web counter



Lady Scarlet IV



Anderland
(begonnen am 21.05.2012)

Erster Gesang

Den Sargesdeckel weggehoben,
hab ich mich sanft zu Euch geschoben.
Ich wärme Euch ein wenig vor
und beiße sacht in euer Ohr.

Und Eure Brüste will ich halten,
dass sie mir niemals mehr erkalten.
Ich küsse Euer langes Haar,
das kupferblond am Tage war.

Ihr riecht so gut, duftet so weiblich,
wie macht Ihr das beim Tote leiblich?
Ich spüre schon, Ihr werdet warm,
bin mit der Nase in der Scham.

Und langsam Euer Bein sich streckt,
ich hab Euch also wach gemacht.
Ihr zieht mich an den Haaren hoch,
ein Finger steckt noch in dem Haar.

Ihr mir jetzt Eure Lippen gebt,
was allgemein die Stimmung hebt.
Ich jetzt auch Eure Zunge spür,
zum erstenmal sie sanft berühr.

Was dann geschieht, das ist Wunder
und geht in der Geschichte unter,
ich bin zwar öffentlich versöhnlich,
doch einiges ist zu persönlich.

Die Stund mit Euch war schön und rund,
doch hat mein Hiersein einen Grund:
Hört gut auf meine Stimme leise:
Um Mitternacht gehn wir auf Reise.

Ich möchte nicht zuviel verraten:
Wir werden bald in Mondschein baden.
Ich werd Euch durch die Lüfte heben,
denn Fledermäuse müssen leben.

Und wenn mal einer von uns fällt,
dann hats das Schicksal so gelenkt,
weil manchmal auch der Flügel hängt,
der andre ihn dann sanft auffängt.

Die Luft ist warm, kein Regen fällt
und keine Wolk am Himmelszelt.
Welch gutes Omen für den Flug,
doch immer schon das Wetter trug.

Ich wartete, nun seid ihr hier,
es kam so, wie ichs dachte mir:
Hab nie gezweifelt, dass Ihr kommt,
weil Ihr in meinem Herzen wohnt

und jetzt auch ich schon manchmal spüre,
dass ich, der Prinz Euch auch berühre.
Und Euer Lächeln gibt mir Mut,
doch seid bei mir bloß auf der Hut,

denn Euer Funkeln aus dem Blick
erzählt, dass Ihr begierig seid
auf fremde Welten, neues Glück,
auf Liebe und Begehrlichkeit.

Wie seid Ihr schön in dunkler Nacht,
viel schöner, als der Tag gedacht.
Doch lassen wir das steife Reimen:
Ich will bei Prosaversen bleiben.

Ich nehm Euch zart nun in den Arm
und spüre Euren Körper warm
und sanft berührn sich unsre Lippen,
dabei wir uns ganz lieb anblicken.

Doch bleib ich jetzt doch bei den Reimen,
kann nicht den Drang dazu verneinen:
Es reimt halt, wer ein Dichter ist,
sagt mir Bescheid, bin ich es nicht.

Wir nehmen Abschied von Zuhaus
und fliegen in die Nacht hinaus.
Ihr fliegt am besten neben mir,
denn bin ich nur ein Fledermann

und seh ich Euren Popo an,
dann sterbe ich an dieser Zier,
die Euch hat die Natur geschenkt
und werd vom Fliegen abgelenkt.

Sagt, wisst Ihr denn, wo wir jetzt sind,
ich fliege nicht gern unbestimmt.
"Bei mir seid Ihr", ruft Ihr mir zu
und ich verstehe das im nu:

Wir sind zusammen, das ist wichtig,
und jeder Kompass störte nur,
man schaut doch auch nicht auf die Uhr:
Hauptsache, das Gefühl ist richtig.

Doch seh ich grad das Rote Schloss,
es war dereinst den Isenburgs
heißt nach der roten Backsteins Zinnen
und geht man in den Keller innen,

kommt man zu einem dunklen Gang,
der für die Flucht war irgendwann.
Der Gang geht selbst unter dem Main
und endet dann in Fechenheim.

