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Gothic
(33 Texte)



Das tut weh!

Zu lang gewartet,
ein liebes Wort zurückgehalten,
die Hand nicht ausgestreckt,
kein Schritt bewegt,
werf ich Gedanken hinterher,
statt Erde oder Rosen.

Und bleib zurück,
so fern wie nie zuvor
und friere doch wie du
jetzt frierst -
allein.




Leben und Tod

Das Leben steht uns näher
als der Tod,
denn ohne Leben
wäre der Tod undenkbar.




Am Ende aller Flure

Das letzte Zimmer
am Ende aller Flure,
betritt es nicht.

Das Ende der Suche,
wer weiß wohin sie führt,
klopfe hier nicht an.

Halt dir die letzte Option offen,
du hast alles gesehen,
kein Gott hat dich je begrüßt.

Kein gehörnter Satan
hat dir die Welt erklärt,
kein Pferdefuß hat dich gekauft.

Bleibe bei dir,
verlass nicht die Welt
durch das letzte Zimmer.

Atme, atme tief,
weine, weine alle Tränen,
werde du, werde du selbst.

Das letzte Zimmer,
am Ende der Welt,
betritt es nicht.




Marielen

Als die Geier am Himmel kreisten,
weil mein Fleisch so lange offen lag,
Mücken auf mir saßen und fraßen,
Ratten über mich hinwegliefen,
kamst du mit deinem Liebesschwert
und hast hinweggefegt mit einem Streich,
was mich belastete und niederwarf,
hast mich herausgeholt aus meiner tiefen Trauer,
zurückgeführt ins lichte Leben:
In einer einzigen hellerleuchteten Nacht,
als ich dich traf,
dich.




Seelensterben

Gefühle sterben
einen grausamen Tod,
gewaltsam und langsam,
wie unter der Folter eines Sadisten
verlassen Gefühle ihren Körper.

Stück für Stück werden sie weniger,
schreien nach innen,
was die Qual nur noch verstärkt,
bis der Zauberbann gebrochen ist
und nur die Erinnerung bleibt.




Melancholie

Die Nacht ist schwarz
und duftet nach Gewitterregen.

Als ich mich fallen lies,
da nahmst du meine Hand.

Halt mich noch diese Stunde fest,
dann lass mich los.

Und lass mich gleiten
in die Dunkelheit.




Irgendwann

Irgendwann einmal
und wenn es in der Sterbestunde ist,
erinnert sich dein Herz an mich

und ruft nach mir
und wenn ich dann am Leben bin,
bin ich bei dir

und nehm dich zärtlich
in den Arm und lass dich wieder los
und halte deine blasse Hand
und sterbe selbst
vor Glück -

vor dir,
vor Gott
und vor der Zeit.




Grab

Als ich dich rief,
als du keine Antwort gabst,
als du nicht hervorkamst,
als dein Stein nicht umstürzte,
als sich die Erde nicht öffnete,
weil die Würmer nicht abließen
vom Alabaster deiner Haut,
da kam ich zu dir,
mein Geist grub tief,
meine Seele legte sich zu dir
und mein Körper
fiel ab von
mir.




DU

Ich rede mit dir und du gibst Antwort.
Ich schaue dich an und du schaust zurück.
Ich flüstere deinen Namen und meine Stimme weint nicht,
denn der Nordwind hat immer eine Antwort,
er rauscht sie durch die Büsche,
er klappert sie durchs Geäst,
er schiebt sie zwischen die Wolken in der Nacht,
wenn ich dich sehe
und die Rabenkrähen für dich sprechen,
dann redest du zu mir.




Dasein für dich

Wenn du blind wärst,
würde ich für dich sehen.
Wenn du taub wärst,
würde ich für dich hören.
Wenn du stumm wärst,
würde ich für dich singen.
Wenn du lahm wärst,
würde ich für dich springen.
Wenn du krank wärst,
würde ich für dich sorgen.
Wenn du tot wärst,
würdest du leben durch mich.




Mella Rosa

Du bist zurück und mein Herz
schlägt wieder in deinem Takt.
Einmal wirst du für immer fort sein
und ich werde die Sonne
vergeblich nach dir fragen
und die Sterne werden sich
hinter den Wolken verstecken.

