web counter



Aphorismen19
(85 Texte)



Situationsbedingt

Dumme rennen,
Kluge warten,
Weise gehen in den Garten.

Manchmal ist es klug, zu rennen,
manchmal ist es dumm, zu warten,
manchmal wartet das Unglück

im Garten ..



Traum

Mir träumte,
dass mir Gott der Herr
gegenüber stände
in all seiner Herrlichkeit
mit langem Bart,
umflirrt von güldenen Engeln,
die Hosianna sangen
auf einem Teppich von Wolken
und er gütig zu mir sprechen wollte.

Ich gab ihm einen Schwinger mit Rechts
und trat ihm eine dahin, wo bei Männern
das Gemächt sitzt.

Da zerfiel der verlogene Traum.



Kein Gedicht

Soviele Gediche hab ich geschrieben,
verbrochen, mir eingebrockt,
dass ich hier mal keins mehr schreibe.

Ist mal Schluss, Ende, Aus
mit Gedichten und immerhin
eins weniger zu sichten,

eins weniger und doch eins mehr.



Sex online

Alle haben es heute mit dem Sex,
Cybersex hat Hochkonjunktur:
Ist ja auch besser, als sich zu bekriegen,
aber durch das ganze Gerubbel,
geht da nicht die Romantik flöten?

Ich mein damit das sich langsame Annähern,
das peu à peu Zusammenwachsen,
die freudige Erwartung auf mehr als Küssen
nach der ersten intimen Nähe im Kino.

Ich könnt mir auch ne Cam anschaffen
und dem freien Selbstsex frönen
mit Partnerinnen, die sich öffnen
und ich mein das wörtlich: Öffnen.

Chaturbate ist kein Geheimnis mehr,
aber ich würde mich unter Preis verkauft fühlen,
würde mich zur Konsumware
herabgewürdigt fühlen.

Bin halt ein eingefleischter Romantiker
und werds auch bleiben.



Papa

Meinen Vater nach langer Zeit
mal wieder angerufen
und lange miteinander geredet,
was uns beiden gut tat.

Mailaddys ausgetauscht und
ich hab heute ein Foto erhalten:
Mein alter Herr sieht noch
genauso gut aus wie damals.

Wir bleiben weiterhin in Kontakt
und das ist für mich das Wichtigste.
Er war immer für mich da,
hat sich immer gekümmert,

aber ist jetzt neu verheiratet
und die neue Frau hat ihn manipuliert,
hat viel Durcheinander gebracht
in unsere Beziehung.

Es ging um die Kinder,
seine und ihre und da wurde
viel gegeneinander ausgespielt:
Ihr Sohn hat sich totgefixt.

Ich hab das jetzt offen gesagt,
zu meinem leiblichen Vater,
dass wir die Frauen rauslassen
aus unserem Kontakt.

Und er hat es hingenommen.



Gedichte

.. können viel ausrichten,
können neu beleben,
können zum Guten ausrichten,
können zusammenfügen,
was lang getrennt war.

können Trost spenden,
können Lebensretter sein.
können Gedanken entgiften,
können falsche Weichenstellungen
ins Richtige korrigieren.

Gedichte wie deine können
die Welt aus der Angel heben,
weil deine unendliche Liebe
wie ein Heilmittel wirkt

auf jedes darbende Herz.



Heinrich Heine

Da kam ich vor Jahren
an den Papiercontainer
und es hatte jemand
ein paar Bücher darauf abgelegt.

Er wollte sie wohl loswerden,
aber hat sie nicht reingeworfen,
wohl ahnend, dass jemand
Gefallen finden könnte daran.

Ich nahm mir einen kleinen Band:
“Heinrich Heine – Neue Gedichte”.
Der Buchrücken war schon gespalten,
aber das Buch war schön gemacht.

Vom Eulenspiegel Verlag Berlin 1981.
Erste Auflage und die Blätter
schon leicht vergilbt, aber der Druck
noch sehr deutlich zu lesen.

Und so las ich hierin immer mal
und obwohl die Texte alle gereimt sind,
klingen sie doch luftig und frei,
ungezwungen und offen.

Wunderschön, wie Heine sein ‘Liebchen’
besingt und anbetet und erhebt.
Ein Meister der deutschen Sprache,
ein genialer Dichter und ein Genie.

Aber wie kommt es, dass ich hier nicht
das Gefühl habe, in ein Korsett
gepresst zu sein beim Lesen,
wie etwa bei anderen Dichtern?

Es liegt am Aufbau, am Metrum:
Heine verstößt ständig gegen die Regel,
hier einen Versfuß zuviel, hier zwei zuwenig
und er lockert durch Zäsuren auf.

Und wenn ein Wort nicht zum Sinn passt,
verzichtet er auf den Endreim:
Bringt das sinnvollere Wort
und dieses fügt sich unauffällig ein,

so dass ein unbedarfter Leser
den Stilverstoß nicht bemerkt.
Das ist bei Goethe ähnlich angelegt
und ein Hesse hat die Silbenzähler verachtet.

Was sagt mir dies aber letztendlich:
Die Regel besteht, um dagegen zu verstoßen
und wer sich strikt ans Metrum hält,
der schläfert ein im immergleichen Duktus:

Tata Tata Tata Tata ..



Pippi

Für ihre kranke Tochter
hat Astrid Lindgren die Figur
der Pippi Langstrumpf erfunden
und hat damit nebenbei
eine der liebenswürdigsten
und imposantesten Figuren
der Weltliteratur kreiert.

