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Liebestraum
Gedichtzyklus Teil 5 von 6
(66 Texte)



Sehnsucht

Ich träume mich
in deine Träume,
und hoffe mich
in deine Hoffnung.
Und weiß doch,
dass ich weder
Traum noch Hoffnung
für dich bin.



Im reinen Sein

Dein Fußabdruck und meiner
sind schon zwei:
Manchmal kommen sie wieder ...

Ich weiß ja,
du beziehst dich nicht auf mich,
ich bin die Randnotiz,
immer gewesen,
aber immerhin
mit Hand geschrieben,
neben all dem Gedruckten
und Gedrückten.



Für immer

Die Liebe stirbt ewig:
das ist ihre Dauer.
Ein innerliches Verbrennen,
Tag für Tag, Nacht für Nacht,
immerwährende Sehnsucht,
ungestilltes Verlangen,
keine Erlösung
bis zum Ende
in Erde.

Und dabei wollte ich
für sie sterben,
nicht durch
sie.



Du tanzt auf dem Mond

Du tanzt auf dem Mond,
ich laufe auf der Erde deinem Namen nach,
du tanzt auf dem Mond,
ich suche dich in jeder Biegung,
du tanzt auf dem Mond,
ich suche dich in allen Ländern,
du tanzt auf dem Mond,
ich suche dich in allen Sprachen,
du tanzt auf dem Mond,
ich frage jeden Gott nach dir.

Du tanzt auf dem Mond
und lachst mich aus.



Verzweifelt ..

.. sitz ich hier allein
und denk an dich
und spüre, wie mein Geist verfällt
und wie mein Körper vergeht,
ich werde Asche und Staub,
ohne dich.

Ich war nichts ohne dich,
ich bin nichts ohne dich,
ich werde nichts sein ohne dich.

Am Boden lieg ich hingestreut
und warte auf ein Wort,
das mich zusammensetzt,
das mich aufbaut,
das mich belebt.

Wenn du nicht kommst,
wird der Staub der Zeit
mich auffressen,
verfliegen werde ich
wie die Pollen der frühen Pflanzen

und keiner wird niesen durch mich,
keiner wird sich kratzen,
keiner wird aufmerken,
keiner mich bemerken,
keiner traurig sein,
keiner denken
an mich,

wenn nicht du.



As time goes by

Jeden Tag denk ich an dich
und jede Nacht träum ich von dir,
die Zeit vergeht so still vor sich hin
und jeden Tag und jede Nacht
bist du nicht hier.



Von Mitternacht nach Mitternacht

Irgendwann
wirst du dich ruhig verhalten,
wirst du nicht mehr antworten,
wirst du aus meinem Leben
verschwunden sein.
Ich werde dich
niemals mehr finden,
aber suchen,
suchen, suchen, suchen
werde ich immer
nach dir.



Auf Droge

Die Liebe lässt
ein körpereigenes Opiat
entstehen.
Vielleicht bin ich
deshalb so stoned,
seitdem ich
dich kenne.



On the rocks

Jetzt kommen die kalten Tage
und mir fehlt etwas Existentielles,
ohne das ich zwar existiere,
aber ohne eigentliche Existenz.

Würd ich noch trinken,
ich würd ertrinken
zwischen Eiswürfeln.



Solitär

Die Menschen verzahnen sich
wie die Zacken
an einem Reißverschluss.
Das hält zusammen.
Ich bin ein einzelner Knopf
von einer Jacke,
die es nicht mehr gibt
und halte nur noch
mich zusammen.



Stiltskin

Schenk mir was,
schenk mir einen Augenblick.

Schenk mir was,
schenk mir einen Gedanken.

Schenk mir was,
schenk mir deinen Namen.

Ich werde ihn bewahren.



Erinnerung

In deine Fenster will ich immer sehn,
in deine goldnen Räume schauen,
und immer adeln die Gewalt,
die Kraft die dich beherrscht,
nie nachlassend von innen,
wo du still sitzt auf deinem Thron,
Erinnerung.



