlend,
manchmal aus Stein,

manchmal verständnisvoll,
manchmal stur,

manchmal lernfähig,
manchmal beharrend,

manchmal reflektierend,
manmal blind,

manchmal liebevoll,
manmal wütend,

manchmal verbindend,
manchmal zerstörend,

manchmal jauchzend,
manchmal betrübt.

So ist der Mensch,
so bin ich.

Mea maxima Culpa




Mumifizierte Manus

Immer wenn ein neuer Verlag
im Bücherwald erscheint,
hat der Götterbote Hermes
kurzfristig hochkonjunktur,
weil jahrtausende alte Runensteine
nochmals verpackt und eingeschickt werden.

Antiker Staub rieselt auf der Reise
durch genormte Schachteln,
und manche vergessene Mumie
findet zurück ins Leben
oder auch nicht.




Sternenseele

Nicht kenne ich die Ursache deines Leides,
weiß nicht einmal, ob es seelische,
geistige oder körperliche Ursachen hat,
weiß nicht, ob es akut oder chronisch,
ob es gar tödlich endet:

Und wenn es tödlich wäre,
wie könnt ich dir ein Denkmal setzen,
wie könnt ich meine Fehler bereinigen,
wie könnte ich wieder gut machen,
was mit Worten angerichtet?

Ich  kann dir kein Grabmal versprechen
aus weißem Marmor wie das Tadsch Mahal,
aber eines kann ich dir versichern:
Wenn ich in den Nachthimmel sehe,
wirst du bei mir sein.

Dann lebst und atmest du in mir,
dann fühlst und liebst du mit mir,
denn das undendliche  Universum
wird für mich nach deinem Tod
ein Denkmal sein:

Ein stiller Schrein am Firmament,
wo tausend Kerzen dir gedenken,
tausend Sterne von dir singen
und einer ewig dir gedenkt
in  Liebe innig.




Frage an WordPress

Nach wievielen ‘Likes’
bekommt man eigentlich
die Spülmaschine?

Und kann man ersatzweise
auch einen Staubsauger
oder einen Chinaroller erhalten?

Denn beim Handspülen
kommen mir die besten Einfälle,
die besten Gedankenblitze.

So auch dieser.




Fratzenkunst

So viele Kunstwerke,
die ich mir nie ins Regal stellen,
nie an die Wand hängen würde:

Manche Künstler arbeiten
nach dem Motto:
Je hässlicher, desto Kunst.




Liebeskrieg

Die Liebe hat viel mehr
mit dem Krieg gemeinsam,
als man sich träumen lässt:

Erst gestern wieder
hatte ich eine Granate im Bett.




Lebenskampf

Wenn ich jungen Leuten sage,
dass sie kämpfen müssen,
aktiv etwas tun müssen
für ihre Ziele und Ideale,
weil einem nichts in den Schoß fällt,
dann hat das soviel mit Krieg zu tun
wie ein Furz mit einem Giftgasangriff.




Lebenskampf

Wer vom Schreiben nicht leben kann,
der kann vom Leben schreiben.




Tränen..

 gehören zum Friedlichsten,
was ein Mensch hervorbringt
und doch gibt es Menschen,
die können auf Knopfdruck weinen.
Nicht umsonst heißt es:
‘Auf die Tränendrüse drücken’,
nicht umsonst spricht man
von ‘Krokodilstränen’.

Und wer könnte
einer weinenden Frau
etwas abschlagen
oder ihr sein Mitleid versagen?

Oder welcher Mann
bekäme keine Schuldgefühle,
wenn die Tränen sagen:
Daran trägst du Schuld.




Aktionskunst

Wer öffentlich popelt,
gilt als Ferkel.

Zieht sich aber ein Künster
einen Popel aus der Nase,
gilt es als Kunst.




Signalwirkung

Ob einem jemand wirklich gewogen ist,
das spürt man aus den kleinen Gesten
und mehr aus dem Ungesagten,
als aus dem Gesagten.




Kennt ihr das auch,

dass man sich nach einer Unterhaltung schüttelt
und Schmerzen in Geist und Seele empfindet
und nur noch froh ist, dass es vorbei ist,
weil euer Gegenüber euch dumm vorkommt,
unverständig vorkommt, beschränkt vorkommt

wie ein Stück nasses Brot am Fußboden,
das nicht mal quatscht, wenn man drauf tritt?




