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Seelenschloss
(100 Texte)

für Melle
(Gedichtezyklus Teil 3 von 3)



Sehnsucht

Ich träume mich
in deine Träume,
und hoffe mich
in deine Hoffnung.
Und weiß doch,
dass ich weder
Traum noch Hoffnung
für dich bin.



Im reinen Sein

Dein Fußabdruck und meiner
sind schon zwei:
Manchmal kommen sie wieder ...

Ich weiß ja,
du beziehst dich nicht auf mich,
ich bin die Randnotiz,
immer gewesen,
aber immerhin
mit Hand geschrieben,
neben all dem Gedruckten
und Gedrückten.



Die Liebe

Die Liebe stirbt ewig:
das ist ihre Dauer.
Ein innerliches Verbrennen,
Tag für Tag, Nacht für Nacht,
immerwährende Sehnsucht,
ungestilltes Verlangen,
keine Erlösung
bis zum Ende
in Erde.

Und dabei wollte ich
für sie sterben,
nicht durch
sie.



Du tanzt auf dem Mond

Du tanzt auf dem Mond,
ich laufe auf der Erde deinem Namen nach,
du tanzt auf dem Mond,
ich suche dich in jeder Biegung,
du tanzt auf dem Mond,
ich suche dich in allen Ländern,
du tanzt auf dem Mond,
ich suche dich in allen Sprachen,
du tanzt auf dem Mond,
ich frage jeden Gott nach dir.

Du tanzt auf dem Mond
und lachst mich aus.



As time goes by

Jeden Tag denk ich an dich
und jede Nacht träum ich von dir,
die Zeit vergeht so still vor sich hin
und jeden Tag und jede Nacht
bist du nicht hier.



Von Mitternacht nach Mitternacht

Irgendwann
wirst du dich ruhig verhalten,
wirst du nicht mehr antworten,
wirst du aus meinem Leben
verschwunden sein.
Ich werde dich
niemals mehr finden,
aber suchen,
suchen, suchen, suchen
werde ich immer
nach dir.



Auf Droge

Die Liebe lässt
ein körpereigenes Opiat
entstehen.
Vielleicht bin ich
deshalb so stoned,
seitdem ich
dich kenne.



On the rocks

Jetzt kommen die kalten Tage
und mir fehlt etwas Existentielles,
ohne das ich zwar existiere,
aber ohne eigentliche Existenz.

Würd ich noch trinken,
ich würd ertrinken
zwischen Eiswürfeln.



Solitär

Die Menschen verzahnen sich
wie die Zacken
an einem Reißverschluss.
Das hält zusammen.
Ich bin ein einzelner Knopf
von einer Jacke,
die es nicht mehr gibt
und halte nur noch
mich zusammen.



Erinnerung

In deine Fenster will ich immer sehn,
in deine goldnen Räume schauen,
und immer adeln die Gewalt,
die Kraft die dich beherrscht,
nie nachlassend von innen,
wo du still sitzt auf deinem Thron,
Erinnerung.



Eigensuggestion

Es ist aus, es ist aus,
ich schreibe nicht,
ich halt mich raus.

Ich halt mich raus
und will nicht stören,
es ist aus, es ist aus.

Lass sie gehen,
lass sie schweben,
lass sie fliegen.

Lass sie leben,
lass sie lieben,
es ist aus.



Wellengesang

Du steigst und fällst,
du steigst und fällst.
Ich falle immerzu
und während du
schon wieder steigst,
fallt meine Welt
dem Ende zu,
fällt meine Welt
dem Ende zu.



Nacht

Still ist das Leben,
Menschen legen sich nieder.

In mir rührt der Tag
immerfort weiter.

Keine Ruhe,
Schatten erwachen.

Eine Welt spannt sich
in mir.



An meine Muse

Eine innere Intuition zwingt mich zum Schreiben.
Doch wie kann ich ohne meine Muse dichten?
Ohne ihre Zuwendung, ohne ihre Wärme?
Ohne ihr Dasein in meinem Leben,
ohne ihre Güte, ihr Verständnis,
ohne ihr ewiges Verzeihen,
ohne ihre Freundschaft,
ohne ihre Liebe,
ohne DICH,
du meine
Muse
???
?



Mit allen Sinnen

Mit allen Augen
seh ich dich an.
Mit allen Ohren
hör ich dir zu.
Mit allen Nasen
zieh ich dich ein.
Mit allen Händen
halt ich dich fest.
Mit allen Zungen
schmeck ich dich ab.

Mit allen Mündern
frisst du mich auf.