Eigensuggestion

Es ist aus, es ist aus,
ich schreibe nicht,
ich halt mich raus.

Ich halt mich raus
und will nicht stören,
es ist aus, es ist aus.

Lass sie gehen,
lass sie schweben,
lass sie fliegen.

Lass sie leben,
lass sie lieben,
es ist aus.



Wellengesang

Du steigst und fällst,
du steigst und fällst.
Ich falle immerzu
und während du
schon wieder steigst,
fallt meine Welt
dem Ende zu,
fällt meine Welt
dem Ende zu.



nacht

still ist das leben,
menschen legen sich nieder

in mir rührt der tag
immerfort weiter

keine ruhe,
schatten erwachen

eine welt spannt sich
in mir.



An meine Muse

Eine innere Intuition zwingt mich zum Schreiben.
Doch wie kann ich ohne meine Muse dichten?
Ohne ihre Zuwendung, ohne ihre Wärme?
Ohne ihr Dasein in meinem Leben,
ohne ihre Güte, ihr Verständnis,
ohne ihr ewiges Verzeihen,
ohne ihre Freundschaft,
ohne ihre Liebe,
ohne DICH,
du meine
Muse
???
?



Mit allen Sinnen

Mit allen Augen
seh ich dich an.
Mit allen Ohren
hör ich dir zu.
Mit allen Nasen
zieh ich dich ein.
Mit allen Händen
halt ich dich fest.
Mit allen Zungen
schmeck ich dich ab.

Mit allen Mündern
frisst du mich auf.



Schizophren

Es gibt Frauen,
die machen einen Mann verrückt,
im wahrsten Wortsinne verrückt
und dann bist du verrückt,
weißt nicht mehr,
was du tust,
ohne sie tust,
mit ihr tust,
überhaupt tust,
drehst dich im Kreise …

Kann mir einer sagen,
wie ich heiße?



Herbstbild

Im Herbst, wenn schlapp
die Eicheln fallen,
erschaff ich mir
nen zweiten Frühling
und lasse
die Kastanie blühn.

In weiter Ferne,
hinter Ginster
seh ich dich
über Sümpfen tanzen
und heb dich hoch
durch meinen Blick.

Ich halt dich fest
mit meinem Auge,
denn lange hab ich
dich vermisst,
auch wenn du nur
aus Nebel bist.



Einsiedler

Der Mensch braucht Freunde,
nicht so ich:
Mich behindern Freunde nur,
allein bin ich am stärksten
und ziehe mich zurück
in meine selbstgewählte Einsamkeit
und singe meine Hymnen an die Nacht
und denk an dich und heule in den Mond.



Heute

Ich bin gefährdet,
führe ein Leben auf der Rasierklinge.

Im hellen Licht,
im Sonnenschein,
hat die Welt einen anderen Anstrich.

Wenn ich im Regen
über die Felder laufe,
wünsche ich mir,
dass der Blitz mich trifft.

Aber vorher noch ein Gedicht schreiben:
Meine Art, ein Apfelbäumchen zu pflanzen.



Sterne

Wenn Sterne verglühen,
bleibt nichts zurück.
Du merkst nicht auf:
Keine Fragen,
keine Anmerkungen,
keine Statements,
keine Mutmaßungen,
keine Implikationen.
Sterne verglühen still.



Wortwörtlich

Ich bin das Kind,
das in den Brunnen fällt.

Ich bin das Faß,
das ewig überläuft.

Ich bin der Krug,
der ständig bricht.

Ich bin das Sprichwort,
das mich in die Tonne klopft.

Ich bin der Topf
zu deinem Deckel nicht.



Traumtänzer?

Wenn du mir
heute schreibst,
dann hab ich immer noch
die gleiche Hoffnung
und warte auf ein Wort,
das alles ändert,
wie vor vielen Jahren.
Ich kanns nicht fassen,
wie es ist,
dass ich so wenig
für dich bin,
auch wenn so viel passierte.
Die vielen Fehler,
so muss man das verstehen,
bei Tag besehen,
waren nur aus Liebe.