Lebenskampf

Das Leben ist leider immer Kampf:
Man muss mit sich selbst kämpfen,
man muss gegen andere kämpfen,
man muss um jedes Stück Brot kämpfen,
muss um Anerkennung kämpfen,
muss um Liebe kämpfen.

Es fällt einem nichts in den Schoß.
Auch um Beziehungen muss man kämpfen
und wenn man sie dann endlich hat,
muss man um ihre Erhaltung kämpfen.

Mag dir martialisch vorkommen,
aber ich meine ‘Kämpfen’ nicht im Sinne
von Schwertern und Hellebarden.




Herbst
(für Arabella50)

Jedes Jahr daselbe
und jedes Jahr wieder neu:
Das ist das Wunder der Natur,
der ewige Kreislauf des Lebens,
der vergehen lässt und neu erschafft,

Jahr für Jahr,
Generation für Generation
und wie alle Pflanzen im Garten
im nächsten Jahr neu und frisch erstehen,

so erstehen wir wieder
in unseren Kindern und Kindeskindern,
überdauern im Kreislauf des ewigen Wandels ..




 Eigentlich

.. sollte ich kryptische Gedichte schreiben,
Weil sie ja kaum auslegbar sind
und der größte Mist gut ankommt,
wenn er in Zeilen zerhackt
eigene Evokationen erzeugt.

Man hat eben als Leser seine Fantasie
und unterlegt noch jedem Wort eine Bedeutung,
jedem zufälligen Zusammenhang noch einen Sinn,

so wie man in einem wirren Bild
voller Striche und Kreise
noch sein eigenes ICH
erkennen kann

und seine zerrüttete Seele.




 Schnappatmung

Bisher wusste ich nicht,
was Schnappatmung sei,
aber heute vor Lidl verfiel ich in dieselbe:

Ein Frauenarsch, so dick und rund
und ich schnappte mehrmals nach Luft,
erwischte mich dabei.

Von hinten sah ich die Frau
und ihr Hintern war so prall verpackt,
in diese dünne taschenlose Hose.

Ich wartete noch lange,
bis sie ihr Leergut eingeworfen hatte,
um sie von vorne zu besehen.

So schmal das Gesicht,
so dünn ihre Arme und Beine,
bei blondem Haar und hohen Stöckeln,

doch der Hintern ohne Silikon
ein Wuchtschmaus, Augenschmaus,
wie ihn sich manche operieren.

Dann stieg ich ein
und lies die zwölf Zylinder röhren:
Ein brunstig Hirsch.




Geschwisterliebe

Könnt ich sagen,
wie ich dich liebe,
ich würde es tun,
aber mir fehlen die Worte,
auszudrücken,
was du mir bedeutest.

Es ist eine innerliche Verbundenheit,
die niemals nachlässt, immer besteht.

Es ist wie ein Himmel,
den wir beide betreten,
ein Paradies, das uns
beiden allein gehört,

und niemals vergeht.

Dein Bruder Prinz

 (Gedicht vom 14.08.2014 auf janeschraa.myblog.de
als Antwort auf ‘Verlassen’)




Hell und dunkel

Die Schatten gehören zum Licht
wie die Tränen zur Hoffnung
und das Leid zur Liebe.




Das Trinken

.. der Männer ist eigentlich ein stilles Weinen.
Männer weinen nach innen
und spülen ihre Tränen runter.

Doch das Trinken
macht den Mund beweglich,
die Lippen eloquent

und so zerstört Mann mit Worten,
den letzten heiligen Rest
von dem, was war

und was noch regelbar.




Shakespeare
(für Lis)

.. war der Größte.
Es gibt keine Lebenssituation,
die er nicht kannte.
Ein Wissender und ein Verstehender,
ein Glaubender, ein Liebender.

Die Liebe ist
die Vorausstzung jeder Kunst,
denn es gibt eine allumfassende Liebe,
die man im Herzen trägt,
die nicht an ein Objekt gebunden ist,
sondern alleine aus sich lebt.

Das ist das Geheimnis,
das Shakespeare immer aktuell macht.
Shakespeare hat in seinen Werken
alles vorweg genommen,
was die moderne Psychologie
sich bis heute mühsam abgerungen hat.