Schizophren

Es gibt Frauen,
die machen einen Mann verrückt,
im wahrsten Wortsinne verrückt
und dann bist du verrückt,
weißt nicht mehr,
was du tust,
ohne sie tust,
mit ihr tust,
überhaupt tust,
drehst dich im Kreise …

Kann mir einer sagen,
wie ich heiße?



Einsiedler

Der Mensch braucht Freunde,
nicht so ich:
Mich behindern Freunde nur,
allein bin ich am stärksten
und ziehe mich zurück
in meine selbstgewählte Einsamkeit
und singe meine Hymnen an die Nacht
und denk an dich und heule in den Mond.



Heute

Ich bin gefährdet,
führe ein Leben auf der Rasierklinge.

Im hellen Licht,
im Sonnenschein,
hat die Welt einen anderen Anstrich.

Wenn ich im Regen
über die Felder laufe,
wünsche ich mir,
dass der Blitz mich trifft.

Aber vorher noch ein Gedicht schreiben:
Meine Art, ein Apfelbäumchen zu pflanzen.



Sterne

Wenn Sterne verglühen,
bleibt nichts zurück.
Du merkst nicht auf:
Keine Fragen,
keine Anmerkungen,
keine Statements,
keine Mutmaßungen,
keine Implikationen.

Sterne verglühen still.



Wortwörtlich

Ich bin das Kind,
das in den Brunnen fällt.

Ich bin das Faß,
das ewig überläuft.

Ich bin der Krug,
der ständig bricht.

Ich bin das Sprichwort,
das mich in die Tonne klopft.

Ich bin der Topf
zu deinem Deckel nicht.



Traumtänzer?

Wenn du mir
heute schreibst,
dann hab ich immer noch
die gleiche Hoffnung
und warte auf ein Wort,
das alles ändert,
wie vor vielen Jahren.
Ich kanns nicht fassen,
wie es ist,
dass ich so wenig
für dich bin,
auch wenn so viel passierte.
Die vielen Fehler,
so muss man das verstehen,
bei Tag besehen,
waren nur aus Liebe.



Adam traurig am Schreibtisch

Ach,
hätt ich nie
von der Erkenntnis
genascht.
Ich wäre unschuldig
geblieben,
hungrig,
nackt
und hätte
an den klugen Baum
gekackt
und hätte
mein Gebiet
markiert
und vieles
wäre nicht
passiert ...



Im Traum

kroch ich zurück
in die Gebärmutter
meiner Mutter,
geschlossenen Auges
lag ich zusammengerollt
unter der Basstrommel
ihres Herzschlags,
geborgen und nie geboren.



Schönste Melodie

Ameisen hör ich trommeln,
Gras trompetet in die Haut,
Wolken hauen in die Tasten,
Bäume geigen in das Hirn,
Regen summt im Hintergrund,
Wind fetzt Bass in das Herz.

Meine Haut vibriert,
mein Hirn tanzt,
mein Herz wippt,
meine Seele swingt:
Deine Worte singen
in mir.



Himmelsgespann

Schade, dass du selbst so haltlos bist,
so kannst du mich nicht halten
und ich bin gezwungen,
dich hoch zu halten,
damit ich mich
halten kann
an dir.

Ich heb dich in den Himmel,
dass du als Stern leuchtest
und ich dein Schweif,
kleiner Schwanz,
hintendran,
gezogen,
von dir.



Ein und Alles

Du warst nie mein Ein,
aber immer mein Alles,
bis ich alles verlor:
Zu spät sah ich ein,
alles ist nichts,
ohne die Eine,
ohne dich,
das Ein -
und Alles.



Dasein ohne dich

So trostlos,
so haltlos,
so freudlos,
so lieblos,
so sinnlos,
so belanglos,
so hoffnungslos:

Nicht gerade das große Los!



Emslandqueen

Wer hört mich,
wenn nicht du?

Wer versteht mich,
wenn nicht du?

Wer hält mich,
wenn nicht du?

Wer liebt mich,
trotz allem, was war?



Sterntaste

Mein Laptop hat
für alles eine Taste,
nur die Sterntaste
bleibt ohne Funktion:
Ich drück sie
immer wieder,
doch mein Bildschirm,
der bleibt leer,
mein Himmel dunkel,
ohne Licht
und keine Hoffnung
auf ein Wiedersehn mit dir,
du meine Liebe,
du mein stets
unsteter Lebensstern.

Muss sich denn sehen,
was sich fühlt?



