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Nimmerland
Gedichtzyklus Teil 3 von 6
(57 Texte)



Kleiner Delphin

Siehst du sie,
wie sie um dich schweben,
wie sie dich schwimmend heben,
wie sie dich forttragen,
um ihre Brut zu sichern?

Und siehst du ihn,
den reiferen Delphin,
wie er aus dem Wasser peitscht,
wie er gewaltig um sich schlägt?

Wie er die Jüngeren vertreibt
mit einem Schlag seiner Schwanzflosse?
Wie er sein Gebiet einfordert,
wie er mit seinem Körper alles bewegt:

Wasser und Welt und Makro- und Mikrokosmos,
um dich zu erobern?
Sieh ihn dir an:
Er wird immer um dich kämpfen:
Solange er kann.



Königin der Nacht

Priesterin,

als du das Schwert in den Himmel geschleudert
einen Tag nach der Sonnenfinsternis
und Artus starb
in deinen Armen,

Herrin,

war die letzte Schlacht verloren.
Dir sei gewünscht,
dass deine Barke,

weise Frau,

findet in einer Grauzone des Nebels
die heilige Stätte: Avalon,
Insel des Lichts.

Göttin,

schau auf zum Horizont:
Eine Wolke wacht.

Morgaine Le Faye:
Hörst du meine Worte?
Hörst du MICH?



Staubkorn

Hundert Billiarden Himmel
wünsche ich dir und doch nur einen,
einen der dir gehört,
dir allein.
Eine Liebe braucht nicht viel:
Sonne, Wolken und hundert Billiarden Sterne,
damit du nicht gleich weißt,
welcher für dich leuchtet.
Einer ist es immer,
suche ihn,
dann ist dein Leben nicht vergeudet.
Das Staubkorn im Auge
erscheint uns immer groß
und manchen macht es blind
für die wahre Weite.

Hast du je gesehen,
wie lieb ich dich hatte,
trotz allem?



Gedankenschloss

Je weiter du dich mir entfernst,
desto näher bist du mir.

Und wenn du unerreichbar bist für mich,
dann sind wir niemals mehr zu trennen.

Dann geh du nur,
wenn du mich schnell verlassen willst.

Ich krall mich fest
in deinem Herz aus Stein.

Ich klammre mich
an deine kalte Seele.

Ich atme deine Luft aus Eis und friere nicht
an deiner Seite.

Je weiter du dich mir entfernst,
desto näher bist du mir.



Liebeslied

Wenn du Nord bist, will ich Süd sein,
wenn du Moll bist, will ich Dur sein,
wenn du Winter bist, will ich Sommer sein,
wenn du Ebbe bist, will ich Flut sein.

Wenn du rot bist, will ich grün sein,
wenn du hart bist, will ich weich sein,
wenn du fern bist, will ich nah sein,
wenn du gehst, will ich bleiben.

Wenn du schläfst, will ich wachen
über dich und deinen Schlaf,
über Gegenwart und Zukunft -
und keiner stört deine Träume.



Ewig dein

Wenn du
ein Käfig wärst,
möcht ich
ein Vöglein sein,
gefangen
in dir.

Und flög nie mehr ...



Immer mit dir

Nur dich höre ich,
wenn ich denn höre.

Nur dich sehe ich,
wenn ich denn sehe.

Nur von dir rede ich,
wenn ich denn rede.

Nur mit dir bin ich,
wenn ich denn bin ..

.. und bin schon lange
gar nicht mehr.



Entfernung

lässt die Gedanken kreisen,
lässt die Affinität wachsen,
lässt dich bei mir sein,
wenn du denkst,
es wäre aus und
tauchst unter
im Wirbel
der Zeit.



Mellonta tauta

Sie setzte sich im Kaffee zu mir
und fragte, ob ich sie nicht mehr kenne.
Ich kannte sie nicht. Aber dann erzählte sie mir,
dass ich ihr einmal vor langer Zeit
ein paar liebe Worte schenkte,
als sie traurig und verzweifelt war.