Das sind so Sachen,
die mich im Innersten berühren
und wen ich dann wieder mal lese,
wie andere mit ihren Kindern umgehen,
sie vernachlässigen, sie zu Tode prügeln,
sie sexuell ausbeuten und missbrauchen,
sie auf einer heißen Herdplatte foltern
und wieviel wehrlose Kinder jährlich
an Misshandlung sterben,

dann berührt mich das verdammt nochmal
noch tiefer.

Danke Astrid Lindgren!



Freundschaft
(für Finbar)

.. ist das größte Geschenk,
das ein Mensch erhalten kann.
Ich wusste das bisher nicht zu schätzen
in meinem jugendlichen Leichtsinn.

Aber man wird älter, reifer
und lernt immer wieder dazu.
Der Leichtsinn schwindet,
die einst losen Worte werden überdacht,

der Lausbub wird erwachsen:
Ich entschuldige mich.



Sternenseelen

.. kann man nicht besitzen:
Man kann mit ihnen befreundet sein,
man kann sie achten, respektieren,
anbeten aus der Ferne: Lieben.

Und wenn die Freundschaft
auf Resonanz trifft,
wenn die Achtung, der Respekt
liebevoll erwiedert wird,

dann ist das ein Geschenk des Himmels.



Der Reim

Gedichte wurden einst
für den mündlichen Vortrag geschrieben
und da war der Reim wichtig,
um das Zeilenende verbal zu markieren.

So sind Endreime heute noch angesagt
in Büttenreden und Liedern,
die ja nicht mitgelesen werden können.

Das Gedicht hat sich zum Lesegedicht
entwickelt über die Zeiten hinweg
und so ist der Reim zwar eine schöne Beigabe,
aber nicht mehr existentiell notwendig.

Ich würde sogar sagen, der Reim im Gedicht ist obsolet.



Augen-Blick

Ich weiß nicht,
ob deine Augen blau sind
oder grün oder braun
oder schwarz wie die Nacht.

Ich weiß nur, dass sie leuchten
wie zwei Diamanten, neugierig
und begierig warten auf das Leben.

Trotz aller Enttäuschungen
und Tränen trägst du Hoffnung
in deiner übergroßen Seele.

Das berührt mich,
macht mich glücklich,
weil ich immer bei dir bleibe

oder solange du mich duldest.



Internet

Wenn ich dran denke,
wieviele Menschen mir hier
von Freundschaft sprachen
oder gar von Liebe.

Das waren immer die,
die zuerst verschwunden waren,
die mich zuerst verraten haben,
die einfach gingen

und nicht mehr da waren.



Gedichte?

Wenn ich sage, ich schreibe Gedichte,
dann kommen sie an und sagen:
Das sind doch keine Gedichte,
das sind doch höchstens Aphorismen
über dies und jenes und alles.

Und sie haben Recht:
Ich schreibe Aphorismen
über dies und jenes und alles,

aber auch nebenbei Gedichte,
die sich sammeln zu einem Band,
der nebenbei sich zur Vollendung führt.

Musst nur die Spreu vom Weizen trennen können.



Manchmal

.. möcht ich eine Blüte im Garten sein,
die sich verschließt,
wenn der Regen kommt.

.. möcht ich ein Fisch im Meer sein,
der tiefer taucht,
wenn der Sturm kommt.

.. möcht ich ein Vogel im Wald sein,
der in den Süden flüchtet,
wenn die Kälte kommt.

.. möcht ich eine Wurzel unter der Erde sein,
die sich verschließt,
wenn das Eis kommt.

Manchmal ist mir alles zuviel.



Der Sand der Zeit

Die Sanduhr zurückdrehen ist einfach,
aber die Zeit kommt nicht zurück.

Ungeschehen machen kannst du nichts:
Du kannst es nur besser machen
in der Zukunft.

Verluste erst machen weise.



Weltraum-Rendevous

Im Universum gibt es
keinen festen Haltepunkt:
Alles schwebt, alles fließt,
alles befindet sich in Bewegung,
auch wenn wir das nicht immer wahrnehmen.

Und sagte nicht schon Archimedes:
„Gebt mir einen festen Punkt
und ich hebe die Welt
aus den Angeln.“

Einen Festpunkt im Leben
finden nur zwei sich liebende Herzen,
die einander ankoppeln
wie zwei Raumschiffe

im luftleeren Raum.



Dasein

Jeder Mensch bestimmt selbst
über das Sein oder Nichtsein
im Dasein eines anderen.
Jeden Tag schaue ich,
ob du noch da bist
und solange du da bist,
werde auch ich da sein,
denn du bist der Sinn
meines Seins

im Dasein.



Nachterwachen

Du bist deinen Lesern verpflichtet:
Sie wünschen sich brave Sehnsuchtsträume.

Ich hingegen kann mich fallen lassen
in dein Herz, in deine Seele,

zwischen deine Brüste,
zwischen deine Schenkel

wie in eine Insel der Liebe,
wie in eine Insel der Lust.

Feuchte Wellenträume am
Sandstrand tabuloser Ekstase.



Sternenträumer

Früher einmal war ich unberechenbar,
aber heute bin ich Stab und Stecken
dir und mir in unsicheren Zeiten.

Ich werde festhalten unsere Träume,
die nie vergehen dürfen im Leben
und die bei allen Zweifeln Bestand zeigen.

Im Herbst, wo alles vergeht was war
muss wahr bleiben was Wahrheit ist,
auch wenn die Wirklichkeit des Seins

uns manchmal einholt in schwachen Stunden.



Gefällt mir

Mein Denkansatz war richtig:
Lieber weniger Followers,
die doch nur ihre Standards hinterlassen
und dafür einige wenige Menschen,
die richtig lesen und kritisieren,
mit Herz und Seele dabei sind.