Aggression

Es gibt eine Liebe, die Mienen zündet,
die Mauern sprengt, die Festungen einnimmt
die jedes Geschwader in die Knie zwingt,
die Königreiche zu Staub zertrampelt,
und die Erde zu ihrem Spielball macht.

Ich hol mir den Mond aus der Nacht,
ich greif mir die Sonne vom Tag,
ich reiß die Gestirne an mich,
ich grall mir das Weltall,
ich zieh die Unendlichkeit zu mir,
rede mit Gott auf du und du.

Lass Vulkane spuken ihr Gift,
lass Beben die Erde fressen,
lass auskommen die Winde,
lass Wellen walten ihr Gericht,
lass Dürren fallen über das Land
und schmelzen das Eis,

denn du bist nicht hier.



Liebestraum

Du mein Traum,
du warst so schön,
doch als ich erwachte
und dir in die Augen sah,
da warst du nur der Schein
eines visionären Schattenbildes.
Ich hab dir lange angehangen
und hab dich gehalten
wie Kinder Märchen sehn
und nicht aufgegeben die Illusion,
aber dann hat dich der Alltag
überlagert und was blieb
waren Seifenblasen
zerplatzt an der
dünnen Luft
der harten
Realität.



Crescendo

Dein Nichtssagen
wird stetig lauter.

Wie es sich in mein Hirn brennt.
Wie beredt es überzeugt.

Ich hör schon den Paukenschlag
am Schluss.



Protestnote

Du hast mich wegrationalisiert,
ich passe nicht mehr in dein Leben,
doch ich gebe mich nicht geschlagen,
denke umso mehr an dich,
weil du ständig bei mir und um mich bist:

Du bist mir Morgenröte und Abendrot.
Du bist die Wolke am Himmel,
du bist das Licht am Horizont,
du bist der Stern in der Nacht,
du bist Vogelsang
und Windesrausch,
bist Sphärenklang
und tiefe Stille.



Traumgesicht

Du wartest.
Ich denk an dich
und dann bist du bei mir.

Ich fühl dich oft ganz nah,
solang ich weiß, dass es dich gibt,
irgendwo da oben im Norden,
kann mir nichts passieren.

Du gibst mir wohl mehr, als ich dir.
Du gibst mir etwas,
das man nie und nimmer
mit Geld bezahlen kann.
Es ist wie ein Traum.
Ich habe Angst, aufzuwachen ...



Forever

Ich möchte die Liebe erkennen,
möchte mich ihr in den Weg stellen,
möchte sie zu mir ziehen,
an mich und in mich,
möchte sie nie mehr loslassen,
nie mehr gehen lassen,
nie mehr von ihr ablassen.
Ich möchte sie immer festhalten –
die Liebe und dich.



Allein unter Menschen

Wenn ich das einzige Staubkorn
im Räderwerk Gottes wäre,
dann könnte ich es verstehen.
Aber ich bin ein Sandkorn in der Sahara
und doch nur einsam immerzu.



Für dich

Verschenke deine Liebe,
denn Liebe ist nie verschwendet,
kehrt immer zurück,
tausendmal verstärkt,

nicht immer vom Adressaten,
aber immer an unsere Adresse,
und Geben ist immer seliger
denn Nehmen,

weil es kein Geben ohne Nehmen gibt,
und das Erhalten, auch zurück,
uns erhält,
und jedes liebe Wort

in dieser Welt
auf jeden Einzelnen fällt
und der bist du und ich
wie jeder ein Du ist

und ein Ich,
das Liebe sucht
ein Leben lang.



All die Jahre

Ich wollte immer Worte von dir hören.
Ich glaubte nicht, was du nicht sagtest.
Ich glaubte nicht, was du sagtest.

Worte töteten unser Gespräch.
Worte meuchelten unser Gefühl.
Worte mordeten unseren Verstand.

Ich hörte nicht die Stimme.
Ich fühlte nicht das Herz.
Ich spürte nicht den Sinn.

Wortlos hast du mich gerufen.
Wortlos hast du mich getragen.
Wortlos hast du mich berührt.

In Liebe und Leid,
In Lust und Last.
In Freude und Schmerz.

Immer bei mir.
Immer in mir.
Immer mit mir.

All die Jahre.



Projektion

Am Anfang war das Wort,
dein Wort
und die Welt wurde hell,
mitten in der Nacht
und mein Lebensfilm
begann wieder zu laufen.

Deine Worte erzeugten Bilder,
die ich in mir aufnahm
und wenn ich sie
heute wiedergebe,
sind sie keine Projektion,
sondern reale Aufnahme.