Da fiel es mir wieder ein.
Sie saß an einer Bushaltestelle
und weinte und es tat mir weh im Herzen
und ich tröstete sie und erklärte ihr,
dass Liebe ohne Leid und ohne Kummer
und Schmerz keine Liebe sei.

Seltsam, dass sie mir noch heute dankbar war.
Was liebe Worte doch bewirken können.
Dabei war ich sonst immer rau und ruppig
und erhaben und arrogant und schaute keiner ins Gesicht,
sollten sie doch mich anschauen, ansprechen, anflirten.
Ein kleiner Macho war ich und auch ein wenig selbstverliebt
in mich und meine schönen braunen Augen.

Dann passierte es mir, dass ich mich selbst einmal verliebte
und lernte es kennen, wie es ist, wenn man verletzt wird.
Ich verliebte mich in dich, in deine Gedanken, deine Sprache,
deine Art zu sein oder nicht zu sein.
Und jetzt, wo es aus ist, für immer aus ist, merke ich,
dass ich nur noch liebe Worte finde und wie schön es ist,
sein Gegenüber damit glücklich zu machen,
denn es fällt auf einen zurück - früher oder später.

So war es mit der Frau im Kaffee,
so soll es immer sein, mit allen Menschen.
Das hat deine Liebe in mir bewirkt,
die du leugnest und die mich doch geändert hat.
Es ist immer ein Akt der Liebe,
wenn sich zwei zusammentun,
um zu mailen oder zu chatten, zu telefonieren oder
sich zu treffen, zu reden und vieles gemeinsam zu haben,
auch wenn die Grenzen noch so streng gezogen sind.

Du hast mich geliebt,
soweit es dir möglich war
und soweit es dir erlaubt oder bewusst war.
Meine Liebe hat inzwischen viele Namen,
aber immer sehe ich dich vor mir,
und das wird eine Ewigkeit lang so dauern.

Ich brauche es, zu lieben und geliebt zu werden.
Viele lieben mich, aber ich liebe nur die eine: Dich.
Königin von Phantasia,
Kaiserin von Nimmerland,
Gebieterin von Avalon,
Göttin meines Herzens,
nie werde ich von dir lassen.



Glückskatze

Siehst du die Katze,
wie sie sich auf der Wiese rollt,
wie sie sich in der Sonne streckt,
wie sie an jeder Blume riecht,
wie sie sich drehend aufbäumt und nach der Fliege schlägt,
wie sie mit dem Bällchen spielt, das du ihr hingeworfen hast?

Die Katze lebt nur im hier und jetzt,
sie genießt jeden Augenblick,
lebt nur für den Moment.

Ein Katzenleben ist ja auch viel zu schnell vorbei,
aber ist nicht jedes Leben viel zu kurz?
Sollten wir nicht jeden Tag neu begehen,
als sei es unser letzter?
Und dauert nicht jedes Menschenleben
nur einen Augenblick,
gemessen an der Unendlichkeit?

Wir denken an morgen, denken an die Zukunft:
Sie ist wichtig.
Der Augenblick denkt an heute, denkt an uns:
Er ist wesentlich.
In der Rückbesinnung ist nur der Moment relevant.

Lebe jeden Augenblick:
denn keiner kehrt je zurück.
Das Leben spielt sich hier und heute ab.
Wer nicht hier und heute lebt,
der lebt überhaupt nicht.

Das habe ich von meiner Katze gelernt.



Totgeboren?

Ich fühle wie eine Mutter,
die ihr totgeborenes Kind
noch lange in den Armen trägt,
in der irrsinnigen Illusion,
es könnte doch noch atmen.

Der Unterschied ist nur,
dass ich mein totes Kind
nie mehr aus den Händen gebe.

Mit ihm zusammen
will ich verwesen.

Sein gebrochener Blick
spiegelt sich
in meinem gebrochenen Herzen,
ungebrochen.

Unausgesprochen
der Schmerz, die Trauer.

Liebe kennt kein Hindernis,
kein Erstarren,
keine Todesmaske,
kein kühles Grab.

Und doch bin ich es,
der nicht mehr atmet.

Ein Kind lächelt.