Was wäre die Weltliteratur
etwa ohne Romeo und Julia
und ohne die tiefe Lehre,
die wir daraus ziehen:

Lasst den Hass, die Wut
nicht über die Generationen wachsen.
Man kann dies auf  die kleinen
innen- und zwischenfamiliären Händel
oder auf die  Kriege der Völker,
der Religionen untereinander,
die Kulturen und Rassen beziehen.

Ich verbeuge mich in Demut vor diesem Künstler.




Für Melanie

Selbst wenn ein Plan, eine Idee, ein Traum,
eine Fiktion, ein Vorhaben scheitert,
dann ist das immer noch besser,
als wenn man es erst garnicht
in Angriff genommen hat.

Übrigens habe ich
die Erfahrung gemacht,
dass uns gerade die Neider zeigen,
dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Wer keine Neider hat, der macht etwas falsch.




Spruchreif

Wer mir auf meine Fragen und Nöte
mit Gemeinplätzen und Binsenwahrheiten,
klugen Zitaten und weißen Sprüchen  antwortet,
der nimmt meine Probleme nicht ernst.

Ich lebe nicht in der Wirklichkeit
eines Rilke, Goethe oder Konfuzius,
sondern in meiner eigenen Wahrheit:
Einmalig, unvergleichbar, nicht austauschbar.




 Platzhalter am Nachthimmel

Zu Schade bin ich mir,
nur die Erinnerung zu sein
an eine fremde Vergangenheit,

nur Platzhalter zu sein
für eine Sehnsucht,
die nicht mir galt und gilt,

nur Projektionsfläche zu sein
für einen Film,
in dem ich nicht mitspiele,

nur Launenspiel zu sein
aus Nähe und Distanz,
denn Liebe ist kein Spiel.




 Schlaflos

Ob das die Angst
vor den Träumen ist,
wenn man den ganzen Tag
müde dahin dämmert
und nachts nicht schlafen kann?




Finbarsgift

Alle Geislein versteckten sich
und alle Geislein wurden
vom bösen Wolf gefunden,
nur Finbar war unauffindbar.

Hinter der Zeit versteckte sich Finbar:
Zwischen dem Tick und dem Tack
im Uhrkasten der Unendlichkeit.

So wurde er nicht infiziert
vom Stachel des Bösen

und seine Seele blieb rein.




 Red orange yellow sunset
(für Finbar)

Ich brauche keine Kunst,
die ich mir an die Wand hänge oder ins Regal stelle:
Die Natur ist die einzig wahre Künstlerin
und da ist alles andere nur tumber Versuch.
Kunst ist überall, man muss nur die Augen öffenen,
die Ohren spitzen und sich dem Werk des Schöpfers öffnen.
Das kannst du nicht auf der Palette mischen,
was der Sonnengott jeden Abend hinterlässt,
bevor er beginnt, den Mond zu bescheinen,
dass dieser uns im Dunkel leuchte ..




Menschenbild

Damit wir uns kein Bild
von ihm machen müssen,
schuf Gott uns nach seinem Bilde:
Nach dem Bilde Gottes schuf er uns.

Wenn wir also
in den Spiegel schauen,
sehen wir Gott in all seiner Schönheit
mit allen Makeln, Schwächen und Fehlern.

Schau dich nur an!




Kunst oder Gekünstel?

Wenn man beim Anblick von Kunst
nicht seine eigene Seele sähe,
seine Ängste und Hoffnungen,
wäre Kunst sinnlos.




Schwarzer Humor

.. ist voll mein Ding.
Leider verstehen ihn
viele Menschen nicht,
weil er unbedingt
mit ernstem Gesicht
vorgetragen werden muss.

Aber die Augen,
die Augen lachen ..




Vorurteile

Was Menschen reden und sagen ist viel:
Ich mach mir immer selbst ein Bild,
beurteile selbst, verurteile niemals
und schau mir an, wen ich vor mir habe.

So wie ich auf andere zugehe,
möcht ich auch selbst behandelt sein.