Du bist nicht die Leinwand,
du bist der Film,
den das Leben
für uns gedreht hat:
Ich erfinde nicht,
ich dokumentiere.

Ich spiele nichts nach,
ich halte fest,
ich schaue nicht
zu dir heraus aus mir,
du schaust
in mich herein.

Ich annektiere nicht dich,
du annektierst mich,
ich bin nicht Subjekt,
ich bin Objekt,
ich agiere nicht,
ich reagiere.



Froschkönigin

Ich möchte an deinem Tischlein neben dir sitzen,
von deinem goldenen Tellerlein essen,
aus deinem Becherlein trinken,
in deinem Bettlein schlafen
und die goldene Kugel
aus dem Grunde
hervor holen,
Königin,
die ich
liebe.



Abschied

Ans Ende der Welt
lass uns laufen,
jeder in seine Richtung,
diametral entgegengesetzt.

Wo der Himmel die Erde küsst,
am Anfang des Regenbogens,
am Ende der Zeit,
da sehen wir uns wieder.



Besinnung

Wenn alles ausufert,
kein Land mehr in Sicht ist,
wenn du im Atlantik treibst,
keine Hand mehr greift,
wenn Gott dich übersieht,
keiner deinen Namen ruft,
wenn nichts mehr tröstet,
keine Wolke für dich
am Himmel schwebt,

dann kann es sein,
dass du zu dir kommst
und einfach nur still weinst.



Das weiße Blatt

Wie seltsam das schon manchmal ist,
dass man ein weißes Blatt beschriften kann
und dass es annimmt, was man denkt und was man fühlt
und weitergibt, was in der eignen Seele gärt und lebt.
Und wie es dir die Fehler und die Lügen zeigt,
wie ein Gewissen über dir,
das weiße Blatt,

so unschuldig,
so geduldig,
so zugetan,
so rein.

Man sollte es weiß lassen.



Depressiv

Mein Leben ist ein leeres Haus,
Gespenster gehen ein und aus,
ich fühle mich so ausgebrannt
in diesem sinnentleerten Land.

Leere Augen der Spiegel bricht,
leere Flaschen, leeres Gesicht,
es fehlt mir sehr dein Geistesfluss,
dein Wort war immer Musenkuss.

Vergiss doch unsren kleinen Zank,
denn unser Streit macht mich ganz krank,
mein Geist ist dunkel, ohne Licht,
so sehr fehlt mir dein Wortgewicht.



Jenseits der Gezeiten

Wenn ein Jüngling
in tausend Jahren oder mehr
seiner Geliebten ein Gedicht von mir
ins Poesiealbum schreibt,
ein Gedicht, das ich einst schrieb für dich
und wenn sie dann traurig wird und weint,
dann weiß ich, dass du durch sie weinst
und dass du ewig lebst.



Leibgericht

Wir beide haben lange zusammen gekocht,
die exotischsten Zutaten gaben wir bei;
mit edlen Kräutern und subtilen Gewürzen
haben wir nicht gerade gekonnt geknausert.

Du hast manchmal ganz schön freizügig gepfeffert
und ich gab meine scharfen Chilischoten bei;
Zwiebelgeruch brannte uns oft in den Augen
und das Salzfass stand uns immer allzu nahe.

Nicht angebrannt ist unser gemeinsames Gericht,
aber über Streitdiskussionen erkaltet;
oft aber schmeckts noch mal aufgekocht am Besten,
hol doch einfach Teller raus, ich bring das Besteck.



Mitternacht

Andere schütteln sich kurz,
lecken ihre Wunde,
stehen auf und gehen weiter,
die nächste Liebe, das nächste Glück wartet,
ich aber werde nie mehr lieben können,
sinnlos wird mein Dasein sein,
ohne Hoffnung und Ziel werde ich wandern,
nur die Nacht wird mein Freund sein
und Dunkelheit wird da sein,
wo früher zwei grüne Smaragde
mir zufunkelten,
mich anfunkelten,
mich durchfunkelten
und mir den Weg wiesen
wider alle Widerstände
immer wieder
zu dir.



Niemals nie

Es ist vorbei,
es tut nicht mehr weh:

So tröstet man sich,
wenn man den Schmerz
ganz tief fühlt

und inniglich spürt,
dass es niemals nie
vorbei ist

und niemals und nie
aufhören wird,
weh zu tun.



Rettungsanker

Ich lebe,
ich fasse Raum.
mein Herz schlägt,
ich esse,
ich trinke,
ich atme,
ich fühle,
ich denke
und meine Gedanken sind irgendwo
und wo sie auch sind –
da bist du.