Herzbruch

Wie soll ich nicht stumm sein!
Wie soll ich nicht taub sein!
Wie soll ich nicht blind sein!

Wenn du meine Sehnsucht nicht erwiderst?

Wie kann ich dir nah sein!
Wie kann ich für dich da sein!
Wie kann ich dir Antwort sein!

Wenn du meine Liebe nicht erwiderst?

Wie muss ich leiden!
Wie muss ich entbehren!
Wie muss ich sterben!

Wenn ich nicht breche mit dir?



Lazarus

Mein Leben war dunkel,
bevor ich dich traf.

Mein Leben war düster,
bevor ich dich küsste.

Mein Leben war schwarz,
bevor ich dich umschlang.

Mein Leben war tot,
bevor du mich wecktest.



Meiner wahren Liebe

Tausend Gesten sind zuwenig,
tausend Rosen nicht genug,
tausend Küsse unerheblich,
tausend Worte sind nur Trug.

Drei Worte sind es, die zählen,
drei Worte haben Bestand,
drei Worte, die mich quälen,
drei Worte für dich ich fand:

Ich liebe dich.



Verlust?

Es vergeht keine Sekunde,
ohne dass ich nicht an dich denke.
Es vergeht keine Minute,
ohne dass ich dich nicht vermisse.
Es vergeht keine Stunde,
ohne dass ich nicht bereue,
was ich dir antat.

Es vergeht keine Zeit,
die nicht sinnlos wäre
ohne dich.



rose, du

stacheln
schlagen sich mir ins Fleisch,
wenn du mir sagst,
du liebst mich nicht

so nah,
dass dich mein Blut berührt
und doch so fern,
dass ich verblute -

rose, du



Flüchtiger Blick?

Ein Quäntchen zu lange
hast du mir in die Augen gesehn,
ich habe zurückgeblickt,
still und ernst,
wie es meine Art ist.

Dann bist du eingestiegen
und davongebraust,
aber du hast etwas zurückgelassen,
vielleicht bin ich dir deshalb nachgefahren.

Die Ampeln standen auf grün,
grün wie deine Augen,
die Ampeln standen auf rot,
wie der Stich in deinem Haar.



Meine Liebe

Zeig mir die Mauer,
die ich nicht einreiße,
zeig mir die Mine,
die ich nicht entschärfe,
zeig mir die Armee,
die ich nicht besiege für dich.

Zeig mir die Festung,
die ich nicht einnehme,
zeig mir das Land,
das ich nicht besetze,
zeig mir den Stern,
den ich dir nicht vom Himmel hole.

Zeig mir das Universum,
das ich dir nicht auslote,
zeig mir die Ewigkeit,
die ich dich nicht liebe,
zeig mir die Unendlichkeit,
die ich nicht da bin für dich.



Sturmhöhe

Auf
dem höchsten Gipfel
trennt uns
zum tiefsten Abgrund
immer nur
ein Schritt,
ein Windstoß,
ein unbedachtes Wort.

Wenn einer von uns fällt,
dann fällt die ganze Welt.



Nachtfalter, ich

Spinn mir die Weben,
Todeskind,
garne mich ein,

zeig mir,
dass Flügel kleben,
in deinem Netz,

komm auf mich zu,
bleib weg,
sauge mich aus.



Nimmerland - -

Es gibt ein Land,
da zählt nicht mehr
der Unterschied.
Es gibt ein Land,
da ist kein Gestern und kein Morgen,
da ist kein Nord, kein Süd, kein Ost, kein West
und keiner stirbt und keiner wird geboren.
Es gibt ein Land,
wo wir als Paar
zusammen sind,
untrennbar und
für Ewigkeiten.
Und kommst du
vor mir an,
in diesem Land,
dann wartest du
nicht lang auf mich,
ich folge dir, denn
keiner bleibt allein
in diesem Land,
wo nur die Liebe lebt.

- - Immerland



Depressiv

Manchmal überkommt
mich am Abend die Angst,
ich könnte einschlafen
und nie mehr aufwachen:

Schwer im Bett liegt mein Körper,
bewegungslos Arme und Beine,
erkaltet das Herz,
erstarrt die Gedanken
an Schmerzen und Lust,
die Qualen vergangener Liebe.
 