Da hat man nicht nur einen Satz:
“Hach wie schön ist deine Poesie”,
sondern den wirklichen Austausch
und die wirkliche Anteilnahme
im gegenseitigen Besprechen
der Meinungen und Evokationen.



Prinz Prospero

Als ich vor über 10 Jahren
die Kunstfigur Prinz Prospero erschuf,
setzte ich diese aus drei Komponenten zusammen:

Ein Teil sollte Lord Byron sein
ein Teil sollte Edgar Poe sein
und ein Teil sollte ich selbst sein.

Das Internet wollt ich aufmischen
und ein wenig für Furore sorgen,
ein wenig für Bewunderung
und ein wenig für Betroffenheit.

Byron stand für mich als der Verführer
und Herzensbrecher, aber auch
als der Liebende und Frauenversteher,
der er in seinem Leben auch war.

Poe galt damals als “Kritiker Bulldogge”
und seine Kritiken waren beißend hart,
aber er hatte mit allem Recht behalten
und die er kritisierte, gibt es heute nicht mehr.

Ich selbst wollte die vermittelnde Instanz sein
in dieser Komposition aus drei Charakteren.
Also eroberte ich wie Byron, mäkelte wie Poe
und gab in die Suppe meine Seele hinzu.

Das mit Lord Byron hat funktioniert,
nur den bärbeißigen Poe wollten die Leute
nicht annehmen: Ich galt schnell als Troll,
der nur angreifen und verletzen wollte.

Inzwischen hab ich Byron und Poe aufgegeben,
bin nur noch ich selbst in Stärke und Schwäche
und gestehe meine Schwächen offen ein,
schreibe über mein wirkliches Leben,

offen und unzensiert.



(und doch weiß ich, dass ich Poe und Byron nur gewählt habe,
weil es beide meine Seelenbrüder sind)



Naiv gefragt

Wenn ich mich frage,
woher die Kriege kommen,
die Kriege im Kleinen,
die Kriege im Großen,

dann kommt mir,
als unbedarfter Mensch
nur eine Antwort:
Es ist Habgier:

Die Gier nach Macht,
die Gier nach Besitz,
die Gier nach Ansehen,
die Gier nach Status.

Die Gier ist der größte Feind des Friedens.



Lichtgestalten

Soviele Sterne
am Nachthimmel,
beschienen von der Sonne,
reflektierend ihr Licht.

Soviele Menschen
unter dem Nachthimmel,
beschienen vom Mond,
beschützend ihre Träume.

Und war nicht ein Traum am Anfang
jeder Idee, jeder Erfindung,
jeder Kunst und jeder Bindung,
jedes Schaffens und jeder Schöpfung?

Und sind nicht wir Menschen selbst
wie Sterne, hell und strahlend
von Geburt in diesem Licht?
Sind wir nicht selbst der Traum

einer höheren Idee?



Herbststerben

Im Herbst verlieren die Blätter
ihr hoffendes Grün,
verfärben sich braun:

Braun ist die Vorstufe von schwarz:
Schwarz ist Sterben,
schwarz ist der Tod.

Das macht traurig,
das lässt verzweifeln
das lässt verzagen.

Ich denk an dich
und halt dich fest
in meinen Träumen

und in meiner Wirklichkeit.



Gefühle

.. schwingen nicht in,
sondern hinter den Worten,
schwingen zwischen den Worten,
schwingen durch Leerzeilen
und Leertasten.

Das Ungesagte übermittelt Gefühle,
wenn man die Sprache findet,
die keine Worte braucht
und die Schwingungen aufnimmt,
die verstehen lassen.

Worte transportieren mehr,
als sie sagen.

Ihr Gehalt ist tiefer.



Sehnsucht

.. nährt nicht die Seele:
Sie steigert den Hunger,
steigert das Verlangen.

Nur die Erfüllung sättigt:
Was aber satt macht,
macht auch überdrüssig.

Der Dichter darf keine Erfüllung finden:
Muss immer hungrig bleiben,
muss immer sehnen.

Sattsein bedeutet Stillstand:
Bedeutet Schläfrigkeit,
bedeutet Alltag,

bedeutet den Tod der Romantik.



Mutter?

Ich hätte gerne eine Mutter gehabt.
Die Frau, die mich geboren hat,
hat mich niemals in den Arm genommen,
mich niemals gestreichelt,
mir niemals einen Kuss gegeben.

Ich war der Unfall,
weshalb sie heiraten musste
und sie hat immer betont:
Ich hasse dieses Kind.
Und ich hab sie dafür gehasst ..

Hätte ich nicht meinen Vater gehabt,
der mich immer liebte,
dann wäre ich vor die Hunde gegangen.
Mein Vater hat mich immer rausgeholt,
auch nach der Scheidung,

hat mich immer gehalten,
war immer für mich da,
hat sich immer um mich gesorgt,
hat mich manchmal von der Schule abgeholt
und ich konnte mich bei ihm aussprechen.

Nach der Scheidung meiner Eltern
kam er jeden Sonnntag morgen
und hat unten mit dem Auto aufgeblickt,
dass ich kommen kann
und wir sind dann irgendwohin gefahren,
ins Taunuswunderland
oder auf eine Burg oder haben ein Schloss besichtigt.

Ohne meinen Vater wäre ich heute tot.



Mutter, wo bist du?

Ich erinnere mich an die Zeit,
wo ich 15 Jahre alt war
und wir Jugendlichen hatten uns
irgendwo Schinkenhäger besorgt

und ich trank unbesorgt
und lag dann im Kinderzimmer
auf dem Boden mit einer Alkoholvergiftung
fast bewusstlos auf dem Teppichboden.