Sturzflug

Wie still ist die Welt,
wenn keiner mehr den anderen ruft,
wie dunkel sind die Tage,
wie sternenlos ist die Nacht.
Ich stehe am Fenster und wünschte mir,
ich wäre mutig –
einmal für eine Sekunde.



Über die Liebe

Ich spüre, fühle die Liebe ständig in mir:
Sie ist mir Antrieb und Leitmotiv.
Ich liebe die Natur,
die Menschen,
das Leben
und ganz besonders dich.

Nur wer keine Liebe kennt,
für den gibt es auch keine.

Wie kalt und dunkel
muss es in solch einem Herzen aussehn.

Wer keine Liebe kennt,
der tut mir leid,
der kann auch keine geben,
bekommt demnach keine zurück,
stirbt einsam und allein.



Verbockt?

Man sagt mir nach,
ich könne gut umgehen
mit Worten,

wohl nicht mit Menschen,
wie ich weiß,
sonst könnt ich dir
ohne Worte sagen:

Du fehlst mir.



Sternenkind

Als ich liebte,
einmal im Leben,
da waren die Sterne Freunde.
Wie weit weg sind sie nun,
die mich einst begleiteten.
Wie seh ich sie jetzt
aus der Ferne,
die mir so nah warn.

Und du, wo bist du?



Herzzeitlose

Seitdem ich dich
im Blute trage,
bin immer ich
zu zweit mit dir,
auch wenn du
mich alleine lässt.

Mein Herz pocht ständig
deinen Namen
in die meine Welt.



Träumer

Wie ist das schwer,
wenn man träumt
und man weiß, dass man träumt,
während man träumt
und man weiterträumt,
obwohl man weiß,
dass man träumt,
während man weiterträumt.
Wie ist das schwer,
dann aufzuwachen.



 Es war einmal ?

Wie laut ist die Vergangenheit,
wie schreit sie in dein Herz,
wie klopft sie an deinen Verstand,
wie schlägt sie deine Seele
und wie leise spürst du doch,
dass Vergangenheit vergangen ist
und keine Liebe wiederkehrt.



Nordwind

Wenn es hier so heiß ist,
wie kühlt dann der Nordwind
mein inniges Begehren,
weil ich deinen Geruch in ihm wähne,
  der dich zu mir trägt,
so unsicher,
so fragil,
so weit her.

Und weiß ich doch:
Er flog um dein Haar,
um dein Gesicht,
um deinen Körper.

Ich liebe den Nordwind und
ich liebe dich.



Balsam

Wie der Himmel
die Sonne trägt,
so trag ich dich
im Herzen.

Irgendwann wirst du
wieder hier sein,
als wärst du
nie weggewesen.

Deine Worte werden sich
auf meine Seele legen
wie eine heilende Salbe.

Ich werde gesunden.



 Leidensdruck

Wer denkt,
ich leide nicht,
der täuscht sich:
Ich leide.

Gerade die Starken leiden,
obschon sie sich
in ihrem Leid
eingerichtet haben.

Und in harter Schule
lernen mussten,
in all den Dornen
auch die Rosen zu sehen.



Selige Kindheit?

Dass die Welt nicht gerecht ist,
lernst du spätestens im Sandkasten,
wenn ein anderes Kind
dir deine Schippchen klaut
und mit deinem Eimerchen
über deine Sandburg trampelt.

Wer sich als Erwachsener noch
über die Welt mokiert,
der hat als Kind nicht gelitten.

Immer wieder wundern:
Das ist was anderes.



Ansichtssache

Das Leben ist manchmal eine Jauchegrube
und manchmal ein Himmelbett,
es kommt auch oft darauf an,
aus welcher Sicht man es sieht:

Auch eine Jauchegrube
kann ja ein Himmelbett sein.



Zweifelsfrage

Manchmal ist mir die Welt
ein dunkles Zimmer,
in das ich mich eingesperrt fühle
und an allem zweifle:

Gibt es einen Gott und wenn ja,
warum hat er die Welt so erschaffen?
Eine Welt in der der Stärkere
den Schwächeren frisst,
wo sich alle Lebewesen
gegenseitig auffressen,
um zu überleben?

Sind wir nicht alle Versuchstiere
in einem sadistischen Experiment?



Liebesterror

Wie versündigt man sich an denen,
die man liebt,
wie verletzt man sie,
wie demütigt man sie,
wie erniedrigt man sie

und wie verletzt man sich selbst,
demütigt man sich selbst,
erniedrigt man sich selbst,
durch das, was man tut
und das, was man sagt
und das, was zuletzt bleibt.