Der Lilitempel rechter Hand,
wo Gothe seine Lili fand
war einst ein Adelsbadeort,
für eine Lady und den Lord.

Jetzt hab ich mich recht eingefunden
und bitte Euch nur für Sekunden:
Es gibt ein Galgen vor dem Ort,
den zeig ich Euch, ich war schon dort.



Der letzte, den man hier aufhenkte
und in den Boden dann versenkte,
hat einzig nur ein Huhn gestohlen:
Nichts zu essen, keine Kohlen.

Und während wir davon benommen,
seh ich schon eine Eule kommen,
die nach Euch schnappt, ich zieh euch weg:
wir fallen beide in den Dreck,

denn unter uns war abgelassen,
was keiner liebt und alle hassen.
Wir suchen einen See jetzt leise,
um abzuwaschen diese Scheiße.

Ich seh Euch in dem See nun stehn,
und möchte gerne näher gehn.
nur Euer Rücken zeigt sich mir:
Mein Edelmut verbietet mir,

noch mehr zu wollen, fantasieren
und dann auch noch zu reagieren,
wo Freundschaft nur das Zauberwort,
doch küss ich uns die Zweifel fort.

Ich weiß nicht, ob auf Eurem Rücken,
die Küsse führen zu entzücken,
doch dreht Ihr Euch dann lansam um
und meine Worte werden stumm.

Ich weiß nicht, wie ichs sagen soll,
der Busen ist gar wundervoll
und Euer Körper ist in Form,
auch durchtrainiert, über der Norm

und Eure Augen sehn mich an
und sehn was stehen muss am Mann.
Bevor man wieder hier zensiert,
hab ich Euch lieber frisch frisiert

und zieh den Kamm durch Euer Haar,
das niemals länger, schöner war.
Natürlich seid Ihr wunderschön,
doch lasst uns lieber weiter gehn

und noch ein wenig weiter brausen
so dass wir über Frankreich sausen.
Ich will Euch fangen dort nen Drachen,
der leider nur macht dumme Sachen:

Hab selbst es erst nicht ganz geglaubt,
doch hat ne Junfrau er geraubt.
"Ihr sollt für mich kein Tierlein töten",
so spracht ihr offen, kein Erröten:

"Man tötet doch nicht einfach so
ein Lebewesen irgendwo ...".
"Ich lass Euch einen Drachen leben",
und meine Brauen sich sanft heben:

"Dann muss er uns recht dankbar sein,
wenn wir die Jungfer nur befrein."
Er kriegt ein Halsband um wie Lassie
und Ihr geht morgens mit ihm Gassie.

Ich hoffe, das wirs nie bereuhn
und uns auf diesen Schutzhund freun.
Ein Drache ist doch ei der Daus!
de facto nur ne Fledermaus.

Wenn erst Ihr seine Flügel seht,
ihr diese Logik auch versteht.
Nun heben sich bei Euch die Brauen,
so wie es nur bei schönen Frauen:

Ihr werft mir zu ein Küsschen heiter,
schaut dann nach vorne und fliegt weiter.
Wir sehn nun Reims, ein kleiner Ort
und fliegen übers Marstor fort

und irgendwo in einem Wald,
treffen wir auf den Drachen bald.
Er dort in einer Höhle wohnt
und zeigt sich erst, steigt auf der Mond.

Wir müssen in die Höhle kommen,
das leider bleibt uns unbenommen.
Doch an dem Eingang wacht ein Troll,
wie an der Grenze hier der Zoll.

Der schläft nur leider in der Nacht,
wenn wiederum der Drache wacht.
Könnt Ihr ihn nicht am Tag ablenken
und ihm ein liebes Lächeln schenken?

Ich fliege dann an ihm vorbei,
begeb mich in die Höhle rein.
Und bin ich in der Höhle innen,
hör ich ne Wassernixe singen:

Sie soll den Eindringling bezirzen,
ihm den Verstand auf Null verkürzen.
Drum füll ich Wachs mir in das Ohr,
es tief in den Gehörgang bohr.