Und meine Mutter kam rein
und trat mich immer mit dem Fuß
in den Körper. Mir gings so schlecht,
ich war am Ende und dann noch

diese Tritte überall hin.



Das Grab meiner Oma

Als ich las, dass du den Geburtstag
deiner Oma nicht vergessen hast,
bekam ich ein schlechtes Gewissen,
weil ich auch lange bei meiner Oma war
und kein Mensch mich je besser behandelt hat.

Kein Mensch war je so gut zu mir wie meine Oma
und ich kenne ihren Geburtstag nicht,
obwohl ich ihr Grab gepflegt habe,
wo das Datum draufstand
und ich jede Woche dort war
und ihr einen Stein gekauft habe,
weil mir das Holzkreuz
nicht so gefiel.

Bis ich eines Tages hinkam
und das Grab nicht mehr da war,
weil meine Mutter die Gebühr
nicht mehr bezahlt hatte,
um es zu verlängern.

Meine Mutter werde ich
bis in den Tod hassen,
nicht nur deshalb:

Sie war eine kalte Frau,
die mit dem Rohrstock
ihre Kinder erzog

und manchen Kochlöffel
auf meinem Körper
zerschlug in zwei Teile:

Kein Tag ohne Prügel:
Eine sadistische Teufelin,
die beim Zuschlagen

noch lachte.



Helmut Schmidt

.. der Politker
und Mitherausgeber der Zeit ist tot.

Er war authentisch, ehrlich und integer.

Ich trauere um ihn,
diesen letzten wahren Politiker.



Schlaflos

.. lag ich die Nacht
und dachte an dich,
sah dich vor mir als Kind,
mit den Zöpfen
auf der Schaukel,
wie du redest mit Tommy und Annika.

Das kenn ich alles,
das ist alles mein Leben
und ich weiß noch,
wie wir “Sachensuchen” gingen
und soviel fanden,

das unsere Eltern uns dann
nahmen und wegwarfen.



Meiner Muse

Mein gesamtes bisheriges Schreiben
war nur Vorübung,
war nur Vorbereitung,
war nur Präludium
für den Ernstfall:

Für den Fall,
dass die wahre,
die einzige,
die ewige Muse
in mein Leben tritt.

Und sie ist eingetreten.



Augenblick aus der Ferne

Wenn das Herz spricht,
wenn die Seele schwingt,,
wenn Gefühle atmen,

braucht es keine Worte,
braucht es keine Zeichen,
braucht es keine Laute.

Die nonverbalen Signale
wirken über die Distanz,
wirken von Du zu Du

über den Sternenhimmel,
über die Atmosphäre,
über den Wind

wie eine Berührung,
wie eine Umarmung,
wie ein tiefer Blick

in die Augen.



Zusammensein
(für meine Sis)

Wenn ich weiß, dass du da bist,
dass du an mich glaubst,
dass du mich liebst,

ist das für mich wie eine Tür,
die immer offen steht für mich
und nicht mal eine Tür,

sondern ein Raum,
in dem wir zusammen sind,
dieselbe Luft atmen,

die gleichen Gefühle empfinden.



Miteinander

So wie jede Pflanze und jedes Tier
ein Versuch ist der Natur,
so ist jeder Mensch ein Versuch
zu mehr Menschlichkeit.

Packen wir es an.



Manchmal

.. reagiere ich aggressiv
aus aufgestauter Wut
und angesammeltem Ärger,

sage Dinge, die ich nicht sagen will,
hab mich nicht mehr im Griff,
zerschlage Freundschaften

und verderbe es mir mit allen,
die es gut mit mir meinen
und will das nicht wirklich.

Ich mach es nicht anonym
wie etwa ein Internet-Troll,
sondern unter meinen Namen.

Das ist nicht normal.
Ich will mich ändern.
Ich will in Harmonie leben

mit anderen Menschen.



Sternenliebe

Im einsamen Sternenraum
soviel Licht und soviel Sehnsucht,
angesammelt über Jahrtausende,
gespeichert von einsamen Herzen,
hoffend, glaubend, liebend.

Wieviel Wünsche sind hier abgelegt,
wie viele Augenpaare trafen sich hier,
treffen sich hier, tauschen sich aus
zielsicher und zielgerichtet,
wo man sich doch nur verfehlen kann.

Ein kalter Ort für Rendevous
und doch wohl der wärmste Ort im Leben,
wo sich so viel Liebe sammelt
und wo deine Liebe und meine Liebe
unsterblich zu unserer wurde.

Die Sterne fragen nicht
nach der Herkunft,
nach dem Besitz,
nach dem Stand,
der Religion,
der Rasse:

Sie sehen nur auf den Menschen,
so wie ich nur auf dich sehe

in Liebe.



Jedes Blatt,

.. das neben einem anderen zu Boden sinkt
könnte eine Hoffnung sein
zur Zusammenkunft in Zukunft
könnte ein Symbol sein über die Zeit,
ein Händereichen über die Distanz,
eine Umarmung schüchtern noch,

ein leiser Kuss aus der Ferne.



Dichter

Es gibt Dichter und Nachdichter.
Die Dichter schöpfen aus sich selbst,
die Nachdichter schöpfen aus anderen,

benutzen was sie vorfinden,
um die Idee zu verändern,
in andere Formen zu bringen,

um sich darzustellen als Dichter,
die sie nicht sind
und niemals sein werden.

Das finde ich makaber.



Für meine Schwester

Für mich bist du eine Rose,
die im Verborgenen blüht,
die Zuwendung und Aufmerksamkeit
und Liebe und viel Wasser braucht,
dass sie blühe und nicht vergehe.