Adam traurig am Schreibtisch

Ach,
hätt ich nie
von der Erkenntnis
genascht.
Ich wäre unschuldig
geblieben,
hungrig,
nackt
und hätte
an den klugen Baum
gekackt
und hätte
mein Gebiet
markiert
und vieles
wäre nicht
passiert ...



Im Traum

kroch ich zurück
in die Gebärmutter
meiner Mutter,
geschlossenen Auges
lag ich zusammengerollt
unter der Basstrommel
ihres Herzschlags,
geborgen und nie geboren.



Schönste Melodie

Ameisen hör ich trommeln,
Gras trompetet in die Haut,
Wolken hauen in die Tasten,
Bäume geigen in das Hirn,
Regen summt im Hintergrund,
Wind fetzt Bass in das Herz.

Meine Haut vibriert,
mein Hirn tanzt,
mein Herz wippt,
meine Seele swingt:
Deine Worte singen
in mir.



Himmelsgespann

Schade, dass du selbst so haltlos bist,
so kannst du mich nicht halten
und ich bin gezwungen,
dich hoch zu halten,
damit ich mich
halten kann
an dir.

Ich heb dich in den Himmel,
dass du als Stern leuchtest
und ich dein Schweif,
kleiner Schwanz,
hintendran,
gezogen,
von dir.



Ein und Alles

Du warst nie mein Ein,
aber immer mein Alles,
bis ich alles verlor:
Zu spät sah ich ein,
alles ist nichts,
ohne die Eine,
ohne dich,
das Ein -
und Alles.



Dasein ohne dich

So trostlos,
so haltlos,
so freudlos,
so lieblos,
so sinnlos,
so belanglos,
so hoffnungslos:

Nicht gerade das große Los!



Zeig mir den Weg

Zeig mir den Weg,
den Weg in den hellsten Sommer,
den Weg in das Glück,

zeig mir den Weg,
den Weg zu den weißen Wolken,
den Weg zurück.

Zeig mir den Weg,
den Weg zu meiner Geliebten,
den Weg in das Glück,

zeig mir den Weg,
den Weg in den hellsten Himmel,
er kehrt nie zurück.



Emslandqueen

Wer hört mich,
wenn nicht du?

Wer versteht mich,
wenn nicht du?

Wer hält mich,
wenn nicht du?

Wer liebt mich,
trotz allem, was war?



Liebe und Licht

Die Liebe kannst du nur mit dem Herzen sehn.
Das Herz ist das Auge der Seele.
Wie willst du die Liebe sehn,
wenn du dein Herz im Dunkeln lässt?

Wer die Liebe leugnet,
weil er sie nie gesehen hat,
ist wie ein Blinder,
der das Licht leugnet.

Die Liebe ist eine Taufe
in Flammenregen,
so schmerzlich,
so schön ...

Wer der Liebe zu nahe kommt,
verbrennt lebend,
wer sie meidet,
ist tot im Leben.

Mein Herz lebt unter tausend Sonnen,
ich gebe dir 999 davon ab,
für ein liebes Wort,
noch einmal,
trotz allem.

Du hast die Größe
zur Liebe,
zum Licht,
zu einem lieben Wort,
vergib mir!

Du bist die Liebe,
du bist das Licht,
du bist der Anfang
und das Ende
für mich.

Ich liebe dich.



Für eine Materialistin

Das ganze Leben
ist ein Austausch von Stoffen,
ist Chemie.
Wenn die Chemie nicht stimmt,
ist kein Leben möglich.

Der Kreislauf ist Chemie.
Der Stoffwechsel ist Chemie.
Die Atmung ist Chemie.
Der Sex ist Chemie.
Die Liebe ist Chemie.

Wenn die Chemie nicht stimmt,
ist keine Liebe möglich.