So hör ich nicht der Nixe Stimme
und bleibe so bei wachem Sinne.
"Mein Prinz", sagt ihr mir voller Glut:
"ich denke, euer Plan ist gut."

"Doch sagt, wer soll sich um mich kümmern,
bleibt ihr dort drinnen dann für immer?"
So wäre das Gedicht zuende,
weil ich dann keinen Reim mehr fände.

Glaubt mir nur, bin überdies Autor
und hab noch vieles mit Euch vor.
Der größte Dichter war einst Heine,
der Liebesdichter, den ich meine.

Er hat ein ganzes Buch gereimt:
Die Harzreise ist hier gemeint.
Wir könnten ihn jetzt einfach foppen
und dieses Wunderwerk noch toppen:

Dazu muss ich noch weiterleben
und Ihr mir Euren Segen geben.
Seht Ihr dort zwischen dunklen Fichten,
wo man kann harte Felsen sichten,

den schmalen unscheinbaren Schrein:
In diesen Eingang muss ich rein. -
Wir dann in einem Erdloch landen,
wo sich gleich unsre Blicke fanden:

Ich schau Euch tief in die Pupillen
und Ihr seid mir sofort zu Willen.
Der Sex mit Euch ist wunderschön,
man kann es Euch auch leicht ansehn,

erst zart und dann ein wenig härter
und in der Härte dann begehrter.
Erst sanft, wenn ich Euch soweit habe,
den Po ich Euch ein wenig schlage.

Und höre ich erst Euer Atmen,
mir Eure Gesten viel verraten.
Zuletzt wir Arm in Arm daliegen,
weil doch die Emotionen siegen.

Uns niederwirft und still besiegt,
der Schlaf jetzt um die Ecke biegt
und sind wir auch der Lüfte Katzen,
so müssen wir doch auch mal ratzen.

Und morgen muss ich wirklich handeln,
die Maus sich in den Prinz verwandeln,
was heute mir ein Eckzahn nur,
das nennt sich dann Excalibur.

Das Schwert gab mir die Frau vom See,
die Scheide trägt Morgan LeFay,
die einen erst unsterblich macht,
was gegen Artus ausgedacht.

Ich denk, Ihr kennt die alte Kunde,
von Artus und der Tafelrunde:
In diesem Sinne lasst uns handeln,
wenn wir zu Menschen uns verwandeln.

Ich will mich nicht an Worte binden,
doch werden wir den Gral noch finden,
und zieht der Drache mit uns mit,
dann sind wir immerhin zu dritt.



Zweiter Gesang

Vampire sind mal Mensch, mal Maus,
dieses Verwandeln macht sie aus.
So bin ich jetzt ein Edelmann
und schau ich Euch von oben an,

so seid ihr Gräfin meiner würdig,
in allem einfach ebenbürtig:
Ihr tragt statt Röcken jetzt Hosen
mit breitem Beinbund, flattrig losem.

Ich sehe Euch ein wenig üben,
in Dehnungen Euch zu vertiefen,
damit Ihr flink und wendig bleibt,
hat uns die Höhle einverleibt,

wo unser Ziel, der Drache haust.
Ich zeig Euch schelmisch nur die Faust:
Ihr werdet leider draußen warten,
denn damit sind wir gut beraten.

Ihr lenkt den Troll in Eure Gunst,
was bei dem Anblick keine Kunst,
verwickelt ihn in einen Flirt,
so dass er leichtsinniger wird.

Gesagt, getan, er ist von Sinnen
und ich bin in der Höhle innen.
Gar dunkel ist es hier jetzt leider:
Ich tast mich an den Wänden weiter.

Die Füße stoßen an Gerölle,
und schaurig riecht es hier nach Hölle,
doch sehe ich ein fernes Licht,
das manchmal durch das Dunkel bricht.

Das Drachennest wird langsam heller
und meine Beine laufen schneller
und noch ein wenig vorwärts laufen,
da höre ich den Drachen schnaufen.

Die Höhle wird zum großen Raum,
wo Fackeln säumen seinen Saum
und mittendrin der Drache wacht,
er schläft ganz still in voller Pracht.