Eine Schattenrose,
die hinter den Hügeln wächst,
im Schatten der Berge,
abseits der Lügen des Lebens,
abseits des eitlen Getues.

Eine seltene Rose.
Eine einsame Rose.
Eine Rose aber,
die es zu entdecken gilt
und die liebenswert ist

in ihrem versteckten Dasein.



Ein Lächeln im Glück

.. empfängt meine Seele
durch jeden Text,
durch jede Zeile,
durch jedes Wort
von dir.

Aber noch glücklicher
wäre ich,
wenn es umgekehrt
so wäre.

Dich beglückt sehen
durch meine Worte,
meine Zeilen,
meine Liebe.

Das wäre mein wahres Glück.



Liebe

.. entsteht dadurch,
dass man auf Menschen zugeht,
auf Menschen eingeht,
sich Menschen öffnet
und Menschen annimmt,
die sich einem öffnen.

Wer nur passiv wartet
auf ein Wunder,
der wird einsam bleiben,
der wird allein bleiben
und wohl hadern
mit dem Schicksal.

Das gilt fürs Internet
wie auch fürs Leben draußen:
Du musst aktiv werden,
darfst dich nicht verstecken,
musst immer dran bleiben
am Atem des Lebens.

Von Nichts kann nichts kommen.



Wie die Sonne

.. ihr wärmendes Licht
über die Erde verteilt,
so verteilt die Liebe
ihre heilende Kraft

an die Fühlenden
an die Sehnenden,
an die Hoffenden,
an die Glaubenden,

an die offenen Herzen.



Den Augenblick

.. kann man nicht festhalten,
aber den Augen-Blick.

Und jeder Augen-Blick
ist ein neuer Augenblick

der Übereinkunft,
der Sympathie,
der Freundschaft,
der Liebe.

Und darf nie enden.



Die Liebe

Über allem was ich tue,
über allem was ich sage
steht die Liebe.

Die Liebe ist mein Motor
immer und überall,
die Liebe ist alles.



Rosenblätter

Wie eine Rose sehe ich dich,
die ewig blüht und nie vergeht
in der Einsamkeit der Nacht,

die nur sanft erhellt wird
durch den Mond und die Sterne,
die nie wirklich vergehen

und immer ihr Licht senden
in ein einsames Herz
wie ein stilles Zeichen

der Liebe.



Sehnsucht nach meiner Sis

Davon träume ich:
Dich in Händen zu tragen
über Wiesen und Felder,
mit dir im Regen zu tanzen
und dass wir uns einmal
den Abhang hinab rollen,
wie Kinder es tun.

Und dass wir laut lachen
und zuletzt uns halten,
atemlos und beieinander
und uns nah sind
und uns berühren,
Haut an Haut,
Wange an Wange.

Wann wird es endlich wahr?

Dein Bruder liebt dich.



Herbstwanderung

Mein Wanderweg geht
über Wiesen und Felder,
geht über morastgetränkte Regenpfützen
und aufgewühlte Pferdepfade,
führt vorbei an Futterkrippen
und den Hochsitzen der Förster,
führt durch versteckte Sümpfe
und meterhohen Farn.

Mein Wandertag ist
kein Schönwettertag,
die Wolken sind nicht Baudelaire
und auch nicht Hesse.
Düster sind die Wolken,
dunkel und fremd,
von keiner Sonne
freundlich hinterleuchtet.

Meine Wanderung wird begleitet
vom Krächzen riesiger Rabenkrähen,
die sich reglos reihen
auf den unteren Ästen
der starren Bäume wie
überdimensionale Zapfen.

Mein Wanderziel zieht mich
nahend in seinen Bann.
Ausholend ist mein Gang
bei abschüssigem Gelände.
Durch dichtgestrüpptes Gebüsch
stapfe ich stetig strebend
dem tintentrüben Tümpel zu,
dessen schwarze Wasser
mich kühl umfangen.
Still wirbeln sie
mich hinab in
die Tiefe
wie ein
Stru
de
l.



(Das Leben war für mich oft Trauma und ich stellte mir oft vor,
in den Wald zu gehen mit einem Spaten
und mich selbst einzugraben.)



Anfrage

Wenn das Herz überläuft vor Glück,
da frag ich mich:
Legt es geheime Kammern an
für Notzeiten?

“Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.”

Rainer Maria Rilke

Liebeszauber

Sterne werden geboren,
Leben wird geboren,
Gefühle werden geboren,
Gedanken werden geboren,
Worte werden geboren
auf magische Weise.

Magisch ist die Liebe,
weil jede Liebe
ihren Stern findet,
ihr Leben findet,
ihre Gefühle findet,
ihre Gedanken findet,
ihre Worte findet

in magischen Gedichten
von magischer Schönheit,
die magisch berühren,
magisch eindringen
ins  tiefste Innere
wie ein Zauber.

Magisch stellt sich das Sein dar,
magisch wie deine Poesie,
die meinen Geist berührt,
meinen Körper erbebt,
die mein Herz erhebt,
meine Seele weitet

und mein Auge flutet
mit Glückstränen.



Zeitumstellung?

Heute die Uhr zurück gestellt
um eine Stunde
von Sommerzeit auf Winterzeit.

Warum lassen wir uns das gefallen,
obwohl zwei Drittel der Deutschen
gegen die Sommerzeit sind?

Es ist es eine Stunde länger hell,
aber wir haben nichts davon,
weil wir eine Stunde

früher zu Bett müssen,
um eine Stunde
früher raus zu kommen.

Man kann eben
nur die Uhr umstellen
und nicht die Zeit selbst.