Und auch der Mond
wird verschwiegen sein
wie ein vergessenes Grab,
an dem keiner weint,
weil es Menschen gibt,
die niemals sterben,
die immer leben,
tief in uns selbst,
tief in unserem Herzen.

Zu einem Teil von uns geworden,
atmen sie unsere Luft,
sehen durch unsere Augen,
lieben und leiden mit uns,
fangen uns auf, wenn wir fallen,
halten unsere Hand
in der Sterbestunde
und führen
uns Heim.




Grabgesang

Ich hab die ganze Nacht
an deinem Grab gewacht.
Ich hab gebetet und geflucht,
Ich hab geweint und sehr gelacht,
in jeder Wolke hab ich dich gesucht,
und immer nur an dich gedacht.
Ich hab dir all mein Leid erzählt,
hab dich geliebt, hab dich gequält.
Du warst mein Schicksal, zugefallnes Glück,
es ist zu Ende, du kehrst nie zurück.




Sterben

Manche sterben früh an Krankheit.
Manche sterben spät an Schwäche.
Manche sind im Leben schon tot.
Manche haben sieben Leben.
Manche werden totgeboren.

Manche sterben täglich wieder.




Der Schmerz,

dein alter Bekannter,
dein Weggefährte und Freund,
schau ihm freundlich ins Gesicht.

Wenn alle dich verlassen haben,
bleibt er allein dir treu -
und bleibt.




Er hasst ..

.. jede Lüge,
jedes Vergehen,
jede Verstellung,
jede Verführung,
jedes Verbrechen,
jede Doppeldeutigkeit,
jeden Hintergedanken,

aber er lebt von der Sünde:

Der Teufel in mir!
Der Teufel in dir!

Lassen wir ihn leben.




Schöne Gedichte?

Der Tod
ist so alt
wie das Leben,
doch ich habe
Todesangst
um dich.

Deshalb weine ich
in traurigen Stunden
Buchstaben
auf Papier.

Du
nennst das:
Schöne Gedichte.




Sternenkind

Wenn ein Mensch stirbt,
wird irgendwo am Firmament
ein neuer Stern geboren;
solange die Erinnerung bleibt,
wird dieser hell erstrahlen.

Dein Himmelsstern wird niemals untergehn:
Ich werde nur noch in die Wolken sehn.




Gut und Böse

Vor den Gutmenschen
nimm dich in acht:
Auch sie sind nur solange gut,
solange es gut für sie ist.

Kein Tag ohne Nacht.
Kein Licht ohne Schatten.
Kein Gut ohne Böse.

Kein Mensch ohne Makel.




Hail Eris?
(für Discordia)

Du misstraust dem Guten?
dann wende dich davon ab,
doch wende dich nicht dem Bösen zu,
denn das hieße,
in den umgekehrten Fehler verfallen:
Statt Gott dem Satan dienen.

Das wahre Glück liegt nur in dir selbst,
liegt jenseits von Gut und Böse.

Sei du selbst,
sei Mensch,
gehe über die Brücke,
über den schmalen Pfad,
jenseits von Gut und Böse.

Werde dir selbst zum Gesetz,
lass dich nicht normieren,
lebe deiner eigenen Wahrheit
und erschaffe dir die Welt
und das Universum,
deine Sonne, deine Sterne
jeden Tag neu.

Erreiche die Freiheit!




Post Mortem

Ein einfaches Kreuz
ohne Aufschrift
wünschte ich mir
aus schnell verwitterndem Holz
und eine Träne von dir,
die ewig hält.




Schattenbild?

Die Welt ist ein Massengrab.
Wir sind alle lebendig begraben.
Und alle treffe ich hier wieder.
Eltern, Verwandte,
Kindergärtner, Lehrer,
Geistliche und Freunde.
Alle Todgeborenen leben
auf dem schwarzen Planeten
in sterblicher Eintracht.
Riechen nach Erde,
muffeln nach Moder,
stinken nach Verwesung.
Und alle lachen
mir freundlich zu,
nur nicht DU.
Dich allein fand ich nie mehr.
Gab es dich wirklich?
Dich, die ich liebte.
Dich, die ich liebe.

DU?