Und aus tiefem Höhlenzimmer
höre ich ein leis Gewimmer,
da fällt ein Netz schockschwerenot
und zieht mich an die Decke hoch.

Ich bin gefangen in der Halle
und bin die Fliege in der Falle
und auch mein Schwert kann ich nicht fassen:
Die Leser werden mich jezt hassen.

Und unter mir die Nixe lacht:
"Hab mir den Burschen abgepasst!"
Doch plötzlich seh ich sehr galant:
Den Kopf der Nixe an der Wand.

Das Netz wird einfach aufgeschnitten
und ich habe nochmal gelitten,
fall furchtbar schmerzhaft auf den Steiß,
dann hör ich Eure Stimme leis.

"Mein lieber Prinz, geht es Euch wohl?
Verfolgt hab ich Euch lange schon,
der Troll hatt mit mir angebandelt:
Ich hab ihn in nen Frosch verwandelt."

Zu schön, dass wir uns immer kriegen,
doch seht Ihr diesen Lindwurm liegen?
Und hört Ihr dieses laute Klagen,
es tut mir weh, kanns kaum vertragen.

Ich schleiche jetzt an ihm vorbei
und hol die Jungfer, einerlei,
befreie diese junge Maid
und bringe sie in Sicherheit.

Das Monster ist ja riesengroß,
und seh ich seine Krallen bloß,
da wird mir schon ein wenig bang,
die Krallen sind ja riesenlang.

Und seine Schuppen auf dem Leib,
sind klebrig, dass ich hängen bleib.
Doch muss ich über ihn jetzt stelzen,
kann ihn ja nicht beiseite wälzen.

"Mein Prinz, es ist einfach gesagt,
doch wenn der Drache dann erwacht?"
Dann flüchtet nur auf und davon:
Ich weiß mir dann zu helfen schon.

Bevor mich Eure Worte bannen,
küsse ich Euch, nur zum Entspannen.
"Ihr wartet hier: Ich gehe los,
begebe mich in Satans Schoß."

Ich hab den Drachen überschritten
und immerhin noch nicht gelitten,
nur klebrig sind mir Hand und Fuß,
tast mich weiter, seh nur diffus

nen Käfig an der Ketten Längen
von oben in die Höhle hängen
und innendrin sitzt schöngestaltig
ein Fräulein vierzehnjährig altig.

Mit einem Schlag das Schloss gespalten
und die Freiheit zurück erhalten
von meinem Schwert Excalibur,
die schärfste Klinge immer nur.

Ich nehm das Kind nun auf den Arm,
es friert und es ist nicht mehr warm:
Es wimmert und es leidet sehr:
Ein kleines Trauma und noch mehr.

Zurückgekehrt mit viel Geduld,
steh ich in Eurer großen Schuld.
Auch wenn wir uns vor Kurzem lösten,
könnt Ihr die kleine Maus jetzt trösten?

Ich geh nochmal nach nebenan
und werd den Drachen wecken dann.
Es wird ihn nur ein wenig bizzeln:
Mein Schwert wird ihn am Halse kitzeln.

Der Kopf des Drachen ist gar groß,
mein Schwert liegt in der Hand sehr los.
Ich jetzt auf seinen Nüstern stehe
sein Auge öffne, still reinsehe.

Da spricht der Drache mit bravour:
"Ich kenn das Schwert: Excalibur
und jeder der es führt zu Hand,
dem diene ich als Unterpfand.

Ich saß dereinst an Artus Runde
und meine liebe Kunigunde,
nur weil ich fremdwärts angebandelt,
hat mich zum Drachen halt verwandelt.

Und da ich nicht kann Hälse saugen,
muss ich halt junge Mädels rauben:
Ein Drache muss sich auch ernähren
und nebenbei auch noch vermehren."

Ich dreh das Schwert und steck es weg:
Du Drache folgst uns fortan keck.
Wir schließen mit dir einen Bund:
Du bist jetzt unser Vampirhund.