Manchmal überkommt
es mich wie ein Trost,
ich könnte einschlafen
und nie mehr aufwachen.



Durchbruch?

Reifer geworden
ist unser Verhältnis,
gewandelt und geadelt
durch deinen neuen Ton.
Gewartet habe ich lange darauf,
dass du dich öffnest,
dass du vertraust,
dass du mich siehst,
dass du sprichst,
dass du liest in mir,
damit ich in dir lesen kann
was dich antreibt, umtreibt, treibt
und dich fasse, halte, stütze
und nie mehr beende,
was nicht zu beenden ist.



Wasserweibchen

Flacher Stein,
geworfen auf das Wasser,
hüpfend wie der Teufel.
Runder Stein,
gefallen von der Brücke,
versinkend in die Hölle.
Eckiger Stein,
scharfkantig schneidend,
gepresst an mein Herz.

Der flache Stein kehrt nie wieder,
der runde Stein liegt auf tiefstem Grund,
der eckige Stein bist du,
schneide ein in mich,
verwachse mit mir,
werde weich und
hilf meinem Herz klopfen,
klopfen für dich.



Sensitiv

Mit deinen Augen sehen,
mit deinen Ohren hören,
mit deiner Zunge schmecken,

mit deiner Lunge atmen,
mit deiner Haut fühlen,
mit deinen Fingern spüren,

mit deinem Verstand denken,
mit deinem Herzschlag pochen,
mit deiner Seele empfinden,

mit meiner Spürnase in dich dringen,
bis dir ein Herz vom Stein fällt
auf mich, über mich, in mich

und immer wieder mir zu,
zu mir, an mich, um mich,
niemals endende Liebe.

Immer wieder:
Du.



Liebe?

Du fragst mich, was Liebe sei.
Ich weiß es nicht.
Könnte ich lieben, wenn ich es wüsste?
Könnte ich es dann noch so empfinden?
Liebe ist nicht zu beschreiben,
dazu fehlen uns Menschen die Worte.
Weil nur das Herz spricht.
Und das ist eine Sprache, die jeder versteht,
und wenn du sie hörst,
dann fragst du nicht mehr.



Verschlingen

Ich lege meine Schlinge aus,
doch schlinge ich sie auch um mich.
Wenn du mir in die Schlinge gehst,
zieht sie sich zu
um meinen eignen Hals
und wir verschlingen
uns in uns,
du dich in dich,
ich mich in mich,
ganz nah zusammen
stirbt jeder seinen eigenen Tod.
Herz an Herz,
Schlag für Schlag,
der meistens
trifft.



Traumgespielen?

Keine Mauer ist die Bettdecke
zwischen Traum und Wirklichkeit,
ein feines Häutchen eher,
eine Versuchung,
ein zarter Schmelz,
durchsichtiges Zellophan,
dünne Weben,
ein Glanz,
ein Hauch,
ein
"nimm mich doch!"



Weekend without you

Was du wohl jetzt gerade tust,
wo du wohl bist,
mit wem du sprichst,
ob du wohl lernst, ob du wohl ruhst?

Ob du in fremde Gärten gehst,
ob du schaust zur Uhr,
mich herbeisehnst nur,
ob du bei einem andern stehst?

Auch wenn die Worte waren Lug,
dass du brauchst mich,
ich liebe dich
und das allein ist mir genug.



Trennungsschlag

Ein gellgezackter Blitz zuckte
aus den Wolken
und nahm einen von beiden hinweg.

Mit einem dumpfen Donnerschlag
verdunkelte sich
der Horizont eines Lebens.

Seinen Erdenweg der andere
alleine weiter ging,
doch ward er glücklich nimmermehr ...



Wuthering Heights

Als ich dich heute stehen sah,
im Odem kalterstarrter Luft,
gesenkter Kopf, dein Blick zurück,
da fühlte ich die feine Kluft,
bestimmend für das Lebensglück.