Bezahl dein Buch

Ich muss mal ne schwarze Liste
rausbringen von den unseriösen Verlagen,
die vorgeben, dein Buch rauszubringen,
wenn du 1500 Euro dazu zahlst.

Diese Verlage sind unseriös,
bewerben dein Buch nicht richtig,
stellen es wohl bei Amazon rein,
aber du verkaufst kein einziges Exemplar
von der angeblich gedruckten Auflage..

Du erhältst ein paar Belegexemplare,
die du an Freunde und Verwandet verschenken kannst,
aber dein Buch wird keine Aufmerksamkeit finden.

Diesen Verlagen kommt es nur darauf an,
dein Geld zu erhalten für den Druck
und sie stellen dir eine hohe Auflage in Rechnung,
haben diese aber niemals vorrätig.

Weil sie wissen, dass dein Buch nicht nachgefragt wird.
Lass die Finger weg von Verlagen, die Geld verlangen.

Andere unseriöse Verlage deklarieren
eine Gedichte-Anthologie
als bibliophiles Nachschlagewerk,
weil sie dafür keine Belegexemplare
vergeben müssen.

Das sind eigentlich alles Betrüger,
die von der Eitelkeit der Skribenten leben.

Seid vorsichtig, wenn Verlage
sich auf große Namen berufen,
etwa Goethe-Gesellschaft
oder Fouqué-Verlag.

Diese Verlage leben davon,
dass der Autor selbst seine Werke kauft.
Ein seriöser Verlag aber
zahlt an die Autoren.



Küssekonto

Stell dir vor,
du hättest ein Küssekonto,
aufgeladen mit einer bestimmen Anzahl von Küssen,
die du im Leben vergeben darfst.

Wie würdest du reagieren:
Würdest du alle aufsparen
für den richtigen Partner

oder würdest du die Küsse ausgeben,
je nach Lust und Laune,
bis dein Konto leer wäre?



Sternzeit

Wie kurz unser Leben doch zeitigt,
wenn man es mit den Sternen vergleicht.

Die Sterne stehen für uns immer am selben Ort,
aber die bewegen sich, nur reicht unser Dasein nicht aus,
die Bewegung zu erkennen.

Das ist die Relation der Zeit:
Unser Leben von den Sternen aus gesehen,
vollführt sich in Zeitlupe.

Wir sind Eintagsfliegen,
tragen die Illusion der Unendlichkeit,
weil unser Leben unendlich

und unser Tod weit weg scheint,
den wir in uns tragen
wie Gezeichnete.

Nur die Liebe trägt uns in Unendlichkeit,
denn jeder Moment der Liebe
ist eingeschrieben

ins Buch des Lebens.
Für immer wirkend,
unauslöschlich.

Ewig bestehend.



Herz vs. Kopf

Du kannst den PC ausknipsen,
du kannst der Liebe davonlaufen,
aber deine Seele kannst du nicht ausknipsen
und deine Gefühle laufen dir hinterher,
holen dich ein, stellen dich,
stellen dich zur Rede:

Wohin du auch gehst,
wo du dich auch versteckst,
was du auch tust.

Das Herz pocht den Verstand
zu Boden, zur Erde:

Schlag für Schlag:
Das Herz bleibt Sieger.

Immer.



Hoffnung

Wer die Hoffnung aufgibt,
der gibt sich selbst auf.



Grippaler Infekt

Wenn der Mond
verschnupft ist,
niesen auch die Sterne.

Ein Virus im All
setzt alle
ins Krankenbett.

Selbst die Milchstraße
inhaliert
heiße Kräuter.

Der Mondprincess
reicht der Mondprinz
Stärke und Kraft

und ganz viel Liebe.



Die Kirche

.. war schuld
an der Hexenverbrennung
und ist Schuld
am Missbrauch
tausender Kinder.

Ich glaube nicht an die Kirche,
aber ich glaube an Gott,
jedenfalls an die Idee
von einen Schöpfer.

Die Kirche ist soweit
von Gott entfernt,
wie der fernste Planet
von der Erde.



Ein Rendezvous

.. im Weltall und unter Sternen,
kann ein prickelndes Erlebnis sein.

Auch wenn sich die Blicke nur kreuzen,
entsteht eine stille, intime Erotik.

Ein Beisammensein in der Nacht,
fernab der realen und kalten Welt,

fernab von den Pflichten des Tages,
fernab vom täglichen Stress.

Fernab von dir küsse ich dich,
deine Haare, deine Stirn, deinen Mund.

Und küsse dich weiter und weiter,
bis zu dem letzten Punkt,

wo du mir sagst:
Ich dich auch.



Ornithologe

Wie das wohl
unter Vögeln heißt,
was wir unter Menschen
so nennen?

(Die Amsel,
die ich befragte,
hat mir nur kräftig
einen gepfiffen.)



Meine Schwester

hat viel hinter sich,
hat viel hinter sich gebracht.

Das spüre ich als Bruder,
das empfinde ich als Bruder.

Die Welt ist oft nicht einfach
und das Leben sowieso nicht.

Deshalb lasse ich nichts
auf meine Schwester kommen,

verteidige sie, wo ich kann
und liebe sie, wie ich es kann.

Und bin da, wo ich da sein kann.



Atmen

Ein Problem trage ich in mir:
Ich kann nicht mehr atmen ohne dich:
Meine Lungen versagen.

Und alle Sterne fallen vom Himmel,
wenn ich denke an dich
bei Tag und bei Nacht.

Der Sternenhimmel tanzt
in mir, in meinem Herz:

Meine Seele blutet Sehnsucht.



Immer

.. wenn ich in die Sterne sehe,
wenn die Nacht mich erzittern lässt,
lese ich ein Wort in zitternden Ziffern
und wenn ich es entziffert habe,
heißt es: Liebe.