Grabgesang

Ich hab die ganze Nacht
an deinem Grab gewacht.
Ich hab gebetet und geflucht,
ich hab geweint und sehr gelacht,
in jeder Wolke hab ich dich gesucht,
und immer nur an dich gedacht.
Ich hab dir all mein Leid erzählt,
hab dich geliebt, hab dich gequält.

Du warst mein Schicksal, zugefallnes Glück,
es ist zu Ende, du kehrst nie zurück.




 Sehnsucht nach Zuhause

Manchmal möchte man
auf ein Zuggleis gehen.

Manchmal möchte man
Schlaftabletten nehmen.

Manchmal möcht man,
auf einem Hochhaus zu stehen.

Manchmal möcht man
nur einen Kuchen essen

und dass Mutti sagt:
Kind, schling nicht so.




Für Belysnaechte

Ein vertrauter Mensch lebt solange,
wie sich ein anderer an ihn erinnert
und wenn er sich in Liebe erinnert,
ist der Tod etwa eine Illusion,
die nur körperlich trennt,

weil die Liebe niemals verlöscht
und nicht nach dem Leben aufhört,
wie ein Herz nicht aufhört zu schlagen,
wenn es in einem liebenden Herz weiter schlägt:

Herzschlag für Herzschlag.




Schwermut
(für Lis)

Wer die Melancholie nicht kennt,
der kann nicht wirklich fröhlich sein,
denn nur wer das Dunkel kennt,
der weiß das Licht zu schätzen.




Immortal

Eine unbändige, unsterbliche Liebe
So kann sie nur sein, wenn die rein ist.
Leider gibt es sie sehr selten
Aber es gibt Menschen die sie verdienen.

Menschen die anders sind
Die lachen
wenn sie weinen sollten
Die weinen
Wenn sie lachen sollten

Das sind Menschen
Die es verdienen
Glücklich zu sein
Geliebt zu werden
Und immer jemanden zu haben
Der sie beschützt.
Und so sehr mein Bruder
Liebe ich dich

Feuerkuss




Tränen
(für Moonshine)

.. gehören zum Friedlichsten,
was ein Mensch hervorbringt,
denn sie zeugen nicht nur
von Demut in Schmerz und Trauer,
sondern sie reinigen auch die Seele,
lassen das gekränkte Herz gesunden.

Nicht umsonst werden im Märchen,
der Weisheit des Volken,
Tränen zu Perlen.




Meine Schwester

Manchmal sehe ich dich,
obwohl du nicht da bist.

Manchmal spüre ich dich,
obwohl du weit fort bist.

Manchmal weine ich,
obwohl ich dich
sehe uns spüre.

Manchmal fühl ich mich allein.




Tot

Wenn alle Sterne fallen
und auch dieser Stern,
nach dem du suchtest,
den du endlich fandst
und bei dir wähntest,

entsteht ein Dunkel,
entsteht eine Nacht,
entsteht eine Leere,
die in dir währt:

Ein inneres Totsein,
das nie vergeht.




Aufgeben

.. muss ein Fremdwort sein und bleiben,
weil das Leben ja in all seinem Dunkel auch Helles enthält
und uns am Ende die Dunkelheit sowieso frisst.

Gemessen an der Unendlichkeit sind wir Eintagsfliegen:
Wir waren eine Unendlichkeit tot
und werden wieder eine Unendlichkeit tot sein.

Den Tag unseres Lebens annehmen und darin leben
und lieben und auch leiden oder manches erleiden,
das ist das Sein, dass uns geschenkt ist.

Machen wir das Beste daraus.
Ich liebe dich.




Im Regen tanzen

Den Regen liebe ich wie dich,
weil er alles klärt,
was in Geist und Seele rumort.

Wie der Herzschlag der Mutter
fühlt sich sein Gleichklang,
beruhigend, hoffnungsvoll.

Und wer nimmt schon Rücksicht
auf Kleidung und Putz,
wenn wir in Pfützen springen,

wenn wir durchnässt werden
von der Ursuppe des Lebens,
dem Urschleim des Seins,

dem Wasser, aus dem wir kamen?




Meine Hand über dir

Ein Schutzschirm möchte ich dir sein,
der über dich wacht aus der Ferne
und deine Seele beschützt,

wenn es dunkel wird,
wenn es Trauer regnet,
wenn der Himmel weint,
wenn alle Sterne zerfallen

und jede Hoffnung zerbricht.