Als ich dich heute gehen sah,
vorbei an Kreuzen modrig alt,
Gedenktafeln, zerfallnen Steinen,
da wurde mir die Erde kalt
und eine Wolke musste weinen.

Als ich dich heute wiedertraf,
da sah ich dich in andrem Licht,
verstand dein Denken und dein Fühlen,
doch war es nur in dem Gedicht,
dort auf dem Trauerfeld, dem kühlen.



Partnerschaft

Verstehen,
auch wenn man
mal nicht versteht.

Einsehen,
auch wenn man
mal nicht einsieht.

Vertrauen,
auch wenn man
mal nicht vertraut.

Annähern,
auch wenn man
mal Ferne fühlt.

Gehst du den Weg mit mir?



Schöne Melodie

Ich möchte
ganz langsam
verstummen
und nur noch
meine Melodie
summen,
die sich
ergänzend
mit deiner verbindet
und uns
zu einem Ganzen
windet.



Mit dir und ohne dich

Unter Schmerzen möcht ich sterben,
nochmal spüren, dass ich lebe,
bis zum letzten Herzschlag leiden,
alles, nur nicht sanft entgleiten.

Und selbst der letzte Atemzug
soll mir wie hundert Leben sein
aus Illusion und Selbstbetrug
und dauern eine Ewigkeit.



Ende einer Liebe

Du bist jetzt ganz weit weg,
weg von mir.
Deine Worte aber stehen bei mir,
unverrückbar und für immer
und ich lese sie,
ich inhaliere sie,
ich lebe sie,
ich trage sie,
ich vergesse sie nie,
ich bin bei ihnen
und sie bei mir
und ich weine mit ihnen
und lache mit ihnen
und beende es nie,
was du beendet hast.



Tinnit us

Wenn jemand an dich denkt,
klingelt es dir im Ohr,
sagt der Volksmund. -
Wenn der Volksmund Recht hat,
wie kannst du noch schlafen
bei all dem Lärm,
den meine Gedanken
verursachen?



Hölderlin und ich

Es gibt verschiedene Arten von Liebe,
aber die Art von Liebe,
die uns die Dichter
in ihren Liedern besingen,
die gibt es nur einmal im Leben.

Und wenn sie zerbricht,
zerbricht das Herz
und du ziehst dich zurück
in einen Turm
aus Einsamkeit.



Liebe

Liebe kennt kein Alter,
Liebe kennt keine Entfernung,
Liebe kennt keine Religion.

Liebe kennt keine Gräben,
Liebe kennt keine Zäune,
Liebe kennt keine Mauern.

Liebe kennt keine Gründe,
Liebe kennt keine Grenzen,
Liebe kennt kein Hindernis.

Liebe ist immer im Einsatz
und wenn sie dich aufsucht,
spürst du sie auch.



Statement

Ich glaube an eine Liebe,
die nie vergeht,
die nie nachlässt,
die immer stand hält,
eine Liebe, die nie untergeht,
die für immer fest besteht.

Und das ist mein Dilemma:
Dass es diese Liebe nicht gibt.
Und deshalb ist mein Leben
ein ständiges Sterben. -
Korrelation zwischen
Wunsch und Wirklichkeit.



Prometheus

Wenn ich dich verliere,
werde ich dich jeden Tag neu erfinden.

Werde Ton nach dir formen,
werde Steine hinter mich werfen,
werde Haut auf Knochen ziehen,
werde Haare flechten,
werde ein Herz laufen lassen
und Leben einpusten einer Seele.

Und Gott bestechen,
dass du es bist -
für mich.



Halten

Halten
konnte ich dich nicht,
nicht behalten,
nicht festhalten,
nicht abhalten,
zu brechen mit mir.

Halten
kann ich nur die Erinnerung,
behalten,
festhalten
und abhalten,
was meinen Blick brach.

Halten
in Gedanken deine Worte,
deine Zuwendung,
deine Sympathie,
deine Freundschaft,
deine Liebe.



Wetterleuchten

Deine Gedanken sind
wie Wolken im Wechsel der Jahreszeiten.