In Pace Requiescat!
(für EAP, den Größten)

Er liebte ein Mädchen,
er liebte nur sie:
Er nannte sie
einst auch Annabel Lee.

Doch jung noch an Jahren
verschied sie von hie:
Vergessen konnte
er Annabel nie.

Gebrochenes Herz
voller Melancholie:
Eine andere Frau
berührte er nie.

Als die Erde dann
wurde ihm trüb und kühl:
Weil ein Regenbogen
vom Himmel fiel.

Da nahm er Laudanum
und trank ziemlich viel:
Bald trugen sie ihn
zu Annabel Lee.




Tod geboren?

Es gibt eine Liebe,
die hält für ein ganzes Leben.
Und es gibt ein Leben,
das führt über den Tod hinaus.
Wer das nicht weiß oder glaubt,
der ist im Leben schon
Tod.




Dear Queen

Manchmal muss man sich
nur ein wenig voneinander entfernen:
Um sich näher zu kommen.

Doch dann brennt das Land
und dein hehres Schloss wird zur Ruine:
Geister gehen ein und aus.

Zwei grüne Augen
werde nimmermehr strahlend ich vor mir sehn:
Sie waren mein Hoffnungsstern.

Dein dunkelbraun' Haar,
immer rieche ich es im nördlichen Wind:
Sphärisch belangloser Duft?

Manchmal muss man sich
nur ein wenig voneinander entfernen:
Um sich für immer zu verlieren.




Untergang

Du machst die Augen zu
und klammerst dich an mich
bei diesem Sturm auf hoher See.

Du fühlst dich sicher
neben mir auf meinem Schiff,
jedoch der Kurs ist längst verloren.

Du hältst dich fest an mir,
der selbst ist ohne festen Halt
und merkst nicht, wie wir schon versinken.




Fürstin der Dunkelheit

Meine Königin schwingt kein Zepter.
Meine Königin trägt keine Krone.
Meine Königin besteigt keinen Thron.
Meine Königin braucht keinen Hermelin.
Meine Königin adelt keinen Ritter.
Meine Königin befehligt keine Untertanen.
Meine Königin vergibt keine Kaperbriefe.

Meine Königin
ist die Königin meines Herzens
und der Dunkelheit,
manchmal ein bitterböses Monster,
macht sie die Nacht
zum helllichten Tag
durch ein einziges Wort.




In Eisen gebrannt

Und wenn ich nur halb
soviel Liebe in mir trüge,
wie für dich,
ich könnte die gesamte
gegenwärtige Welt
damit versorgen.

Meine Liebesquelle
wird niemals versiegen
und ich werde dich
immer im Schilde führen,
wie es sich
für einen Ritter geziemt.




Haunted Palace
(für Dich, Lorraine, schwarzer Engel)

Düster prangt dein Schloss:
Von Rosen umrankt.
Dunkel steht dein Sarg:
Tief in feuchter Gruft.
Schwarz erstrahlt dein Haar:
Wie das von Lenor'.
Rabengefiedert
flattre ich zu dir.
Um dich zu wecken:
Es ist Mitternacht.




Abgrund?

Auf einer Klippe stehen
bedeutet Gott sein:
Herr über Leben und Tod. -

Eine Rasierklinge erfüllt
den gleichen Zweck,
ist aber weniger erhaben.




Heller Barde?

Um zu fühlen,
wie andere dabei fühlen,
muss man selbst
erst mal gefühlt haben,
wie es sich anfühlt,
wenn Gefühle
mit Füßen getreten
werden.




Inschrift

Das Leben
vereint die Menschen -
und macht
sie verschieden.

Der Tod
trennt die Menschen -
und macht
sie wieder gleich.




Orakel

Du willst Gott
oder dem Satan
dienen?
Dann musst du
im Diesseits bleiben.

Im Jenseits gibt es
weder Gut noch Böse.




Zauberwort

Es gibt ein Wort,
das alles sagt,
das alles weiß
und niemals fragt.

Ein Wort, das
alle Welt angeht,
einmal geschrieben
ewig steht.

Es ist das
allererste Wort,
gebunden nicht
an Zeit und Ort.

Und hörst du
dieses Zauberwort,
nimmst du es auch
schon mit dir fort.




Der letzte Romantiker
Copyright © 2013