Die Liebe aus den Sternen erkennen;
aus dem, was du mir sendest,
erhält mich am Leben,
entsendet mir Mut
und Freude.

Du bist mein Glück.



Erkenntnis

Wer sich eine Blöße gibt
in der Gesellschaft,
der wird von der Gesellschaft
bloßgestellt.

Plumpe Vertraulichkeit
wird ausgenutzt.

Vornehme Zurückhaltung
ist der bessere Stil

im Umgang mit Menschen.



Auge ins Auge

Manchen Menschen,
die ich hier kenne,
möchte ich einmal
ins Auge sehen:

Den Lieben und den Bösen,
aber wenn ich einer Lieben
durchs Auge in die Seele

sehen könnte,
würde sich vielleicht
das mit den Bösen
erübrigen,

denn Liebe sehen
heilt jede Wut,
jede Agression
und alle Wunden.

Liebe ist allumfassend.

(Mit den Bösen meine ich meine Hater,
die mir anonym schreiben,
dass meine Texte keine Gedichte wären,
weil sie keinen Rhythmus oder Klang hätten
und in zufällige Zeilen zerhackt wären usw.

Ich mach mir sehr viel Gedanken gerade um
die kritisierten Punkte und kann das nur
als gewollte Häme auffassen. PP)



Ein Troll

.. ist ein aggressiver Mensch,
der seine Wut an Unschuldigen
auslässt ohne zu diskutieren.

Mit mir kann man immer reden,
immer eine Ansprache finden,
immer auf Verständnis hoffen.

Wer mich aber abschneidet
wie ein Stück von einer Salami,
wie soll ich mit dem kommunizieren?

Da wird man öffentlich angeprangert
mit Texten, die man mal verbrochen hat
und die total aus dem Zusammenhang

gerissen sind, wie Nietzsches Texte
aus dem Zusammenhang gerissen
wurden in zwei Kriegen.

Oder wie die der Islamische Krieg
Texte aus dem Zusammenhang reist
des heiligen Buches Koran.

Wer ist eigentlich hier der Troll?
Ich ganz und gar bestimmt nicht:
Ich bin das Opfer des Mobbings.

Und kann euch nur den Spiegel vorhalten:
Ihr seid die Schweine
und ich bin PP,

der niemals untergeht.



Ungebetene Besucher

Mit den Menschen
aus Köln und Bonn
muss ich wohl leben.

Da gibt es eine Paranoia:
Sie denken, ich sei ein Troll,
weil ich meine Meinung

in Blogs kundtue:
Da lobe ich das eine Blog
und kritisiere das andere

und sie sehen nur,
was ich bekrittele
oder negativ einschätze.

Und nur, weil ich eine Muse
suche zwischen 15 und 50,
degradieren sie mich

zum Lustmolch und Verführer
kleiner und großer Mädchen:
Wie lachhaft und dumm.

Einfach krank.



Eine Welt für alle

Unsere Welt ist bunt:
Schau dir nur die Pflanzen an.

Unsere Welt ist farbig:
Schau dir nur die Tiere an.

Unsere Welt ist durchmischt:
Schau dir nur die Menschen an.

Unsere Welt ist möglich
in Buntheit,
in Farbigkeit,
In Durchmischheit,

weil alles möglich ist
mit ein wenig Toleranz

und ein wenig Liebe.



Ficken

Alle reden vom Ficken
und ich frage mich,
was das sein soll: Ficken.

Ich hab noch nie gefickt:
Ich hatte Sex,
aber dazu gehört mehr
als bloßes Ficken.

Guter Sex ist eine Kunst,
die man lernen kann,
indem man sich einstellt
auf die Wünsche des Partners.

Ficken ist Rammeln:
Das machen Hasen
auf der stillen Wiese,

wenn der Fuchs schläft.



Sex

Immer wieder beobachte ich an mir,
das ich abartig sein muss,
besonders wenn ich andere Blogs lese,
die zu Sex eine freiere Beziehung zeigen.

Für mich ist Sex ohne Liebe
nur eine Ersatzbefriedigung,
eine Art der künstliche Ernährung.

Für mich ist die sexuelle Vereinigung
zwischen zwei Menschen, die sich lieben
das höchste Gefühl, das man erfahren kann

auf dieser Welt



Marianne von Willemer

.. war Goethes Muse,
die er kennen lernte,
als sie siebzehn war.

Beide verliebten sich
und schrieben sich
bis zu Goethes Tot.

Es waren Texte,
von Liebe bestimmt,
aber auch von Erotik.

Die Gedichte stehen
im Buch Suleika
des westöstlichen Divans.

Einige Gedichte in diesem Werk
sind aus der Feder Mariannes,
was erst posthum bekannt wurde.

Als Goethe starb schrieb Marianne:
Gott hat mir diese Freundschaft gegeben.
Er hat sie mir genommen.
ich muß Gott danken,
daß sie mir so lange Zeit zu Teil ward.


©PP



Komisch

Die Welt ist komisch,
das Leben ist komisch,
du bist komisch,
ich bin komisch

Alles ist komisch.

Dann lasst uns also
komisch sein,
komisch denken,
komisch fühlen,

komisch leben.



Emotional

Manche Dinge berühren mich,
gehen mir auf die Nieren
und die Fäuste ballen sich.

Aber Gewalt soll kein Thema sein:
Beziehungen gehen in die Brüche,
damit muss jeder jederzeit rechnen.

Warum also eine Wut haben
auf den Exfreund meiner Sis?
Und doch spüre ich den Hass.