Heute hell und offen,
morgen dunkel, bedrohlich und verschlossen.

Sie ziehen am Firmament,
deine Gedanken und berühren die meinen.



Seelensee

Wir sind zwei Hälften,
die irgendwann ein Ganzes waren.
Und wenn du an mir bist,
bin ich an dir
und wir sind eine Welt.

Mit dir schreiben,
mit dir reden,
deine Gedanken entkleiden,
in dein Herz gleiten.

Du spiegelst dich in mir,
ich mich in dir,
in diesem See
aus Fleisch und Blut

und was wir sehn,
ist selbst im Bösen gut.



Nullnummer?

Die Computerwelt besteht
aus Bits und Bytes,
diese aus Nullen und Einsen,
wie das gesamte Internet:
Eine ganze Welt aus
Sein oder Nichtsein,
aus Ja oder Nein -
wie das reale Leben.

Als dein Internetzugang
aus technischem Defekt
für vier Tage ausfiel,
spürte ich schmerzlich,
wie meinen Nullen
deine Einsen fehlten:

Ich malte lachende Emoticons
aus Nullen und Einsen
auf winzig kleine Konfettiblättchen,
stellte mich ans Fenster,
blies sie hinaus
und hoffte,
dass der Wind sich dreht.



Liebe auf  den ersten Klick

Denk dir eine Zahl
und häng immer noch
irgendeine daran,
bis es nicht mehr geht
und du wirst schnell merken,
dass du dein gesamtes Leben
damit zubringen kannst.

Und wenn du dann die Zahl liest,
siehst du wie viele Möglichkeiten
es für mich gibt,
dir zu schreiben
wie sehr ich dich liebe.

Und doch reicht keine völlig hin,
weil jede einzelne nur Versuch ist,
das Unsagbare in Worte zu kleiden,
der nie ausreichen kann,
das auszudrücken,
was meine Seele
im tiefsten Inneren
empfindet
für dich.



nacht

meine seele
eingekerkert
verbunkert
verschlossen
eingeschlossen
zurückgezogen
entzogen mir

kein lachen
kein weinen

zugeschlagen das offene buch

entzogen die worte
der sprudelnde quell versiegt

stumme stille im all
einerlei

all
ein



nur liebe

den weg ich lief
in deine richtung

pfeilgenau der kompass

das ziel:

dein herz
deine seele
dein geist
dein körper
dein denken
dein fühlen
dein du
dein ich
deine welt
dein glaube
deine hoffnung
deine sehnsucht
deine freundschaft
deine liebe

pfeilgenau traf mich deine antwort
und die kompassnadel brach
entzwei

entzweit
bleiben wir wohl für immer

dabei war es nur liebe



wunder

finden
freuen
lieben

wunder leben

schreiben
lesen
antworten

wunderschön

vertrauen
begehren
genießen

kein wunder

zweifeln
misstrauen
beenden

verwundet

verstehen
verzeihen
versöhnen

an wunder glauben



Sehnsucht

Wenn du hier wärst,
könnten wir stundenlang reden.
Wenn du hier wärst,
könntest du mir alles erzählen.
Wenn du hier wärst,
könntest du dich fallen lassen.

Wenn du hier wärst,
wären tausend Jahre nichts.
Wenn du hier wärst,
wäre das Eis gebrochen.
Wenn du hier wärst,
wäre die Welt wieder warm.

Wenn du hier wärst
und nicht so weit fort.



Atemverlust

Es gibt Dinge, die schlagen mir auf die Stimme.
Und gerade, wenn ich laut herausschreien möchte,
ziehen sich die Muskeln im Kehlkopf zusammen
und ich krächze nur noch hell und heißer.

Früher ist mir das nicht passiert,
da konnte ich meinem Unmut Luft machen,
konnte verbalisieren und argumentieren,
heute bin ich oft sprachlos, hilflos, luftlos.

Und bevor ich wieder stammle,
setze ich mich lieber hin und schreibe auf,
was der Hals verschluckt und
die Stimme weinerlich macht.