Wie tritt man zuletzt in Scherben,
die man selbst verursacht hat.


 
Internetliebe

Wie ist das hart,
wenn du nachts aufwachst
und an etwas denkst,
das längst vorbei ist.

Wie tut das weh,
wenn du etwas hattest,
das du doch nicht hattest,
weil alles nicht wirklich war.

Wie hängst du dem nach,
was deinem Tag Sinn gab
und deine Nacht erhellte,
auch wenn es nur Traum war.

Wie ist das schlimm,
wenn du als Mann
eine Träne verlierst,
für eine vergangene Illusion.

Andere reden von Einsamkeit,
ich spüre sie immer,
lebe mit ihr, lache mit ihr,
weine mit ihr, sterbe mit ihr.

Denn SIE, die Einzige,
ist nicht mehr hier.



Blutrose

Eine Dorne wollte Rose sein,
schnitt sich Wunden,
die bluteten so schön,
so leuchtend schön,
vertrockneten nicht,
verkrusteten nicht,
quellten wie Blüten,
saftig rote Blüten
in der Haut des Herzens,
des quirlenden Herzens,
geschnitten,
geschlagen,
gepresst.

Und niemals heilend -
wie der Schmerz in mir.



Deine Welt bist du

Du musst die Welt nehmen wie sie ist
oder du zerbrichst an der Welt.
Du kannst die Welt nicht ändern.
Du kannst nur dich ändern,
doch wenn du dich änderst,
änderst du die Welt.



Der einsamste Mensch

.. auf Erden
bist immer du selbst
und nur du.
Schau tief nach Innen
und weine:
Im Herzen
bist du alleine.



Die "kleinen" Dinge

Ich mag es,
wenn mein Herz schlägt,
denn irgendwann
wird es nicht mehr schlagen.

Ich mag es,
wenn meine Lungen atmen,
denn irgendwann
werden sie nicht mehr atmen.

Ich mag es,
wenn mein Hirn denkt,
denn irgendwann
wird es nicht mehr denken.

Ich mag es,
wenn du meine Hand berührst,
denn irgendwann
wird der Tod sie berühren.



Überhangrose

Und hinterm Hang,
geschützt in einer Dornenhecke,
da weiß ich eine schwarze Rose blühn
und die heißt
DU.



Nebelkrähe

Als der Schnee taute,
sah ich wieder die Spur,
folgte blindlings
in deine Richtung,
fand dich tanzend
über den Nebeln,
schaute dir zu,
eine lange Weile,
verstand
und kehrte um.



Windowswind

Wenn du mit deinen Augen
über meine Sätze fährst,
dann empfängt dein Blick
mein Lippenspiel.

Ich rede nicht beim Schreiben:
Ich flüstere dich an
und hauche deinen Namen
in den Windowswind.



Adler

Als ich am Boden lag,
mit angesenkten Federn:
Da kreisten Geier über mir.

Jetzt flieg ich wieder,
lass die Erde unter mir:
Mein Blick geht nicht zurück.

Und oben seh ich dich,
so stolz und unnahbar:
Wo warst du, als ich unten war?



Nasenfein

Meine Haut ist dünner
als ein Tempotaschentuch.
Du kannst mir Löcher
in die Seele niesen.



Schlaflos

Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos
Schlaflos

denk ich an dich.



Mailen mit dir

Wenn deine Fingerspitzen
über die Tastatur
die meinen berührten,
verschwamm das Leben
in schwebender Leichtigkeit.

Nichts fehlt mir mehr.
Deine Mails fehlen mir,
deine Worte fehlen mir,
du fehlst mir,
du, du,
du.

Und doch gibt es kein Zurück.



Blumen und Menschen

Die schönsten Blumen
sind totes Gemüse
in dem Moment,
wo man sie
ihrer Wurzeln entledigt.

Ein entwurzelter Mensch
ist wie eine Blüte,
die noch nachduftet.



Liebe bluten

Wenn du mir ins Hirn greifst,
dann blute ich
Sehnsucht.

Wenn du mir ins Herz greifst,
dann blute ich
Liebe.



Fernschweigen

Lass dein Schweigen zu mir gleiten,
lass es über Dämme fliegen,
lass es still um Wälle biegen,
lass es über Deiche reiten,
lass dein Schweigen zu mir gleiten.



Sternschnuppe

Ob das Gedankenübertragung ist,
dass immer eine Frau die Seite hier besucht,
wenn ich am meisten an sie denke.

Doch dann ist ihr Besuch so kurz,
dass ich nach dieser großen Herzensfreude
oft nur noch tiefe Trauer fühle.