Oh Fledermaus, Ihr küsst mich innig,
und unsre Liebe ist gar sinnig:
Ich knete Euren strammen Po
und Eure Liebe macht mich froh.

Wenn ich auch still noch auf Euch wache,
mit uns fliegt eben halt der Drache:
Er ist jetzt euer kleiner Hund,
ein Partner uns im Dreierbund.

Und Fledermaus, lacht in der Bindung
mit mir und allem, was geschieht,
es ist ja alles nur Erfindung,
wenn man es trocknen Auges sieht.

Doch keine Angst, es geht gleich weiter
und ob es spannend wird, ob heiter,
steht in den Sternen eingeschrieben,
doch will ich Euch noch manches bieten.

Zuerst ans Schloss über den Kiefern
werden die Jungfrau wir jetzt liefern,
der Fürst allein trägt lange Trauer,
verschanzt sich still in seiner Mauer.

Mal sehen, ob den Tag er ehrt,
wo seine Tochter heimgekehrt
und er dann etwas springen lässt:
Zum Freudentag ein Freudenfest.

Der Drache wird die Attraktion:
Denn Feuer speien kann er schon:
Spektakulum und Minnesang
vermisse ich schon ewig lang ...

Doch haben wir noch ein Problem:
"Befreite Jungfrau" kling sehr schön,
doch seh ich diese Kind nur bibbern
und über alle Maßen zittern.

Doch da ihr sie so selbstlos herzt,
hat sie so manches schon verschmerzt:
Sagt, könnt ihr sie per Hexenhandeln
nicht in ne Fledermaus verwandeln?

Dann wäre leichter der Transport,
die Angst vorm Drachen fiel auch fort
und sind wir an des Schlosses Brücke,
verwandelt ihr sie halt zurücke.

"Mein Prinz, ihr habt mich gut erkannt:
Ich hexe gerne unerkannt.
Und meine Witchcraft setz ich ein
dies eine Mal, für euch allein.

Doch seid euch der Gefahr bewusst,
was ich euch eben sagen musst:
Sprech ich den Zauberspruch jetzt aus,
bleibt sie für immer Fledermaus."

Dann laufen wir den Weg zurück,
auch wenn es nicht zu unserm Glück,
denn unterwegs, ihr ahnt es schon:
Die Kreuzesritter warten schon.

Der Drache wird über uns kreisen
und manchen schlimmen Ritter beißen,
doch muss ich kämpfen dann allorten,
gegen die Ritter allersorten.

Ich hoffe doch, ihr schützt die Kleine
und haltet sie an kurzer Leine,
denn wenn wir aus dem Kampf dann siegen,
wir die Belohnung auch noch kriegen.

Der Weg ist schmal und auch morastig
und unsre Schuhe laufen lastig,
wohl besser, dass wir hier mal rasten
und nicht die Knochen überlasten.

Es ist nun so, man greift uns an,
Excalibur es wenden kann:
Das Schwert ist schon ein wenig älter
und schlägt die Feinde in die Wälder ...

Wir haben denen es gegeben,
ein Wunder, dass wir jetzt noch leben,
die Fledermaus hat zugeschlagen,
dass darf ich keinem Manne sagen.

Und auch der Drache hat gekämpft,
so manchen einfach weggedämpft.
Das Edeltfräulein fühlt sich wohl,
wie eine Maus im Feld voll Kohl.

"Doch Prinz könnt ihr mir eins verraten,
warum seid ihr so außer Atem?"
Oh Fledermaus, es ist die Lunge,
schlechter Geschmack kriecht hoch die Zunge.

Ihr besser jetzt nach vorne schaut,
weil Euch der Anblick nicht erbaut,
ich spucke Speichel, spucke Blut,
kein Anblick, der Euch wirklich gut.

Mein Bader nennt das Zeug Tuberkel,
für mich sind es nur kleine Zwergerl,
die innen in der Lunge ratzen
und dort nach Bodenschätzen kratzen.

Doch seht Ihr diesen Zauberwald,
sind wir hindurch: Die Burg naht bald.
Von einer Quelle naht das Singen,
hört Ihr die Stimmen leise klingen?