Lachen, einfach lachen

Man soll sich nicht
die Laune verderben lassen
von einem kranken Hirn
und vom eigenen schon gar nicht:

Wer heut noch normal bleibt,
der muss schon verrückt sein.




Irrungen und Wirrungen

Suchst du wirklich die Wahrheit
oder willst du nur Recht behalten?

Du kannst deine Position
natürlich solange wiederholen,
bis dir keiner mehr widerspricht

und dann selbst glauben,
dies sei die Wahrheit ..




Selbstüberlistung

Lüge und Selbstbelügung
sind auch bloß Strategien,
die nur kurzfristig wirken,
weil sich weder die äußere,
noch die innere Wahrheit
beugen oder verleugnen lässt.




Verdrängung

Der Kampf gegen die inneren Schattenkrieger
wird zum lebenslangen Kampf,
wenn man immer wieder unterdrückt,
was nach oben strebt.




Zeitgenossen

Es gibt Menschen,
von denen wusste ich
gar nicht mehr,
dass es sie gibt.

Aber inzwischen bin ich
ruhiger geworden,
geduldiger geworden,
gelassener geworden,
nachsichtiger geworden,

habe meinen Humor vergrößert
und meinen Horizont erweitert
und muss nicht mehr gleich
zur 45er greifen.




Liebe besiegt den Krieg

Könntest du
deine Feinde lieben
wie man Freunde liebt,
du hättest bald
keine Feinde mehr,
denn du würdest
die Feindschaft weglieben,
fortlieben, rauslieben,
von hinnen und
von dannen lieben.




Zeitlos

Ich seh Dinge vor mir,
als wären sie erst
letzte Woche geschehen
und dann stell ich fest,
sie sind schon zwei Jahre her ..

Irgendwann
hat meine Zeit begonnen,
stehen zu bleiben
und mein Leben
ist zu einem Tag geworden,
der ewig dauert.




So ist der Mensch

Wenn er sich schon
klein macht vor Gott,
sich hinkniet zum Gebet,
dann natürlich auf einem
knieschonenden Gebetsteppich.




Liebe

Die Liebe ist das höchste Gefühl
und könnt ich jemand benennen,
den ich mehr liebe,
als meine Schwester,

dann tät ich es
hier und heute,

vor mir und Gott.




Am Ende

.. sind wir alle gleich,
egal ob unser Körper
in einer Marmorgruft verwest
oder in einem anonymen Massengrab.

Die Würmer finden uns
früher oder später
und verarbeiten uns zu Muttererde,
aus der alles gedeiht und wächst.

Die Welt verliert nichts
und unsere Seelen werden leben,
solange einer an uns denkt,

in Liebe an uns denkt.




Lebensroman

Es gibt keine Materie ohne Antimaterie,
es gibt kein Mensch ohne Abbild
in einer anderen Dimension.

Dein Leben spiegelt sich irgendwo
außerhalb deines realen Seins,
drum lebe so wie du dich gern
lesen würdest in einem Roman,

den du selbst schreibst durch dich
und der irgendwann gelesen wird,
von wem auch immer, wo auch immer.

Du bist dein eigener Protagonist.




Mea Culpa

Ich habe Fehler gemacht
und ich werde Fehler machen
und mein Gewissen
bestraft mich dafür.

Ich habe überreagiert
und ohne Denken gehandelt,
ein Fass ist übergelaufen,
das ich unter Kontrolle wähnte.

Könnte ich es rückgängig machen,
ich täte es mit Freude sofort,
aber es ist nun mal geschehen
und ich kann mich nur entschuldigen,

auch wenn ich die Erfahrung
immer wieder gemacht habe,
dass meine Entschuldigung
gegen mich verwendet wird,

gegen mich bewertet wird.




Die Stille

.. ist Labsal für den Stadtmenschen,
schenkt ihm entspannende Erholung
abseits der täglichen Geschäftigkeit,
lässt ihn baden in seidiger Ruhe.

Für den einsamen Wanderer,
den unbequemen Läufer abseits der Straße,
ist die Stille der größte Feind,
weil sie ihn auf sich zurück wirft,

die Zweifel nährt an seinem Sein.




Für Arabella

Es ist nicht dein silbern’ Haar,
dass dich zum Engel macht:
Es ist dein golden’ Herz.