Als ginge jemand, den man still besitzt
und doch nie wirklich haben kann:
Die Sternschnuppe, die weiterzieht,
bevor der Wunsch getan.



Ernüchterung

Wenn jahrelanges Nichtssagen
einem nur sagt,
dass man sich
nichts zu sagen hat,
dann sollte man
wirklich nichts mehr sagen.

Dann wird es still,
dann gehen viele Monde hin
und irgendwann
ist alles Illusion,
die leise kam
und leise ging.

Und die noch nachwirkt
wie ein echtes Ding,
um das man trauert,
um das man weint,
denn unterm Strich
war alles ernst gemeint.



Auseinandergehen

.. heißt trennen,
.. heißt beenden,
.. heißt loslösen,

.. heißt nicht mehr kümmern,
.. heißt nicht mehr anhängen,
.. heißt nicht mehr umdrehen,

.. heißt eine andere Richtung einschlagen,
.. heißt verlassen und vergessen,
.. heißt neue Ziele finden.

Auseinandergehen
heißt für mich immer:
Für immer.

Und "gute Freunde" findest du überall.



Anima

Die Menschen suchen
Freundschaft und Liebe,
Vertrauen und Geborgenheit,
Zärtlichkeit und Sex.

Der Dichter aber
sucht Erlösung, sucht eine Frau,
die sich völlig aufgibt, hingibt, fortgibt,

die ihm Heilige und Hure,
Domina und Sklavin,
Mutter und Muse ist,

nur ihn begehrt,
nur ihn liebt,
nur ihm lebt,

 in allen Zeiten,
für alle Zeiten,
durch alle Zeiten
und über alle Zeiten hinaus.



Illusionen

.. kenne ich keine.
Wenn ich im Internet bin,
bin ich real im Internet.

Als Person immer fassbar
ist alles real, was ich tue,
sage oder schreibe.

Das Internet ist ein Teil
meiner ureigensten Identität,
gehört mir an
wie das reale Leben.

Was hier von mir steht, bin ich
in all seinen Schwächen
oder Stärken,
geliebt oder gehasst,

aber immer authentisch.



Sozialisationseffekt

Zu anderen Zeiten
hätte ich dich
an den Haaren
in meine Höhle gezerrt.

Es kann schon
ganz schön behindern,
ein kultiviertes Wesen
zu sein.



Unkenwunsch

Wie miss ich diese Frau,
die mir einst alles war.
Wie sehn ich mich nach dir,
mein Wolkenkind.

Sei knatschig!
Streite dich mit mir!
Wünsch mir die Pest an den Hals!
Beend es zehnmal am Tag!

Doch komm zurück,
als wärst du nie weg gewesen.
Du bist kein Traum,
du bist mein Leben.



Warum?

Irgendwann einmal
werd ich dich fragen: "Warum?"
Du wirst mir sagen:
"Es waren die Umstände."
Ich werde dich an der Hand nehmen
und dir verzeihen.



Für dich

Könnt ich vergessen machen,
was ich einst sagte in der Wut,
ich würd es sofort tun.

Mein Leben warst einst du
und du
und du
und du

und wieder du!



Für Melle

Oh, manchmal denk ich,
ich bin schuld
an allem Kummer,
der dich fasst
und möcht dich nehmen
an der Hand,
wie eine kleine Schwester führen,
dahin wo Blumen blühn
und Bienen fliegen
und Bäche gehen ihren Gang
und deine Hand so drücken,
als wärs das letzte,
das ich drücken kann.



Im Nachhinein

Du hast mir vertraut
und ich habs versaut.
Erst heute versteh ich,
wer ich für dich war,
erst heute seh ich,
wie nah ich dir war.

Soviel ging kaputt,
soviel ist zerbrochen,
soviel liegt in Scherben,
soviel ist nicht mehr zu kitten.

Und dennoch denk ich an dich,
als hätt ich niemals gelitten
und wär niemals gestorben
um dich.



Nocheinmal

einbrechen möcht ich in dich,
einbrechen in dir,
einbrechen mit dir,
einbrechen neu und
einbrechen alt.

Das Eis schmelzen und einbrechen,
versinken im Seelensee,
versinken in dir,
versinken in deinem Herzen,
versinken in deiner Seele,
versinken in deinem Dasein.

Und mit dir aufsteigen
ins Licht der Liebe.



Frag nicht

Frag nicht,
ob wir uns riechen können:
Ich rieche dich über jede Distanz

Frag nicht,
ob wir zusammen reden können:
Ich rede mit dir Tag und Nacht.