Es sind wohl tausend kleine Elfen,
die einer Dame dort wohl helfen:
Ich seh sie an der Quelle stehn:
Reines Gesicht und wunderschön.

Und alle Elfen um sie schweben,
sie etwas übern Boden heben.
So kommen wir ihr immer näher,
vom Baume fliegt ein Eichelhäher.

Oh schöne Dame, seid gegrüsst,
ihr uns die Wanderung versüsst.
Sagt, seid ihr Hexe oder Dame,
verratet ihr uns euren Name?

"Man nennt mich Hexe und auch Dame:
Morgain le Faye, so ist mein Name:
Ihr seid ein wahrer Edelmann,
vertrau euch drum die Scheide an,

die Scheide, die so sehr begehrlich
und einen Mann erst macht unsterblich.
Schiebt euer Schwert hinein,
dann werdet ihr für immer sein.

Gehabt euch wohl und liebt mich innig
und bleibt immer der Liebe sinnig:
Die Fledermaus, ich sag es offen,
ihr Charme macht mich auch sehr betroffen.

So schön war ich einst in der Jugend,
als ich noch glaubte an die Tugend.
Darf ich mal übers Haar ihr streichen,
den lieben Prinz dazu erweichen?"

"Da müsst ihr sie schon selber fragen,
sie wird vielleicht Euch 'ja' dann sagen,
denn selbst in meinen kühnsten Sinnen,
kann über sie ich nicht bestimmen."



Dritter Gesang

"Die Kleine, sagt mir, wie heißt sie?"
"Mein Prinz, ich glaub, sie heißt Lucy
und spricht immer von Kaspian,
ist von dem Prinzen angetan.

Und spricht im Fieber von Aslan,
hört sich als alter Freund so an,
doch ruft sie auch nach einem Peter,
nach Edmund und nach Susan später."

"Besehen mal bei hellem Lichte,
ist dies nicht unsere Geschichte:
Am Ende noch, ich ahn es gar,
träumt sie vom Prinz of Persia.

Der Sand der Zeit ist unser Feind,
der irgendwann uns einverleibt.
Mögen sich andre daran reiben:
Ich werde uns unsterblich schreiben.

Drum lasst sie uns nach Hause bringen:
Ich möcht in Loch Ness mit Euch schwimmen
und unser Drache soll sich laben,
soll endlich seine Nessie haben.

Und wenn die beiden sich dann binden,
will ich mit Euch die Gralsburg finden,
die auf nem Kloster ist erbaut,
doch bitte sagt es niemals laut:

Hier ist der Gralskelch tief versteckt,
aus Schriften hab ichs ausgeheckt,
die sind so alt wie Jesus heute,
enthalten diese fette Beute.

Versteckt den Gral hatte einst jene,
die nannte sich die Magdalene,
sie hatte Jesus eins bewirtet,
auf Teufel raus mit ihm geflirtet."

Da zieht die kleine Fledermaus
mich mit der kleinen Hand herbei
und schenkt mir einen kleinen Kuss,
ich geb zurück ihr dafür zwei.

Zehn Tage schlafen nicht auf Linnen,
dann zeigen sich der Burges Zinnen.
Ich denk, der Drache bleibt im Wald,
hält hier mal unsre Stellung halt.

Und als wir kommen an das Tor,
stehen da zwei Bewacher vor.
Doch da spricht unser Kind ins Ohr:
Die kennen mich: Ich gehe vor

und redet auf die Wache ein:
Es sind nur Freunde, lasst sie ein.
Und als wir dann den Hof betreten,
hör ich mich innig leise beten:

Soviele Pfeile sind auf uns gerichtet,
ein einzelner uns schon vernichtet.
Ich trau mich gar nicht zu bewegen,
spür Eure Hand in meine legen.

Das Kind jedoch, das wir befreit.
ganz artig zu dem Papa eilt
und der ist nun einmal der König
und wird auf einmal sehr versöhnlich.