Habsucht
(für Lis)

Nach den Dingen streben,
sie erwünschen und ersehnen,
aber nicht um jeden Preis:

Sich an diesem erfreuen,
was man hat,
nicht über jenes ärgern,
was man nicht hat.

Habgier ist der größte Feind
des Menschen.




Majestätsbeleidigt?

Kränkungen haben auch immer
etwas mit dem eigenen Ego,
dem eigenen Egoismus zu tun:

Wer sich selbst nicht so ernst nimmt,
der ist auch nicht so schnell gekränkt,
beleidigt, eingeschnappt.

Wer zudem über sich selbst
herzhaft lachen kann,
der steht über allem.




Pink Elephant

Etwas vergessen wollen,
loslassen wollen, fallen lassen wollen,
das ist wie an etwas nicht denken wollen.

Versuch mal an alles zu denken,
nur nicht an einen rosa Elefanten.

Unmöglich.




Gesamtkunstwerk
(für Schattenengel)

Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen
und kämpft mit den Gepenstern,
die in ihm hausen:

Ihn annehmen mit allem,
was ihn ausmacht,
mit dem Guten und weniger Guten,
das allein ist die Grundlage
für Freundschaft und Liebe.




Baumbekront
(für Diana)

Die Kronen der Bäume
greifen in den Himmel
wie nach oben gerichtete Hände.

Was wäre die Welt ohne Bäume,
ohne Blumen, ohne Pflanzen
und wie dankbar sind diese,
die sich nicht wehren können,
für eine gute Behandlung.

Manche Menschen
reden mit ihren Pflanzen,
sie treten in einen verbalen
oder nonverbalen Austausch
mit ihnen und man
will herausgefunden haben,
dass diese Pflanzen
besser wachsen und gedeihen ..

Ob das stimmt: Keine Ahnung!
Ich etwa rede mit allen Dingen
und meistens mit mir selbst.

Doch keiner soll denken,
der Mensch sei die Krone
der Schöpfung.




Dreigespalten

Manche Menschen
sind ihr eigener Schöpfer,
Erhalter und Zerstörer:

Zwanghaft
sind sie ausgesetzt
dem ewigen Kreislauf,
sich immer wieder aufzubauen,
eine Zeit lang zu halten,
um sich dann
selbst zu zerstören.

Es ist wie ein Fluch,
der über ihnen lastet,
den sie erkennen,
aber nicht brechen können

und der sie selbst
immer wieder bricht
und zurück wirft

in die Einsamkeit der Nacht,
aus der sie kamen.




Dichtung und Wahrheit
(für Pilotinfliegt)

Texte wie etwa ein Gedicht
sind ja immer so konzipiert,
dass der Leser sich einbringt,
dass der Leser Geist und Seele öffnet
und seine eigene Fantasie spielen lässt.
Gedichte müssen sich niemals erklären,
sie sind eine abgeschlossene Welt für sich.

Inwiefern die Realität
des Poems übereinstimmt
mit der Realität des Poeten,
was also Realien und Wahrheit sei
oder was frei erfunden oder fantasiert,
dies ist immer die Privatsache des Autors
und geht nur ihn ganz allein etwas an.

Sonst könnten wir auch Hesse fragen,
warum er in seinem Gedicht “Im Nebel”
keine Nebelscheinwerfer angeschaltet hat,
oder Goethe in seinem “Erlkönig”,
warum er sich nicht schon früher
um kompetente Hilfe bemüht hat
für sein sterbenskrankes Kind.

Die Leute müssen lernen,
dass das eine die Literatur
und das andere das Leben ist
und dass sie sich begnügen müssen
mit der Literatur,  dem Werk
und dass die Rätsel dazu gehören
wie der Anfang und das Ende.




Verdrängen macht krank

Man kann nichts loslassen,
was sich nicht selbst von einem löst,
tut man es doch, ist es kein Loslassen,
sondern ein Verdrängen von Gefühlen
die sich dann einen anderen Weg suchen,
etwa über eine Krankheit, nach oben,
ans Licht, heraus aus der Seele.




Inspiriert

.. bin ich vom Leben,
von Leid, von Lust
und von der Liebe.