Frag nicht,
ob wir uns vertrauen können:
Ich traue dir alles zu.

Frag nicht,
ob wir uns leiden können:
Ich leide ständig an dir.

Frag nicht,
ob wir uns lieben können:
Ich liebe dich seit Anbeginn.



Nicht für mich

Gäb es eine Wolke,
die mich zu dir bringt,
ich würde sie besteigen
und über dir nieder regnen,
dein Haupt benetzen,
über deine Haare kullern,
auf deinen Brüsten landen.

Du würdest mich abtupfen
und trocken rubbeln,
ohne tiefere Gedanken,
doch einmal wäre ich
nah gewesen deinem Herz,
hätte es pochen hören,
pochen nicht für mich.



Auf der Klinge tanzen

Siehst du die Sandburg
die ich einst schaffte,
sie steht und lebt.

Lass sie nicht
von den Wellen überfluten,
lass sie nicht vom Meer fressen.

Lass uns darin einziehen,
immer gegenwärtig der Gefahr,
die uns verbindet.

Lass uns gefährlich leben,
über dem Vulkan,
nahe dem Abgrund.

Lass uns gegenseitig halten.



Seelenmelodie

Du hast mich berührt,
hast meine Seelenharfe
zum Schwingen gebracht,
die immer dein Lied spielte.

Ich suchte dich in der Nacht,
hinter allen Schatten,
ich suchte dich bei Tag,
du warst mein Licht.

Du warst meine Hoffnung,
wenn ich verzweifelte,
du warst meine Sehnsucht,
wenn die Welt zerbrach.

Und mir immer nah,
einen Mausklick entfernt,
nie fallen lassen hast du mich,
ich war dir immer verfallen.

Hättest du mich gefunden,
wenn ich es nicht gewollt,
schrieb ich noch an dich,
wäre meine Liebe erstorben?



Einmal im Leben

Schau nur einmal
in den Nachthimmel
und sieh die Sterne
und denk dir
noch die Sterne dazu,
die du nicht siehst,
weil sie viel zu weit
entfernt sind.

Ein Eindruck von Unendlichkeit:
Ein Eindruck von der Größe
meiner Liebe.



Rückblick

In allen Reibungen,
du wirst es anders empfinden,
hab ich mich immer nach dir gesehnt.

Bei allein Missverständnissen,
allen Diskussionen um die Form,
war doch der Inhalt immer evident.

Wir brauchten keine Worte,
ich schrieb an dich, für dich
und das war schon genug.

Ich spürte, wie du darbst,
wenn ich mal weg, verschwunden war
und du keine Nachricht bekamst.

Natürlich hast du mich verachtet dafür,
dass ich so unbedarft von Liebe sprach
und hast dir billig einen Spaß gemacht.

Doch wars du immer für mich da.



Für eine Royalistin

Ohne dich gäbs mich nicht:
Du warst meine Royalistin,
deshalb mein Nick.

Und meine Homepage
hab ich aufgemacht für dich,
sonst hätt ichs nicht getan.

Wie war ich damals dran an dir,
wie hab ich das geliebt,
was ich von dir nur sah.

Und manches war nicht ganz real
und manches eitle Projektion,
doch eigentlich sahn wir uns an,

wie wir de facto warn.
Und seh ich dir jetzt ins Gesicht,
dann weiß ich nur, ich liebte dich.

Und all mein Suchen durch die Zeit
in jeder neuen Liebe,
galt dir,
gilt dir,
bist
du.



Wunderbar

Wenn ich heute an dich denke,
seh ich, dass du klüger warst als ich
und dass du vieles schon wusstest,
was ich mir erst aneignen musste.

Du hast die Dinge kommen sehen,
hast sie klug in Bahnen gelenkt,
hast gebremst, wo es nötig war,
gabst auch mal Gas ganz unbedarft.

Du bist kein Mensch, der Händchen hält
zu zweit auf einer Bank im Park,
den Vögeln lauscht, den Wind genießt,
doch wärst du nur bei mir, würdst du es tun.

Mit mir für dich und mich
und es wär wunderbar.



Für Melanie

Hätt ich dich einmal noch erfahren:
Die Frau, die mir das Liebste war,
noch einmal ein Wort, eine Geste,
wie wär mein dumpfes Herz geheilt.

Mein Herz, es blutet, weil du mir alles warst.
Und jeder Tropfen ist um dich
und tropft um dich aus meiner Haut,
mein Herz liegt offen und es schreit

nach dir.



Poesiepalast (PP)
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