Sterntaste

Mein Laptop hat
für alles eine Taste,
nur die Sterntaste
bleibt ohne Funktion:
Ich drück sie
immer wieder,
doch mein Bildschirm,
der bleibt leer,
mein Himmel dunkel,
ohne Licht
und keine Hoffnung
auf ein Wiedersehn mit dir,
du meine Liebe,
du mein stets
unsteter Lebensstern.

Muss sich denn sehen,
was sich fühlt?



Aggression

Es gibt eine Liebe, die Mienen zündet,
die Mauern sprengt, die Festungen einnimmt
die jedes Geschwader in die Knie zwingt,
die Königreiche zu Staub zertrampelt,
und die Erde zu ihrem Spielball macht.

Ich hol mir den Mond aus der Nacht,
ich greif mir die Sonne vom Tag,
ich reiß die Gestirne an mich,
ich grall mir das Weltall,
ich zieh die Unendlichkeit zu mir,
rede mit Gott auf du und du.

Lass Vulkane spuken ihr Gift,
lass Beben die Erde fressen,
lass auskommen die Winde,
lass Wellen walten ihr Gericht,
lass Dürren fallen über das Land
und schmelzen das Eis,

denn du bist nicht hier.



Liebestraum

Du mein Traum,
du warst so schön,
doch als ich erwachte
und dir in die Augen sah,
da warst du nur der Schein
eines visionären Schattenbildes.
Ich hab dir lange angehangen
und hab dich gehalten
wie Kinder Märchen sehn
und nicht aufgegeben die Illusion,
aber dann hat dich der Alltag
überlagert und was blieb
waren Seifenblasen
zerplatzt an der
dünnen Luft
der harten
Realität.



Internetliebe

Du bist gegangen,
aus, vorbei,
nur Freundschaft noch,
was von dir bleibt.
Und nicht mal der
bin ich mir sicher,
denn sicher ist nur,
was man greifen kann.
Und was man greifen kann,
hat man es in der Hand,
kann man es fassen,
tragen und ertragen lang?
Und wäre ich
der rechte Mann,
zur rechten Zeit
im rechten Raum?

Wohl kaum!



Ende oder Neubeginn?

Ich liebe dich seit jenem Oktober,
jetzt soll ich dich vergessen
wie du mich vergessen willst.
Ich will es versuchen, wenn es dir hilft,
du hattest mir viel bedeutet,
doch wenn es aus sein soll, dann muss es halt sein.
Du warst das Größte, was ich je getroffen hatte,
und deine Worte waren für mich einzigartig,
und es tut weh, von dir zu scheiden.
Und insgeheim glaub ich nicht daran,
dass eine Trennung uns bessern oder ändern kann,
besser wir nehmen uns an:
Wie wir sind und was wir tun,
was wir haben, was wir geben, was wir erben,
wie wir denken und wie wir leben.

Nur die Vergangenheit soll sterben!



Crescendo

Dein Nichtssagen
wird stetig lauter

wie es sich in mein Hirn brennt
wie beredt es überzeugt

ich hör schon den Paukenschlag
am Schluss.



Protestnote

Du hast mich wegrationalisiert,
ich passe nicht mehr in dein Leben,
doch ich gebe mich nicht geschlagen,
denke umso mehr an dich,
weil du ständig bei mir und um mich bist:

Du bist mir Morgenröte und Abendrot.
Du bist die Wolke am Himmel,
du bist das Licht am Horizont,
du bist der Stern in der Nacht,
du bist Vogelsang
und Windesrausch,
bist Sphärenklang
und tiefe Stille.



Manchmal

Manchmal denke ich,
als Abkömmling Adams,
Gott habe Eva
nur geschaffen,
damit es dich irgendwann gibt
für mich.

Weiterhin
denke ich manchmal,
dass alle Schwierigkeiten
zwischen uns
nur eine Prüfung sind,
eine göttliche wohlgemerkt.

Und dann denke ich
noch manchmal,
dass ja dann alles umsonst war,
der schöne göttliche Plan,
wenn wir uns nicht fügen
in unser Schicksal.