Er hat sein Kind ins Herz geschlossen
und dessen Rückkehr sehr genossen
und ist gar glücklich als der Mann,
der glücklicher niemals sein kann:

"Der Prinz ist mir hier sehr willkommen
und seine liebe Fledermaus,
es sei mir heute unbenommen,
ich zeichne sie mit Orden aus.

Und bitte bleibt noch zu dem Fest,
das meine Tochter für euch gibt,
wenn es sich für Euch machen läßt,
weil sie den Drachentöter liebt."

Wie da des Fürsten Wange bebt,
als er erfährt: Der Drache lebt
und seine Mine wird recht bitter:
Der Drache, ein verwunschner Ritter:

"Wer darf die Ritter so verwandeln,
dass sie so drachenmäßig handeln?"
Und alle schauen in die Runde,
als ich still sage: 'Kunigunde'!

"Oh kecker Prinz, könnt ihr es wagen,
hier zu erwähnen diesen Namen?
Ihr brecht an Hofe ein Tabu:
Ich lasse dies nur einmal zu!

Der Wald, woher ihr eben kamt,
hat einst viel Dörfer eingerahmt,
mit meinem Volk, mir untertan:
sie mir es mit nem Zauber nahm.

Wo jetzt erblühen blaue Lilien,
dort wohnten einst die Familien
meiner gar treuen Angestellten,
die mir das Leben hier erhellten.

Und ob ein Ritter, ob Gesinde,
ich sage das jetzt mal gelinde,
vermisst die Menschen treu verbunden
und hat sie niemals mehr gefunden.

Nur Merlin, dieser Keltensohn
im fernen England schrieb mir schon,
dass diesen Bann nur brechen kann,
ein nobler, ehrenhafter Mann,

der heute trägt das alte Schwert,
das König Artus schon geehrt,
doch muss ihn schmücken auch die Scheide,
dass sie das Schwert wieder bekleide."

Die Fledermaus ist sehr beglückt,
spür, wie sie meine Hand jetzt drückt
und fühle ihre Wange warm
an meinem losen Oberarm.

Der Burgherr lächelt sanft und gütig
und auch ein wenig übermütig,
als ich ihn bitte ohne Mühen,
mein Schwert heraus zu sich zu ziehen.

Er packt zwei Hände um den Knauf,
bekommt es aber nicht heraus,
ruft seinen stärksten Streiter aus,
auch dieser kriegt es nicht heraus:

Der Kämpe Muskeln hat wie ich
und noch ein wenig größer ist:
Ich bin ja schon Einsneunzig groß:
Zweimetermann, was machst du bloß?

Dann zieh ich selbst das Schwert heraus
und halt es locker in die Höhe:
Das Schwert fängt da zu blinken an
und alle fallen vor mir nieder.

Und windig wirds, es setzt ein Donner,
Blitze zucken, Wetterleuchten
und eine dunkle Stimme spricht:
"Excalibur die Bande bricht:

Jeder Zauberbann gebrochen,
den Kunigunde einst gesprochen!
Die Dörfer sind jetzt wieder hier,
der Ritter nicht mehr Drachentier."

Und plötzlich klopft es an das Tor
und Lancelot steht kühn davor:
"Spür wieder Kraft in meinen Lenden,
dacht schon, ich müsst als Drache enden."

Und da, wo war der dunkle Wald,
da brennen tausend Lichter bald,
es sind die Feuer aus den Hütten,
deren Verlust hier alle litten.

Und Lancelot kommt auf uns zu,
kniet vor Euch nieder, küsst die Hand:
"Ich bin zwar nicht mehr Euer Hund,
doch sorge ich, dass Ihr gesund.

Ich werde Eurem Prinzen folgen,
über die Dächer, über die Wolken,
auch wenn ich habe jetzt verloren,
die überlangen Drachenohren,

dafür hab ich jetzt stehen lang
in meinem Biss nen Überhang,
denn in dem tiefen Walde hier
wurd ich gebissen zum Vampir."

- wird fortgesetzt,
wenn ich Euch wiedergefunden habe -



Der letzte Romantiker
Copyright © 2003 –2013