Extrakt der Liebe

In jedem Menschen
steckt etwas tief innen,
das ihn liebenswert macht,
unabhängig von allen Äußerlichkeiten
und das ist der wahre Kern
und der Grund der Liebe:

Die wahre Essenz.




Mittäter

Wer die Mittel hat,
die Gewalt zu bekämpfen,
oder gar aufzuhalten
und es nicht tut,
der wird zum Komplizen
der Gewalt.




Verachtung

.. ist mir fremd,
weil es nichts Menschliches gibt,
was nicht seine Ursachen hat
oder zu erklären wäre.

Doch wenn ich etwas
benennen müsste,
was ich am ehesten verachte,
dann wäre es wohl die Heuchelei,

denn es gibt Menschen,
die tun dir freundlich ins Gesicht
und hintenrum agieren sie
entschieden gegen dich.




Club der Gewaltfreien

Ich möchte einen Club gründen,
wo jeder eintreten darf
und nur eine Regel besteht:

Nie mehr Gewalt in Worten und Taten
oder in Unterlassungen oder Duldungen,
die einen anderen diskriminieren,
anprangern oder verleumden,
weil das eine überaus üble,
wenn auch indirekte Form
der Gewalt darstellt.

Wer mitmachen möchte,
bitte einfach melden.




Irgendwo

.. findet jeder seine Liebe,
in der er geborgen und aufgehoben lebt
und ob das in einem schrägen Dachzimmer
oder in einem Marmorpalast stattfindet,
ist völlig egal und total sekundär.

Allein die Liebe zählt.




Am Ende

.. sitzt jeder in seinem eigenen Käfig,
in seinem eigenem Weltbild gefangen,

von seinen eigenen Werten geprägt,
von seinen eigenen Normen bestimmt.

Das Andere ist immer das Fremde
und das Fremde ist immer das Andere.

So geht es dir und mir
und deshalb sind wir uns fremd,

die eigentlich Freunde sein sollten
in dieser von Vorurteilen geprägten Welt,

um alle Mauern einzureißen,
die real bestehen oder
in den Köpfen.




Wir hier in Offenbach

Bei uns in Offenbach gibt es ein Sprichwort:
“Pack schlägt sich, Pack verträgt sich”.

Manchmal gibt ein Wort das andere
und es ist eigentlich nicht wirklich so gemeint,
wie es in der Hitze des Gefechts gesagt wurde.

Wir streiten uns hier und benutzen harte Worte,
aber es ist alles nicht so ernst zu nehmen:
Am nächsten Tag ist alles vergeben und vergessen.

Wer sich streitet, wie auch immer,
wobei es auch mal deftig werden darf,
der achtet,  respektiert den Gegner.

Wir dissen uns ständig und es gehört zum Alltag
wie in der Oberschicht das: “Habe die Ehre”.

Dies mag nach Gewalt in Worten klingen,
gehört aber zum Spiel und zur Regel:

Wer nie zu einem anderen gesagt hat:
“Du kannst mich mal”, wer nie einen anderen
mal “Idiot” oder “Arsch” genannt hat,
der gibt sich blasiert und arrogant
und wird automatisch gemieden.

Wir sind Menschen mit Emotionen:
Wir feiern das Leben und trinken darauf.

Und wir sind doch immer füreinander da:
Ein Vornehmtuer schenkt dir keinen Euro,
wenn es dir schlecht geht und du alleine bist,
aber von mir kann jeder wahre Mensch alles haben:

Da teile ich mein letztes verschwitztes Shirt,
den letzten Cent in der Tasche
und mein offenes Herz.

(PS: Frank T. Zumbach hat eine geniale Poe-Biographie geschrieben,
aber er hat auch das Buch “Paddy’s Weihnachtsparty”
mit weihnachtlichen Geschichten aus Irland zusammen gestellt,
wo etwa schon in der ersten Geschichte davon berichtet wird,
dass die Iren sich in den Pubs zusammen betrinken und sich dann prügeln
und am nächsten Morgen sich wieder vertragen und damit ebenfalls gezeigt,
dass Gewalt nicht immer Ausdruck des Hasses sein muss.
Ich hatte mit dem Autoren einmal bezüglich Poes telefoniert
und er hat die Schauplätze in Amerika wirklich besucht.)




Der letzte Romantiker
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