Und ob wir unserem Schöpfer
nicht die Freude machen,
weshalb das Weltall erfunden wurde,
uns zusammen zu bringen,
und dann es tun,
für Gott, die Welt und uns.



Traumgesicht

Du wartest.
Ich denk an dich
und dann bist du bei mir.

Ich fühl dich oft ganz nah,
solang ich weiß, dass es dich gibt,
irgendwo da oben im Norden,
kann mir nichts passieren.

Du gibst mir wohl mehr, als ich dir.
Du gibst mir etwas,
das man nie und nimmer
mit Geld bezahlen kann.
Es ist wie ein Traum.
Ich habe Angst, aufzuwachen ...



Forever

Ich möchte die Liebe erkennen,
möchte mich ihr in den Weg stellen,
möchte sie zu mir ziehen,
an mich und in mich,
möchte sie nie mehr loslassen,
nie mehr gehen lassen,
nie mehr von ihr ablassen.
Ich möchte sie immer festhalten –
die Liebe und dich.



Allein unter Menschen

Wenn ich das einzige Staubkorn
im Räderwerk Gottes wäre,
dann könnte ich es verstehen.
Aber ich bin ein Sandkorn in der Sahara
und doch nur einsam immerzu.



First Date

An einem Sonnentag wie diesem,
vollgetankt nach Norden brausen,
zu deinem Haus, dort wo du wohnst,
in einer Einfahrt zwischen Bäumen,
dich dann in offne Arme schließen,
den Abend schön mit dir verbringen,
und keine Sünde soll uns hindern,
kein Teufel unser Dasein stören,
wo wir uns endlich tätlich nehmen,
was uns schon lange angehört.



Für dich

Verschenke deine Liebe,
denn Liebe ist nie verschwendet,
kehrt immer zurück,
tausendmal verstärkt,

nicht immer vom Adressaten,
aber immer an unsere Adresse,
und Geben ist immer seliger
denn Nehmen,

weil es kein Geben ohne Nehmen gibt,
und das Erhalten, auch zurück,
uns erhält,
und jedes liebe Wort

in dieser Welt
auf jeden Einzelnen fällt
und der bist du und ich
wie jeder ein Du ist

und ein Ich,
das Liebe sucht
ein Leben lang.



All die Jahre

Ich wollte immer Worte von dir hören.
Ich glaubte nicht, was du nicht sagtest.
Ich glaubte nicht, was du sagtest.

Worte töteten unser Gespräch.
Worte meuchelten unser Gefühl.
Worte mordeten unseren Verstand.

Ich hörte nicht die Stimme.
Ich fühlte nicht das Herz.
Ich spürte nicht den Sinn.

Wortlos hast du mich gerufen.
Wortlos hast du mich getragen.
Wortlos hast du mich berührt.

In Liebe und Leid,
In Lust und Last.
In Freude und Schmerz.

Immer bei mir.
Immer in mir.
Immer mit mir.

All die Jahre.



Projektion

Am Anfang war das Wort,
dein Wort
und die Welt wurde hell,
mitten in der Nacht
und mein Lebensfilm
begann wieder zu laufen.

Deine Worte erzeugten Bilder,
die ich in mir aufnahm
und wenn ich sie
heute wiedergebe,
sind sie keine Projektion,
sondern reale Aufnahme.

Du bist nicht die Leinwand,
du bist der Film,
den das Leben
für uns gedreht hat:
Ich erfinde nicht,
ich dokumentiere.

Ich spiele nichts nach,
ich halte fest,
ich schaue nicht
zu dir heraus aus mir,
du schaust
in mich herein.

Ich annektiere nicht dich,
du annektierst mich,
ich bin nicht Subjekt,
ich bin Objekt,
ich agiere nicht,
ich reagiere.



Froschkönigin

Ich möchte an deinem Tischlein neben dir sitzen,
von deinem goldenen Tellerlein essen,
aus deinem Becherlein trinken,
in deinem Bettlein schlafen
und die goldene Kugel
aus dem Grunde
hervor holen,
Königin,
die ich
liebe.