So bleiben meine Schreie nicht erstickt,
meine Verzweiflung nicht erwürgt,
meine Gefühlswelt nicht erdrosselt,
sublimiere den Terminus "Schrei" zu "Schreibe".



Einmal mit dir ...

Einmal mit dir singen,
einmal mit dir springen,
einmal mit dir über Dächer fliegen,
einmal mit dir auf den Wolken liegen,
einmal mit dir verrückt sein,
einmal mit dir entzückt sein,
einmal mit dir Possen reißen,
einmal mit dir auf alles scheißen,
einmal die Jacken verkehrtherum tragen,
einmal nicht nach den Bürgern fragen,
einmal uns so richtig besaufen,
einmal nackt im Garten rumlaufen,
einmal die Konventionen vergessen,
einmal mit den Händen essen,
einmal in der Jauche baden,
einmal einen Storch uns braten,
einmal die Arbeit warten lassen,
einmal uns ein Herz dazu fassen,
einmal uns einfach lieben,
egal was war.



Zwei Sterne

Hast du ein Herz,
dann lass es klopfen.
Hast du eine Seele,
dann lass sie fühlen.

Hast du einen Verstand,
dann lass ihn denken.
Hast du zwei Augen,
dann schau mich an.

Und lass mich in dich blicken,
tief in dich hinein
und wieder aus dir hinaus,
als wär ich in dir zuhaus.



Vollmond

Trabe, einsamer Wolf, trabe,
trabe durch die Welt,
trabe durch die Straßen,
trabe durch die Kneipen,
trabe, einsamer Wolf, trabe.

Trabe, einsamer Wolf, trabe,
trabe durch die Träume,
trabe durch die Fantasien,
trabe durch die Illusionen,
trabe, einsamer Wolf, trabe.

Trabe, einsamer Wolf, trabe,
trabe in dein Glück
trabe in dein Leid,
trabe in die Angst,
trabe, einsamer Wolf trabe.

Trabe, Trabe, Trabe,
trabe hin zu dir,
trabe hin zu ihr,
trabe in die Falle
und heule, einsamer Wolf,
heule.



Glaubensfrage

Ich möchte einmal wieder
so lieben können,
wie ich es konnte,
als ich noch glaubte ..

Ich möchte einmal wieder
so glücklich sein,
wie ich es war,
als ich noch glaubte ..

Ich möchte einmal wieder
so schwärmen können,
wie ich es konnte,
als ich noch glaubte ..

Ich möchte einmal wieder
so schreiben können,
wie ich es konnte,
als ich noch glaubte ..

Ich möchte einmal wieder
so glauben können,
wie ich es konnte,
als ich noch glaubte ..

.. an dich.



Millennium

Alle tausend Jahre
zieht ein Stern am Firmament.

Alle tausend Jahre
wird das Fegefeuer bereinigt.

Alle tausend Jahre
werden die Sündenkonten gelöscht.

Alle tausend Jahre
wird Jesus wiedergeboren.

Alle tausend Jahre
schaut Gott dir ins Angesicht.

Alle tausend Jahre
liebt ein Mensch so,
wie ich dich liebe.



Flaschengeisttheorie

Wenn ich einen Wunsch frei hätte,
dann würd ich mir hundert neue Wünsche wünschen.
Und mit den hundert Wünschen
würd ich hundertmal dich wünschen.
Dann könnt ich dich 99mal verlieren
und hätt dich doch noch einmal
für mich.



Sommernachtstraum

Manchmal nachts,
wenn ich schon geschlafen habe,
stehe ich spontan auf,
schlurfe schwer zum PC,
logge mich noch einmal ein
und sichte meine Mails,
als ob ich ein Wunder erwarte.
Und alle haben sich gemeldet,
haben mir geschrieben,
Freunde und Bekannte,
nur nicht du.

Es macht mir nichts mehr aus,
ich bin es längst gewöhnt,
und dennoch gebe ich nicht auf:
Das Hoffen und Sehnen,
dass eines Tages
deine Worte mich berühren
wie die ersten Sonnenstrahlen
den goldenen Morgen
an einem Ferientag
im Hochsommer.



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