Möcht ihn mir zur Brust nehmen,
möcht ihn zur Rede stellen,
Tacheles reden unter Männern.

Die Aggression wächst gegen ihn
und ich weiß doch immer noch,
dass ich mich beherrschen muss.



Sorgen

Da lebst du da draußen,
fühlst dich allein
und am falschen Ort.

Und ich kann nicht helfen,
kann mich nur sorgen
jeden Tag und jede Nacht.

Und mich fragen,
wie du dich fühlt
und wie es dir geht,

meine Schwester?



Poe und Kafka

Man mag mich verlachen,
aber ich sehe viele Parallelen
in den Werken der beiden.

Wenn Poe in seinen Horrorstorys
die vernagelten Leichen
seiner tiefsten Seele
wieder erstehen läßt,

ist es bei Kafka nicht anders:
Auch er reinigt seine Seele,
indem er symbolisch schreibt
und das tiefste innere Grauen
in Worte fasst,

verschlüsselt wie bei Poe,
in Metaphern wie bei Poe,
in Gleichnissen wie bei Poe.

Kafka ist für mich
einer der letzten Romantiker
und Romantik bedeutet:

Seele zeigen.



Wunden
(für Kadee Mazoni)

Das Leben ist geprägt von schönen
und weniger schönen Erlebnissen.

Die schönen Erlebnisse
erbauen uns, schenken uns Glück.

Die weniger schönen Erfahrungen
hinterlassen Wunden,

hinterlassen Traumen,
die uns ein Leben lang

begleiten und prägen,
unser Leben bestimmen.

Aber das sind wir
und ohne unsere Erfahrungen,

die guten und die schlechten,
die glücklichen und die unglücklichen,

wären wir nicht geworden,
wer wir sind,



Verrückt

.. ist die Welt, sind die Menschen,
ist die Politik, ist die Wirtschaft,
ist das System, die Zivilisation.

Verruckt bist nicht du,
die sich als verrückt sieht,
nur weil sie anders reagiert,
anders denkt und fühlt:

Verrückt höchstens
im Sinne von weggerückt
oder abgerückt.
vom täglichen Irrsinn.

Alle große Menschen
waren verrückt,
weggerückt,
abgerückt

und haben die Welt doch beglückt.



Goldener Oktober

Wie bunt ist doch die Fantasie
in Dichters Einsamkeit,
doch manche Dinge gehen nur,
ist man dazu zu zweit.

Und wärst du jetzt hier neben mir;
wie rief uns die Natur
hinaus in Wiese, Wald und Feld,
in einer Liebe pur.

Und käme spät der Abend dann,
wir säßen nah an nah
und schauten in die Sterne still,
ich küsste sanft dein Haar.

Und unsre Herzen wären eins,
vereint die Melodie
und nur der Mond beschien uns still
so schön und hell wie nie.



Das Leben

.. ist mir ein Hindernislauf
und doch sehe ich das Glück:

Das große Glück,
die Sonne zu genießen.

Das große Glück;
die Sterne zu besitzen.

Das große Glück,
geliebt zu werden

von einer Schwester,
die über alle Distanz

bei mir ist, in mir wohnt,
mein Herz besetzt

und mir das Liebste ist.



Manchmal

.. wünscht ich mir,
schreiben zu können
wie Schattenengel
oder wie Helionelle
oder wie Feuerkuss,
oder wie Sternenseele,

aber jeder hat seine eigene Art,
das Leben zu erfassen
und in Worte zu formen.

So bleib ich mir treu,
schreibe bescheiden das,
wie und was ich kann

und steh zu meinen Texten.



Sternenhimmel

Wenn es Nacht wird,
wenn ich in den Himmel schaue,
wenn ich die Sterne sehe,

dann berieselt mich eine Wärme,
eine undefinierbare Freude,
ein Stich mitten ins Herz

und ein Gefühl,
bei dir zu sein,

umarmt in Zuwendung,
ummantelt in Liebe
umgeben von dir

in diesem unsterblichen Moment.



Psychos

Wenn ich im Netz rede von “Psychos”,
dann meine ich nicht diese Menschen,
die mit wirklicher Krankheit
auf dieses Leben reagieren,
sondern die sogenannten “Normalen”.

Ich finde nämlich,
dass man in diesem Leben
nur angemessen reagiert,
wenn man krank wird in der Seele.

Das wäre nämlich die “normale” Reaktion
auf dieses Leben
und auf diese Menschen,
die alle bestens funktionieren

in einem destruktiven System,
in das sich eben viele anpassen
und viele mitmachen
und wo diese Menschen untergehen,

die den Charakter haben,
anders zu sein,
zu hinterfragen, zu kritisieren
und Mensch zu sein.

Die Psychos sind für mich
die Angepassten, die alles mitmachen,
die niemals nein sagen
und alles hinnehmen

und sich lustig machen
über die “Andersartigen”,
die eigentlich gar nicht anders sind,
sondern nur ihrer Natur leben

und leben möchten.



Kürzere Tage

Ist es nicht die Dunkelheit,
die uns die Helligkeit
erst zu schätzen lehrt?

Ist es nicht die Kälte,
die uns die Wärme
erst zu lieben lernt?

Ist es nicht die Sehnsucht,
die uns die Liebe
erst zu würdigen weist?

Die Liebe trägt eine Flamme,
die niemals vergeht,
immer besteht:

Hell wie die Sonne,
heiß wie die Hölle,
schön und schmerzlich

zugleich.



Über Wasser

Im tosenden Ozean
des Lebens
von Strohhalm
zu Strohhalm
hangeln:

Das ist meine Art,
oben zu schwimmen.



Poesiepalast (PP)
Copyright © 2003 - 2016