Abschied

Ans Ende der Welt
lass uns laufen,
jeder in seine Richtung,
diametral entgegengesetzt.

Wo der Himmel die Erde küsst,
am Anfang des Regenbogens,
am Ende der Zeit,
da sehen wir uns wieder.



Besinnung

Wenn alles ausufert,
kein Land mehr in Sicht ist,
wenn du im Atlantik treibst,
keine Hand mehr greift,
wenn Gott dich übersieht,
keiner deinen Namen ruft,
wenn nichts mehr tröstet,
keine Wolke für dich
am Himmel schwebt,

dann kann es sein,
dass du zu dir kommst
und einfach nur still weinst.



Das weiße Blatt

Wie seltsam das schon manchmal ist,
dass man ein weißes Blatt beschriften kann
und dass es annimmt, was man denkt und was man fühlt
und weitergibt, was in der eignen Seele gärt und lebt.
Und wie es dir die Fehler und die Lügen zeigt,
wie ein Gewissen über dir,
das weiße Blatt,

so unschuldig,
so geduldig,
so zugetan,
so rein.

Man sollte es weiß lassen.



Depressiv

Mein Leben ist ein leeres Haus,
Gespenster gehen ein und aus,
ich fühle mich so ausgebrannt
in diesem sinnentleerten Land.

Leere Augen der Spiegel bricht,
leere Flaschen, leeres Gesicht,
es fehlt mir sehr dein Geistesfluss,
dein Wort war immer Musenkuss.

Vergiss doch unsren kleinen Zank,
denn unser Streit macht mich ganz krank,
mein Geist ist dunkel, ohne Licht,
so sehr fehlt mir dein Wortgewicht.



Herzkirsche

Wenn ich an dich denke,
denk ich ans Paradies,
denk an Früchte, die zu hoch hängen,
denk ans Herunterglauben,
denk ans Stibitzen,
Keine Leiter ist zu hoch,
an deine Äste zu kommen
und zu pflücken,
was trauselig überhängt
und mir nicht angehört.
Als ob ich trunken wär,
so nasche ich von deiner Frucht
und geb mich hin an dich
und weiß doch, dass alsbald
ein andrer Pflücker kommt:
Was ich nicht säte,
darf ich auch nicht naschen.



Jenseits der Gezeiten

Wenn ein Jüngling
in tausend Jahren oder mehr
seiner Geliebten ein Gedicht von mir
ins Poesiealbum schreibt,
ein Gedicht, das ich einst schrieb für dich
und wenn sie dann traurig wird und weint,
dann weiß ich, dass du durch sie weinst
und dass du ewig lebst.



Leibgericht

Wir beide haben lange zusammen gekocht,
die exotischsten Zutaten gaben wir bei;
mit edlen Kräutern und subtilen Gewürzen
haben wir nicht gerade gekonnt geknausert.

Du hast manchmal ganz schön freizügig gepfeffert
und ich gab meine scharfen Chilischoten bei;
Zwiebelgeruch brannte uns oft in den Augen
und das Salzfass stand uns immer allzu nahe.

Nicht angebrannt ist unser gemeinsames Gericht,
aber über Streitdiskussionen erkaltet;
oft aber schmeckts noch mal aufgekocht am Besten,
hol doch einfach Teller raus, ich bring das Besteck.



Mitternacht

Andere schütteln sich kurz,
lecken ihre Wunde,
stehen auf und gehen weiter,
die nächste Liebe, das nächste Glück wartet,
ich aber werde nie mehr lieben können,
sinnlos wird mein Dasein sein,
ohne Hoffnung und Ziel werde ich wandern,
nur die Nacht wird mein Freund sein
und Dunkelheit wird da sein,
wo früher zwei grüne Smaragde
mir zufunkelten,
mich anfunkelten,
mich durchfunkelten
und mir den Weg wiesen
wider alle Widerstände
immer wieder
zu dir.



Niemals nie

Es ist vorbei,
es tut nicht mehr weh:

So tröstet man sich,
wenn man den Schmerz
ganz tief fühlt

und inniglich spürt,
dass es niemals nie
vorbei ist

und niemals und nie
aufhören wird,
weh zu tun.



Nochmals 100 Jahre?

Königreiche fallen,
wenn sie fallen tief,
du warst die Königin,
die in den Dornen schlief,
jetzt bist du wach
und singst dein einsam Lied,
weil dich die Gunst der Stunde
immer mied.

Ich war dein Freund,
auch wenn ich dich bekämpfte,
du siehst das nicht,
liegst selbstgerecht in deiner Sänfte,
und schaukelst dich sanft ein
in deinen zweiten langen Schlaf,
die Händ’ gefaltet
überm Busen brav.



Rettungsanker

Ich lebe,
ich fasse Raum.
mein Herz schlägt,
ich esse,
ich trinke,
ich atme,
ich fühle,
ich denke
und meine Gedanken sind irgendwo
und wo sie auch sind –
da bist du.



Sturzflug

Wie still ist die Welt,
wenn keiner mehr den anderen ruft,
wie dunkel sind die Tage,
wie sternenlos ist die Nacht.
Ich stehe am Fenster und wünschte mir,
ich wäre mutig –
einmal für eine Sekunde.



Tonfälle

Flüsterton, wärme mich.
Lüsterton, geile mich.
Liebeston, berühre mich.
Ärgerton, wüte mich.
Schleimerton, schmiere mich.
Falscherton, verletze mich.
Harterton, schlage mich.
Kalterton, töte mich.

Du bist der Tonmeister,
ich bin die Harfe,
schlage an, schlage ein,
aber schlage nicht aus.

Es ist deine Melodie
und es sind deine Ohren
und deine Töne,
die in deiner Seele
zurückgeworfen widerhallen.

Stimme die Harfe.



Traumhaus

In einem Haus,
das auf vier Pfeilern steht,
die ausgegossen in Beton,
mit Wänden
groß und stark
und einem Dach,
das alle Stürme überlebt,
und einer Tür,
wo keiner einen Zutritt hat,
nur du und ich –
das wäre schön.



Über die Liebe

Ich spüre, fühle die Liebe ständig in mir:
Sie ist mir Antrieb und Leitmotiv.
Ich liebe die Natur,
die Menschen,
das Leben
und ganz besonders dich.

Nur wer keine Liebe kennt,
für den gibt es auch keine.

Wie kalt und dunkel
muss es in solch einem Herzen aussehn.

Wer keine Liebe kennt,
der tut mir leid,
der kann auch keine geben,
bekommt demnach keine zurück,
stirbt einsam und allein.



Verbockt?

Man sagt mir nach,
ich könne gut umgehen
mit Worten,

wohl nicht mit Menschen,
wie ich weiß,
sonst könnt ich dir
ohne Worte sagen:

Du fehlst mir.



Zustandsbericht

Als im hellsten Frühling
alle Himmel verdunkelten,
weil du mir nicht mehr schriebst;
als die Kälte ausbrach
bei 24 Grad im Schatten
und mein Herz erfror vor Lieblosigkeit
und niemand bei mir stand,
mich an der Schulter zu halten;
als sich die Welt drehte
und dunkle Schatten drängten,
weil du nicht mehr da warst
und alles in Schwärze verging
was einst uns einte
und nun der Punkt Null erreicht war;
als ich fiel
in mich selbst zurück
und nur noch grau in grau sah,
als das starb, was niemals sterben sollte,
an diesem Tag, der ewig dauert
und noch anhält,
weil das Grauen keine Zeiteinteilung kennt;
als ich zerbrach,
als ich nicht mehr war
und niemals wieder werden sollte,
jetzt eben in dieser endlosen Ewigkeit,
da stand ich auf
und stand ganz nah bei mir
und wusste,
dass ich immer kämpfe
um dich.



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